Nobody hat geschrieben:Aloha
Eben habe ich einem lieben Menschen eine eMail gesandt. Diesen habe ich etwas über die Schweiz gefragt und plötzlich waren da (im Hirn) die folgenden zwei Geschichten. Sie sind wahr und sie bewegen etwas in mir.
Aber was?
Erste GeschichteEin Mann verabschiedet sich morgens von seiner Frau und fährt in die Schweiz. Die Frau möchte nicht mitkommen. Sie kann einfach nicht mit in die Schweiz fahren. Diesmal nicht.
Die 2 verabschieden sich lange.
Zärtlich. Liebevoll. Fallen sich in die Arme und drücken sich. Sie sehen sich lange in die Augen. Aus diesen fließen Tränen.
Dann fährt er in die Schweiz.
Nachmittags bekommt die Frau einen Anruf aus der Schweiz:
"Er ist friedlich eingeschlafen"
Der Mann hatte unheilbaren Krebs im Endstadium und nahm die Sterbehilfe in Anspruch.
Zweite GeschichteHasso, der alte todkranke Hund, wird zum Tierarzt gebracht. Er soll von seinen Qualen befreit werden. Soll nicht mehr leiden müssen.
Der Tierarzt zieht die Spritze auf und setzt an…Plötzlich macht der schwache Hund eine wilde Bewegung. Der Tierarzt sieht noch, dass die Spritze in seinem Oberschenkel steckt. Das war wohl das Letzte was er sah. Die Sprechstundenhilfen sind fassungslos.
~ ~ ~
Was mich bei diesen Geschichten bewegt? Viel zu viel…
Von Herzen
Nobody
http://www.youtube.com/watch?v=Mcf6w6XXR7U
Lieber Nobody,
obwohl ich eben ins Bett wollte und die Beantwortung Deiner Mail auch verschoben habe, weil ich morgen einen langen Tag haben werde (aber auch Danke dafür

! Antwort folgt noch), muss ich jetzt doch noch drei Worte sagen, ich versuche, mich kurz zu fassen.
Beide Geschichten haben mich sehr angerührt und traurig und nachdenklich gemacht.
Bei der ersten Geschichte finde ich es weniger schlimm, dass der schwerkranke Mann den Zeitpunkt seines Todes selbst bestimmen, seine Leiden abkürzen wollte und einen für sich würdigen Weg gewählt hat. Viel schlimmer und beinahe schon entsetzlich empfinde ich, dass seine Frau ihn nicht begleiten konnte und nun allein ist, das und diese Art des Todes ist und war offensichtlich furchtbar für sie. Sie ist diejenige, die mit diesem Schicksal weiterleben muss! Wer war/ist nun schlimmer dran?
In der zweiten Geschichte steckt für mich ein äußerst tragischer Unfall. Traurig ist es schon, wenn man ein Tier, das einen lange Jahre begleitet hat, tötet. Und es wird inzwischen von vielen Menschen als unmoralisch empfunden. Ich selbst habe dazu eine leicht gespaltene Einstellung*). Und ich frage mich auch, ob ich nicht ähnlich handeln würde, wie der Mann, der in die Schweiz fuhr... OK, das ist die eine Seite. Aber dass sowohl die Spritze in den Oberschenkel des Arztes abrutschte, als auch, dass sie sich entleerte, das ist ein sehr unwahrscheinliches Zusammentreffen von zwei widrigen Umständen und in meinen Augen besonders schlimm, weil der Arzt vollkommen unerwartet starb und seine Angehörigen wie von einem Keulenschlag getroffen worden sein müssen (von dem Ensetzen, das die Helferinnen sicher erlebt haben, mal ganz abgesehen).
Ich weiß nicht, welches Gift für diese Art Todesspritze verwendet wird, aber ich nehme an, dass es sich um ein stark überdosiertes Narkosemittel handelt, Fentanyl beispielsweise oder eines seiner Derivate. Diese Mittel gehören in die Klasse der künstlichen Opiate, wirken äußerst stark narkotisch und sind teilweise 1000 bis 20000 mal stärker wirksam als Heroin, die Bewusstlosigkeit kommt sofort und bewusst überdosiert tritt der Tod umgehend durch Atemdepression ein. Es gibt Sofortmaßnahmen, die ergriffen werden können, die aber nicht unbedingt erfolgreich sein müssen.
Andere Möglichkeiten bieten eine Injektion mit dem Pfeilgift Curare (oder einem seiner Derivate) oder eine Überdosis Insulin. Während ich bei Curare nicht weiß, ob es schmerzfrei wirkt, soll dies bei Insulin jedenfalls der Fall sein (sicher weiß ich jedenfalls, das eine Kohlenmonoxidvergiftung vollkommen schmerz- und nebenwirkungsfrei zu Bewusstlosigkeit und zum Tode führt). Mit Curare hat ein Arzt, den ich kenne, vor einigen Jahren seinen eigenen Hund "erlöst", seine Tochter, eine Freundin von mir, war dabei und hat den Hund begleitet und bis zuletzt gehalten, beide, Vater wie Tochter, hatten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und haben sehr getrauert, waren andererseits aber froh, dass der Hund, der zuletzt permanent starke Schmerzen hatte und praktisch querschnittsgelähmt war, nicht weiter leiden musste. Eine andere Freundin, Krankenschwester von Beruf, hat mit Insulin ihre Katze erlöst, die hatte Krebs im Endstadium und litt furchtbare Schmerzen. Auch ihr fiel dieser Schritt äußerst schwer und die Katze ist in ihren Armen gestorben.
Ob es gegen das Nervengift Curare ein Gegenmittel gibt, weiß ich nicht auswendig, kann man aber nachsehen. Bei Insulin würde ein Tropf mit einer richtig dosierten Dextroselösung Hilfe bringen.
So, jetzt reichts mir aber auch.
Gute Nacht
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*) Ein noch brisanteres Thema wären z.B. Schwangerschaftsabbrüche...