Hallo, liebe Coco,
Coco hat geschrieben:So kann man die Bauherren besser kontrollieren
Was die Qualität der Bausausführung angeht, ist ein solches Muster natürlich
ein guter Maßstab.
Coco hat geschrieben:-Werden die "Hersteller" tariflich bezahlt?
Das ist eine gute Frage, die Du stellst.
Ich denke einmal, daß die Steinmetzarbeiten schon sehr gut bezahlt werden.
Alle Arbeiten und Gewerke betreffend, kann ich Dir die Frage nicht exakt beantworten,
denn Berlin als Hauptstadt der Baustellen...
In der Straße, in der ich seinerzeit wohnte, wurde eine alte Zigarettenfabrik von der vorvorigen
Jahrhundertwende für eine Behörde umgebaut/modernisiert. Ich konnte das Baugeschehen
dort täglich beobachten. Sonnabends ging es munter weiter, genauso wie wochentags über.
Und die Bauarbeiter unterhielten sich portugiesisch und spanisch. Warum wohl...?
Daß es bei all diesen Bauvorhaben Subunternehmer und dann noch Subsubunternehmer gibt,
um die Kosten zu unterbieten - so etwas ist wohl gang und gäbe.
1997 traf ich zufällig Herrn Schönbohm (CDU), damals Innensenator von Berlin, am Bahnhof
Alexanderplatz. Er stand dort so einsam herum und schaute die Menschen so gesprächsbedürftig
an. Zwei Dinge gingen mir durch den Kopf: Hat er keine Angst? (Sicherlich werden dort irgendwo
im Umfeld noch ein paar Begleiter aufgepaßt haben, aber ich habe niemanden gesehen.) Und
weiter: Der arme Mann - niemand will mit ihm reden. Da bin ich zu ihm hin und habe ihn gefragt,
wie es kommt, daß viele ostdeutsche Bauarbeiter arbeitslos sind oder bis nach Holland fahren
müssen, während hier Portugiesen und Spanier arbeiten. Na, gut - was sollte da als Antwort
kommen? Da hat er dann etwas von "Arbeitnehmerentsendegesetz" erzählt. Was nützt ein solches
Gesetz, wenn nicht vorrangig deutsche Bauarbeiter auf deutschen Baustellen beschäftigt werden,
sondern Ausländer, um die Lohnkosten zu drücken. Das ist das alte Lied - Teile und herrsche.
Ja, bitte - man kann auch als deutscher Bauarbeiter in Deutschland bauarbeiten - wenn man
so genügsam wird wie Spanier und Portugiesen... das war und ist die Botschaft der Baubosse.
Wie fragte Brecht:
"Wer erbaute das siebentorige Theben?"
da kann man ergänzen:
"... für einen Appel und ein Ei?"
Vor einem halben Jahr sah ich im TV (ARD oder ZDF) den Bericht eines Magazins über den Bau
des neuen Großflughafens Berlin-Brandenburg International. Da kamen früh am Morgen
Arbeitssuchende zum S-Bahnhof Berlin-Grünau (der liegt wenige S-Bahnstationen vor dem Flughafen).
Sie warteten eine Weile, bis ein Bus kam. Wer es schaffte in diesen einzusteigen, der hatte
Glück und bekam einen Tagesjob. Der Bus fuhr hinaus zur Baustelle, wo dann die Arbeit
eingeteilt wurde. Ausführlichere Informationen gab es in diesem Bericht zu einem Mann aus
Rumänien, der nach Berlin gekommen war, um hier etwas Geld für zu Hause zu verdienen.
Die Firma, die die Leute auf dem Flughafen tageweise beschäftigte, hat nicht gezahlt und war
dann nicht mehr erreichbar. Der Rumäne hat sich gekümmert und eine Telefonnumer kontaktiert,
die man ihm gegeben hatte. Ohne Erfolg.
Dann ist er zum DGB gegangen - die zuckten auch mit den Schultern, wollten dann
aber versuchen zu helfen. Er hatte kein Geld und konnte sich auch keine Unterkunft leisten.
Er ist dann nachts zum Schlafen ins Obdachlosenheim gegangen.
http://www.taz.de/!86577/
(Der Link funktioniert leider wegen des enthaltenen Ausrufezeichens nicht. Er führt zu einem
Artikel der taz, in dem das Vorgefallene bestätigt wird. Nur daß hier von ungarischen Arbeitern
gesprochen wird, bzw. allgemeiner von osteuropäischen.)
Eigentlich ist es Aufgabe des Zolls, diese Beschäftigungsverhältnisse zu kontrollieren.
Manchmal ist es vielleicht schwierig, wenn die Arbeiter nicht legal hier sind. Aber ich glaube,
daß es in dieser Frage schon im Rahmen der EU besser geworden ist. Man kann ja allgemein
seinen Wohnsitz als EU-Bürger frei innerhalb der EU wählen. Und genauso den Arbeitsplatz.
Wer beim Schloß-Neubau der Bauherr ist, weiß ich nicht. Vermutlich der Bund und die
Stadt Berlin.
Die Flughafenfirma, die Berlin und Brandenburg gehört, hat behauptet, daß sie
von allen Firmen die Beschäftigung nach Tarif verlangt. Es wären nur Einzelfälle und
"schwarze Schafe". Aber, wie im Artikel zu erfahren ist, bekam die Gewerkschaft keinen Zutritt
zur Baustelle.
So läuft es leider - manchmal... oder immer öfter?
Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
PS.:
Ich habe gehört, daß heute die zwei "G"-Mannschaften Fußball spielen:
Griechenland und AlleMannJa-Germany. Gut, daß die Bälle nicht "Aua" schreien,
aber bei dem Lärm in den Stadien würden es wahrscheinlich nur die Spieler hören können.
Vielleicht erwische ich dann zum Schluß wieder den Live-Ticker - wieder etwas für's Poesiealbum...
PS.2:
Und die Münchener Fraktion - hier haben wir ja keine, aber manchmal spricht sich manches herum -
darf morgen ganz legal zum FKK in die Münchener Innenstadt:
Der Regisseur der Nacktheit
Das wäre witzig, wenn der Herr Tunick und der Herr Christo einmal etwas gemeinsam machen
würden - der eine läßt ausziehen und der andere verpackt wieder.
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