Hallo, liebe Donna, Hallo,
ich habe mir den Film auch angeschaut. Der Roman kam vor etwa 3 Jahren raus - ich habe ihn
geschenkt bekommen, begonnen, aber dann nicht weiter gelesen. Es sind 1000 Seiten und
es gibt eine große Anzahl von Personen und Handlungsorten.
Der Film und die Handlung sind sehr trübe.
Ich meine schon, daß es eine auf wahren Tatsachen beruhende Handlung ist.
Leider. Ich war beispielsweise nicht bei der Armee. Meine Ausmusterung war nicht durch
"Vitamin-B" zustande gekommen, sondern ich hatte einfach Glück. In den Musterungskomissionen
(oder wie sich das nannte, ich erinnere mich nicht an die offizielle Bezeichnung) arbeiteten auch zivile
Ärzte. Der mich musternde Arzt jüngeren Alters war offenbar ein solcher und hat mich einfach
ausgemustert. Es gab natürlich gesundheitliche Probleme und ich selbt konnte nicht einschätzen,
ob es dann auch zu gefährlichen Belastungssituationen kommen könnte. Dazu ist ja eigentlich
ein Arzt auch da, so etwas zu bewerten. Daß es solche Vorkommnisse bei der Armee tatsächlich
gab, wie im Film gezeigt, ist mir ist gerüchteweise bekannt geworden. Hier im Film war es eine
Gefechtsübung, aber diese Ausdauermärsche über Dutzende von Kilometern mit vollständigem
Marschgepäck und in hohem Tempo waren immer der Abschluß jeder Grundausbildung. Das war
bekannt.
Die Stasi-Problematik ist eine ganz üble Sache gewesen.
Es wurden
alle gesellschaftlichen Bereiche von diesen Leuten überwacht und beeinflußt.
Militär und Sicherheitsbehörden natürlich sowieso. Aber auch die Wirtschaft, selbstverständlich
die Medien, das Bildungswesen, der Kulturbetrieb, die Kirchen, Justiz und auch das
Gesundheitswesen.
Wenn es in den 50er Jahren vielleicht noch in Ansätzen zu rechtfertigen war einen Blick auf alles
zu werfen, insbesondere die Wirtschaft, daß es größere von außen gesteuerte Sabotagaktionen
geben konnte, so war die Ausweitung dieser Aktivitäten bis hin zum Ende der DDR weder legitim
noch sinnvoll. Denn anstatt etwas zu verbessern, schaffte man sich nur noch mehr Feinde - und
diese vor allem nicht irgendwo, sondern im eigenen Lande.
Mir ist jetzt auch noch einmal die Tatsache bewußt geworden, daß die Menschen sich
eben nach 10-20 Jahren Feiheitsberaubung (also gesehen ab Beginn der 80er Jahre, und
ich meine also in erster Linie die geschlossenen Grenzen) nicht mehr damit abfinden wollten.
In den Jahren nach 1980 wurde der Drang nach freiem Reisen immer größer. 20 Jahre
Abschottung waren einfach genug. Es waren nun seit Anfang der 60er auch neue Generationen
aufgewachsen, die sich mit diesen Zuständen nicht mehr einverstanden geben wollten.
Die sich immer weiter verbreitende Sichtweise war: "Wir leben jetzt!"
Ich war Ende 70er einmal kurz dort oben auf dem "Weißen Hirsch" (in dem Dresdner Villenviertel
oberhalb des rechten Elbufers). Ich besuchte ein Kino wegen der Aufführung von Chaplins "Der
Goldrausch". Dresden hatte seine Bildungsbürger, die in der Uni und den Hochschulen arbeiteten,
im Krankenhaus, in Kunstschulen, Theater, Tanz und Museen. Sie wohnten wohl zum Teil auch dort
oben. Auch der Herr Manfred von Ardenne hatte sein Institut in dem Viertel. Damals wollte er
den Krebs (als Krankheit, er selbst war wohl gesund) besiegen und erfand die
Sauerstoffmehrschrittt-Therapie.
Es war natürlich nicht einfach mit der Stadt nach dem Kriegsende.
