Hallo,
eigentlich wollte ich jetzt noch einen dritten Beitrag schreiben, um für mich das Thema zu einem vorläufigen Abschluß zu bringen. Das mache ich jetzt auch so. Auf die in Euren Antwortbeiträgen genannten Dinge/Fragen gehe ich danach ein.
Zitat Themenüberschrift:
[quote]Unerklärlich und trotzdem da - haben wir eine Seele ?[quote]
Eindeutige Antwort: Nein! Es gibt keine Seele, folglich muß sie auch nicht erklärt werden und ist erst recht nicht trotzdem da.
Es gibt eine Emo. Die ist da. Und die ist bisher nicht umfassend erklärlich. Weiterhin gibt es einen Verstand. Beides zusammen macht das Bewußtsein aus. Beides ist gebunden an den lebenden Körper, der wiederum mit dem Bewußtsein gemeinsam insgesamt den Menschen ausmacht.
Alles was wir im Detail über die Funktionsweise von alle dem wissen, ist möglicherweise sogar unheimlich wenig. Es handelt sich offenbar um sehr komplexe Vorgänge. Dennoch finde ich es bemerkenswert, daß es in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten einen beachtlichen Erkenntniszuwachs gegeben hat. Hätte der Hausarzt von Louis XXIV. diesem angekündigt, von ihm ein EKG (Elektro-Kardiogramm - Herzstrommessung) aufnehmen zu wollen, hätte Louis diesen sicher nicht gefragt, ob nicht vielleicht eine Röntgenaufnahme sinnvoller wäre. Und ein EEG (Elektro-Enzephalogramm - Gehirnstrommessung) ist sicher nicht von Napoleon's Hausarzt angefertigt worden. Wir wissen, daß im Gehirn etwas mit elektrischen Erscheinungen abläuft, wir wissen, daß sich komplizierte biochemische Vorgänge abspielen. Natürlich ist es nicht einfach, diese Vorgänge zu erforschen. Es ist selbverständlich unzulässig, menschenunwürdige Versuche durchzuführen. Die bisher erzielten Ergebnisse stammen aus den Untersuchungen toter Menschen, aus der Untersuchung mit immer weiter entwickelten und zumutbar verträglichen Meßgeräten, aus Tierversuchen (ob diese Aufzählung vollständig ist, weiß ich nicht - denkbar ist ja vielleicht auch anderes, wie zum Beispiel Gedankenexperimente oder Simulationen am Computer). Schon die Erwähnung von Tierversuchen macht deutlich, daß es die Wissenschaft auf diesem Gebiet sicher nicht einfach hat (das Gros der Tierversuche wird ja mit Pharmaka und Kosmetika durchgeführt und Proteste dagegen sind berechtigt, und das nicht nur rein ethisch gesehen - es gibt heute, wie gesagt, auch viele Möglichkeiten Prozesse, vielleicht kostenintensiver und zeitverzögerter, am Computer zu simulieren).
Ich bin der Überzeugung, daß diese Vorgänge um die Emo und das Denken eine materielle Grundlage haben. Und irgendwann wird man das alles nachvollziehen und modellieren können. Und wenn es noch 1000 Jahre dauern sollte. Und wenn man vielleicht auch auf dem Wege dorthin noch vieles entdecken muß, was heute auch noch generell nicht erkennbar ist. Der bisherige Verlauf der Wissenschaftsgeschichte hat doch gelehrt, daß es in diese Richtung des Erkenntniszuwachses geht.
Und welchen Sinn wird das haben? - Schwer zu sagen. Abgesehen davon, daß es ein Triumph menschlichen Erkenntnisdranges werden wird, bekommt man Mittel in die Hand, den Menschen endlich völlig aus der Produktion abzuziehen. Schon heute wird auf dem Gebiet der sogenannten "Künstlichen Intelligenz" geforscht und entwickelt, um intelligentere Fahrzeuge und Roboter zu bekommen. Ob sie dann auch emotional sein sollen? - Zumindest müßten sie eine Art emotionale Sperre erhalten, daß sie sich in jedem Fall menschenfreundlich benehmen und nicht sogar gefährlich werden. Und was das für den einzelnen Menschen dann konkret bedeutet - das kann ich schwer sagen. Auf alle Fälle könnten die emotionalen Prozesse, genau wie auch die Denkprozesse, transparenter werden. Erkenntnisse an sich sind wertfrei. Das, was heute mehr oder weniger per Versuch bei medizinischer Hilfe auf diesen Gebieten abläuft - das könnte man dann besser diagnostizieren und behandeln.
Nun zu den Antworten auf die Beiträge:
Hallo Meer,
Danke für Deinen konstruktiven Kommentar - ich reiche ihn weiter an meinen Verstand und meine Emo.
Hallo Regina,
interessierst Du Dich wirklich für meine Emo?
So plötzlich..., obwohl ich hier schon seit einem Jahr immer mal etwas geschrieben hatte, und sogar Dir einmal persönlich Mut machte, Dich an einer toggle-Rätsel-Aufgabe zu beteiligen und von Dir dazu keine Reaktion kam... (nein, nein, das muß ja nicht sein - wie gesagt, ich staune nur).
Ich möchte Dich nicht mit Einzelheiten belasten. Es geht mir ganz gut - meine Großmutter pflegte immer vielsagend zu antworten: "den Umständen entsprechend...". Du kannst davon ausgehen, wenn es mir sehr schlecht ginge, könnte ich derartige Texte nicht schreiben. Und ich vermute, wenn es Dir schlecht ginge, würdest Du Dich nicht für meine Emo interessieren. Also, weiterhin alles Gute für Dich.
Hallo toggle,
Danke für Deine ausführliche Anwort.