Erich Kästner sagte angesichts dessen: "Die Stadt Dresden gibt es nicht mehr."
Einige der alten Gebäude wurden wieder hergestellt - der Zwinger, die Katholische Hofkirche.
Aber die alte Stadt insgesamt wieder so herzustellen wie sie ursprünglich war - schwer zu sagen,
ob das möglich gewesen wäre. Es wäre nicht nur eine Frage des guten Willens gewesen, sondern
sicher vor allem auch eine Frage der erhöhten Anstrengungen und Aufwendungen.
Als ich Ende 70er gelegentlich in Dresden war, erfuhr ich, daß diese gesamte große Stadt
(500.000 Einwohner) nur ein einziges Hallen-Schwimmbad hat. Und ich glaube, es war nur ein
25m -Becken. Da habe ich mir schon gedacht, daß das so nicht gut gehen kann. In den reinen
Altbauvierteln von Dresden war ich damals seltener. Aber es war zu hören, daß der Verfall dort,
so wie auch in Leipzig, in den 80er Jahren rasant zunahm. Und wenn es eine Kombination so vieler
Mißstände gibt - dann mußte es zu der Situation führen, daß die Menschen völlig "ausgestiegen"
sind aus diesem Land.
Ich war in den Tagen der Eröffnung der Semperoper (Februar 1985) auf Dienstreise in Dresden.
Da war eines Abends der Hauptbahnhof von Polizei vollständig abgesperrt. Es war bereits dunkel.
Ich sah zahlreiche Hundestaffeln und war entsetzt von dieser Szenerie. So etwas hatte ich live noch
nie gesehen - nur in Berichten aus dem Westfernsehen von dortigen Demonstrationen. Es hieß
dann, daß ein Fußballspiel von "Dynamo Dresden" stattfindet. Ich hatte damals bereits das ungute
Gefühl, daß die angestrebte Harmonie schon längst zerbrochen war.
Was mich persönlich betrifft - ich war mit den Zuständen nicht einverstanden.
Aber weder wollte ich mich in gefährlichen Aktionen verausgaben, um dann vielleicht jahrelang im
Knast zu landen - das hätte ich dann wahrscheinlich auch kaum überlebt - noch wollte ich im Westen
leben. Als ich jung war, dachte ich mir, zunächst "etwas zu lernen", erfahrener zu werden.
Danach gab ich mir 10 - 20 Jahre Zeit. Daß die Entwicklung dann so lief, wie sie lief, konnte ich
nicht vorhersehen. Ich war darüber nicht völlig glücklich, weil die Menschen zu sehr dem Westen
in die Arme getrieben wurden. Allerdings muß ich sagen, daß der Sicherheitsapparat sehr, sehr
gewaltig war. Genauere Zahlen erfuhr man ja auch erst nach den Umbrüchen. Daß beispielsweise
in Berlin-Adlershof ein Regiment mit mehreren Tausend Angehörigen stationiert war, wußte ich - es
war allgemein bekannt. Daß es aber sogar mehr als 11.000 (!) Angehörige hatte... (ich hatte
mit 5 - 8 Tausend gerechnet).
http://de.wikipedia.org/wiki/Wachregiment_Feliks_Dzierzynski
Wie hätte man mit diesen gut ausgebildeten, trainierten und schwerbewaffneten Leuten fertig werden
sollen? Hinzu kamen ja dann noch die Armee, die Polizei - die hatten auch kasernierte Einheiten - und
die Staatssicherheit insgesamt (wie dann später zu hören war, 91.000 Hauptbeschäftigte, einschließlich
der Zeitsoldaten vom Wachregiment).
Und es waren - wie ich dann auch später erfuhr -
337.000 (!) russische Soldaten
in der DDR stationiert (mit Familienangehörigen eine halbe Million Menschen). Wieviele Waffen da
dran hingen, weiß ich nicht, aber es waren sehr viele Panzer und natürlich kleinere Waffen in
rauhen Mengen. (4200 Panzer, 8200 gepanzerte Fahrzeuge, 3600 Geschütze, 106.000 sonstige
Kraftfahrzeuge, 690 Flugzeuge, 680 Hubschrauber, 180 Raketensysteme, 95.500 Kraftfahrzeuge,
677.000 Tonnen Munition -Stand 1991, aus Wikipedia)
Die Amis haben sogar das riesige Übungsgelände von Jüterbog - das man vom Zug aus sehen
konnte, wenn man in Richtung Dresden fuhr - in den USA nachgebaut.
Im Grunde genommen gab es nur die eine Möglichkeit, wie es ja dann auch in der Wirklichkeit
gekommen ist, daß sich die Menschen in Massen dagegen erheben. Eine Initiierung erfolgte
damals 1989 quasi mit Hilfe des Westens über das "ungarische Trojanische Pferd" - so möchte
ich das einmal bezeichnen.
Die Hauptursache waren aber natürlich auch die Veränderungen in der ehemaligen Sowjetunion,
die das ermöglichten, daß sich eben Ungarn so "trojanisch" verhalten konnte und den Grenzzaun
öffnete. (Die Ungarn waren "klamm" und haben dann einen netten Kredit von der Bundesrepublik
bekommen.) Was genau die Ursachen in der Sowjetunion für diese Veränderungen waren - müßte
man erforschen. Personen mit ihren Ideen sind nicht unwichtig, aber zum Teil auch nur Ausdruck
von Notwendigkeiten und Entwicklungen. Warum dann plötzlich Gorbatschow "losgelassen" wurde
und was man sich davon versprach - das, wie gesagt, müßte man einmal genau klären.
(Vielleicht haben sich die Russen damals gedacht, daß ihnen das von ihnen besetzte vorgelagerte
Europa zu teuer wurde, daß sie das nicht mehr brauchten, weil sie ihre Atomraketen hatten und sich
stattdessen mehr auf innere Probleme konzentrieren wollten (und dann vielleicht noch einen Deal
mit dem Westen machen können, wenn man diese Länder "herausrückte"). Die osteuropäischen
Länder haben doch vor allem Probleme gemacht. DDR '53, Ungarn '56, ,
Tschechoslowakei '68, Polen '81, hinzu kamen noch außereuropäische Probleme: Korea Anfang 50er,
Kuba ab '59, Vietnam '64-'75, Afghanistan nicht zu vergessen).
Daß dieser Stasi-Wahnsinn beendet werden konnte, ist mit das Beste.
Was die Zunkunft bringen wird...
?
Hoffen wir, daß sich so etwas nicht wiederholen kann.
PS.:
Créme frech von Martin Buchholz
Martin Buchholz hat geschrieben:Grüne, Linke, Piraten:
Die Basis läßt grüßen
Bei den Grünen hat man mal wieder die Basis entdeckt. Claudia Roth schnullerte es kulleräugig in alle Kameras: "Nichts ist uns wichtiger als das Vertrauen der Basis." Dieses Basisvertrauen ist ja nicht ganz unwichtig, wenn man auf der politischen Bühne agiert. Wer sollte das besser wissen als ich. Schließlich stehe ich ab Sonntag wieder selbst auf der Bühne der "Wühlmäuse", wenn auch nur jeweils für eine zweistündige Wahlperiode.
Dann spüre ich das Vertrauen, das die Basis, die zu meinen Füßen kauert, verströmt. Davon ist vor der Vorstellung, wenn der Theatersaal noch leer ist, nichts zu merken. Aber viele Leute schleppen leichtsinnigerweise Vertrauen mit sich herum -- auch ins Theater. Kurz vor dem Ende des Programms mache ich stets die übliche Ansage, daß sich jeder bitte beim Verlassen des Theaters vergewissern möge, daß er seine Wertsachen, insbesondere das Vertrauen, noch dabei habe. Dennoch beschweren sich hinterher immer wieder Zuschauer, daß sie in meinen Vorstellungen ihr rechtsstaatliches Vertrauen verloren hätten und daß ich es ihnen gefälligst zurückgeben soll. Dabei -- was soll ich machen: Ich hab dieses Vertrauen selber auch nicht. Das muß irgendwer anders wohl aus Versehen mitgenommen haben. Und so sieht ja dieses Vertrauen auch aus -- ziemlich mitgenommen.