Ob ich ein Dichter bin? - Wenn ich Lust dazu habe... Seele quäle schäle erzähle verhehle befehle... Mit einem solchen Wort läßt sich schon einiges in dieser Richtung anfangen, ob man Dichter ist, oder nicht.
Angst - das ist doch ein Allgemeingut. Kein vernünftiger Mensch ist ohne Angst. Und daß derart starke und unbestimmte Begriffe, die von großen Mächten (wie also von den Kirchen) benutzt werden, ein ziemlich großes Angstpotential haben - das liegt doch auf der Hand. Unabhängig davon, ob nun Angst für mich oder für andere, mit deren Ängsten ich ja auch zusammenleben muß.
Mit Begriffen ist es schwierig. Atheist, Religion, Glauben... Die Begriffe hängen alle irgendwo zwischen dem, was wir tatsächlich sind und dem, was wir nicht sind. Deshalb bin ich auch immer weniger geneigt, zu sagen, was ich will oder bin, manchmal ist es vielleicht auch besser zu sagen, was ich nicht bin und nicht will. Ich glaube nicht an Gott. Ich bin nie dazu gezwungen worden und habe es am Ende auch so frei entschieden. Und religiös zu sein - was ist das? Respekt vor dem Leben und der Natur (der Schöpfung) zu haben, wie Albert Schweitzer es ausdrückte ? - Ja, das schon. Wenn aber die Religion benutzt wird, den Menschen vom Menschsein abzubringen - dann stellt sich für mich das Menschenferne jeglicher Religion in Frage. Bitte, ich habe nichts gegen viele Weisheiten, die oft ja nun angeblich von sonstwoher kommen sollen - in Wahrheit kommen sie tatsächlich in jedem Falle vom Menschen, aus dem Leben, und es wäre töricht sie nun einfach beiseite zu schieben, weil sie "im falschen Zug" sitzen.
Daß ich die Seelsorger-Problematik nicht umfassend dargestellt habe - das ist sicher so. Es mag sein, daß die (heutigen) militärischen Seelsorger mit zu den Auswüchsen gehören. Und wenn Du meinst, daß es Seelsorger gab, die die Not der zum Kampf gezwungenen Soldaten linderten - es kann sein, daß es das gegeben hat. Es gab allerdings in Nazideutschland Kirchen, die mit Hitler schon kurz nach seiner Machtergreifung in Potsdam eine Zeremonie abhielten und die der Judenverfolgung auch nicht am 9.11.38 und danach entgegentraten.
Die Kirchen behaupten ja allgemein, eine Seelsorgerfunktion ausüben zu wollen. In der Bibel steht ja nun alles mögliche drin und die "Seelsorge" wird dort ja teilweise auch ziemlich konkret angesprochen bis hin zum Fegefeuer. Und daß sich in den USA sogar ein Präsident hinstellen kann und seine völkerrechtswidrigen Kriege als "gottgewollt" anpreisen darf und netten Umgang mit dem Papst pflegt...
Also, ich sehe es so, daß die Kirchen die "Seelen" umsorgen wollen, mit all ihren Zuwendungen, auch mit religiösen Theorien, und daß sie den Begriff über Jahrhunderte hinweg auch vereinnahmt haben. Und ich meine weiterhin auch unverändert, daß es endlich eine begriffliche Abgrenzung davon geben muß, und zwar eine produktive und förderliche. Ich hätte übrigens auch nichts dagegen, wenn jemand noch einen besseren Vorschlag dazu machte.
Nein, spirtuelle Fragen habe ich mir nicht gestellt. Meine Überlegung zur Lebensfrage rührt einfach daher, daß die heutigen Lebewesen wahrscheinlich immer nur aus Lebewesen hervorgehen. Wenn das unterbrochen wird, wenn diese Ketten unterbrochen werden, dann ist Schluß. Das gibt es ja auch schon, und nicht zu knapp, daß Arten aussterben. Irgendwann ist aber das Leben aus Nichtleben entstanden. Vielleicht könnte es auch sein sein, daß immer noch, für uns unbemerkt, Leben entsteht. Natürlich keine Mammuts... Das wäre natürlich interessant - man könnte es dann beobachten und die genauen Mechanismen erkennen.
Daß Leben wieder abgeschaltet wird, durch Tod, - nach dem vorherigen nicht unbeträchtlichen zeitlichen Aufwand zur Entstehung des Lebens - nach der Sinnfälligkeit dieser Logik kann man schon einmal fragen - so meinte ich es...
Wie gesagt, Spiritualismus - als Oberbegriff, auch so schwer zu sprechen das Wort - davon halte ich nicht viel. Ich denke, auch in diesen Bereichen, ist die Wahrheit konkreter. Man kann - und muß ja sogar - an alle möglichen übergeordneten Kräfte glauben und diese in seine Verhaltensaktionen und -reaktionen einbeziehen. Das ist die Praxis. Anders ginge das alles nicht. Manchmal nützt es allerdings auch nicht viel. Die armen Menschen, die in den 2. Weltkrieg als Soldaten gepreßt und in den russischen Winter geschickt wurden (natürlich nicht absichtlich - man wollte ja noch vor dem Winter auf dem Roten Platz paradieren), oder die Zivilisten in den Städten, die unter dem Bombenhagel litten oder später auf der Flucht waren... Die einen haben es überlebt, viele andere, obwohl sie vielleicht auch an diesen oder dieses und jenes glaubten, nicht.
Am besten ist sicher der Glaube, der an Realitäten anknüpft - die Chancen sind dann in jeder Hinsicht auch größer. Alles andere muß man nehmen, wie es kommt.
Viele Grüße
miljas