Andererseits gibt es auch Leute, die kommen und sagen: "Herr Buchholz, ich schenke Ihnen mein volles Vertrauen!" Diese Schenkung lehne ich aber dankend ab. Meine Mutti hat mir schon früh beigebracht, daß ich von fremden Onkels nichts annehmen soll. Und wie mich das Leben später lehrte -- von fremden Tantens besser auch nicht.
Ich jedenfalls würde mein Vertrauen nicht überallhin mitnehmen, weil darauf kein Verlaß ist. Das Vertrauen geht ab und zu gern mal flöten. Weshalb auch die Grünen Obermacker und -innen der Basis wieder die richtigen Flötentöne beizubringen versuchen. Aber was dabei herauskommt, ist meist nichts als verquälte Quakerei. Keine Flötentöne, sondern Krötentöne. Ja, sowas kommt von sowas: Denn immer wenn die Grünen mal an irgendeiner Regierung waren, wurden sie ja kulinarisch anspruchsvoll und schluckten jeden Morgen zum Frühstück mindestens drei Kröten. Das nennt man orale Sodomie. Und der einst so hoffnungsvoll begonnene lange Marsch durch die Institutionen endet folgerichtig als Krötenwanderung.
+++
Da ist man bei der Linkspartei nicht so feinschmäcklerisch. Die verhackstücken sich da ganz genossenschaftlich gegenseitig, um sich dann einander zum Fraß vorzuwerfen. Ossis und Wessis in der Faktion haben sich da gegenseitig echt gefressen. Das neue Partei-Motto ist: Kannibalismus statt Sozialismus. Eine höhere Stufe der sozialistischen Mitmenschlichkeit. Schließlich sang schon der olle Brecht: "Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er was zum Fressen bitte sehr..." Kein Wunder, daß man sich gründlich satt hat, eben weil man einander schwer im Magen liegt. Doch obgleich man sich gegenseitig ungenießbar findet, verkündet die Parteivorsitzende öffentlich unverdrossen: "ICH HAB' GENOSSEN"!
+++
Im Januar stehen die nächsten Wahlen an in Niedersachsen. Die Piratenpartei liegt da nach einer NDR-Umfrage gleichauf mit der Linkspartei -- inzwischen bei matten vier Prozent. Da lautet das Motto mittlerweile:
Erst bloggen und twittern,
dann zagen und zittern.
Oder auch: Erst schippern und entern,
dann bibbern und kentern.
Dabei stand der niedersächsische Piratenkahn noch vor ein paar Monaten mit satten acht bis neun Prozent unter vollen Segeln. Aber der Aufwind, der die Piraten vorwärts trieb, erwies sich immer mehr als heiße Luft, die sie selber produzierten. Der Totenkopf auf der Piratenflagge wurde zum unverwechselbaren Markenzeichen dafür, daß es im computergesteuerten Schädel an Programm-Software mangelt und daß der virtuelle Hohlraum dringend auf ein Update wartet.
Es reicht eben nicht, sich permanent in politischen Fragen für inkompetent zu erklären und für diese Inkompetenz das Urheberrecht exklusiv zu beanspruchen, man muß diese exklusive Unbedarftheit auch glaubhaft verteidigen können. Nun stellt sich aber in den politischen TV-Quasselshows - etwa zum Thema Euro-Krise - stets von neuem heraus, daß die angeblichen Experten der anderen Parteien ebenso ahnungslos sind wie die Naivlinge von den Piraten. Und damit ist deren Alleinvertretungsanspruch in Sachen politischer Ignoranz nicht mehr glaubhaft. Da sagen die anderen Parteivertreter vollkommen zu Recht zu ihrer neuen Konkurrenz: Was ist eigentlich so neu und besonders an euch? So doof wie ihr waren wir schon lange.
Blöderweise meinen etliche Ober-Piraten inzwischen, daß auch sie in allen Sachfragen irgendwie mitreden müßten. Sie sollten sich an den weisen Rat halten, den Mark Twain mal gegeben hat: Es ist besser man hält den Mund und erweckt den Eindruck, dumm zu sein, als ihn aufzumachen und jeden Zweifel zu beseitigen.