Fragezeichen in mehrfacher Ausfertigung
von La Donna mobile » 26.11.2008, 20:35
Selbst auf die Gefahr hin, dass ich einmal mehr den Schwarzen Peter ernte, muss ich noch ein paar Kleinigkeiten, ein paar ganz irdische, profane, ja für manch einen wahrscheinlich nur schnöde, loswerden.
Es ist eine interessante Diskussion, die aber ihre Bahnen entweder verlassen hat oder sich in neuen bewegt. Aber das ist ja auch nicht weiter verwerflich. Ich frage mich mittlerweile jedoch, um was es hier überhaupt (noch) geht. Wo ist der Knackpunkt? Wer hat denn jetzt die Wahrhaftigkeit der Seele entdeckt (hatte ich aber schon einmal gefragt)? Aber die Frage ist sicher so billig, dass es gar nicht möglich ist sie kurz und präzise zu beantworten, gelle? Oder aber die Antwort hat sich mir in ihrer ganzen Komplexität vollkommen entzogen. Aber das war doch die Ausgangsfrage dieser Diskussion: Ist sie oder ist sie nicht da, die Seele? Ist das jetzt schon abgesteckt, weiß man es und vor allen Dingen, wer weiß, ob er selbst eine hat? Und - wessen Seele ist denn (noch) gesund? Ich habe diese überaus klugen Postings gelesen und mir gedacht, dass es doch schön ist, morgens mit einem halbwegs gesunden Körper aufzuwachen, der nicht an allen Ecken und Enden schmerzt; es ist doch gut, keine verdammte Geldnot zu haben, und das ist ja wohl bei sechsundneunzigkommafünf Prozent der hier vertretenen Schreiberlingen der Fall. Ist es nicht ein Segen des Himmels oder wessen auch immer, wenn die Familie gesund oder doch nicht schwer krank ist? Warum zermartert der Mensch sich seinen doch (noch) gesunden Geist nicht über, sondern mit Fragen, die sich gemeinsam mit den Antworten im Kreise drehen? Na ja, andererseits haben wir uns ja zum Fragen und Antworten hier versammelt. Aber manche Antworten, das sei mir erlaubt anzumerken, bedürften einer nochmaligen Übersetzung für Irdische oder Erdlinge. Es kann nicht unbedingt vorausgesetzt werden, dass jeder diese oft verflochtenen Gedankengänge erkennt, weil sein eigener Geist entweder zu schwach oder nicht wach genug - aber wahrscheinlich ergeht es nur mir so und sei's auch drum...
Die Liebe, die hier so hochgehalten wird, wo wird sie so praktiziert, dass ich zu meinem Nachbarn gehen und sagen kann: Schau her, hier bei mir wird in Liebe gelebt, hier wird Liebe, und nur Liebe gelebt? Aber nein, ich vergaß, dass man das ja nicht betonen muss, weil Außenstehende es ja unwillkürlich miterleben. Aber wie? Bei manch einem - selbstverständlich spreche ich da keinen von euch an; und das sei besonders betont!- hat sie, die Liebe, womöglich noch nicht einmal Einzug über die Türschwelle halten können, von wegen sich von dort aus ausbreiten. Oder muss ich vermutlich doch erst von der Brücke springen, damit ich die Vollendung in Liebe "erlebe"?
Und was ist mit der Geborgenheit? Und mit der Sehnsucht nach Geborgenheit? Man empfindet sie mit der Zeit nicht mehr, weil man in sich selbst geborgen ist. Genügt das einem jeden? Sollte es eigentlich, tut es aber mit Sicherheit bei kaum einem. Der Weg dahin ist ja auch kein leichter. Nein, ich verwechsle da nichts, weder die innere noch die äußere Geborgenheit. Aber für uns Sterbliche ist die äußere die wichtigere. Manch einem genügt schon, dass er sich nicht täglich überlegen muss, was er in den Kochtopf wirft, weil von wem auch immer dafür gesorgt ist, dass er etwas kaufen kann und dass er im Winter nicht frieren muss, und das womöglich noch alleine ohne einen Menschen, der ihm vertraut erscheint oder weil ja jemand da ist, der für diese Art der Geborgenheit zuständig ist. Nein, nicht für Sicherheit, - aber beides kann ich mir selbst vorgaukeln, so oder so, wenn jetzt einmal jemand versteht, was ich meine. Nein? Ich wollte denjenigen sehen, der absolut alles Irdische zu Lebzeiten loslässt und sich im Winter in der Kälte in Erfüllung bescheidet - aus allumfassender Liebe. Wir sind ja nicht einmal imstand, dem Bettler auf der Straße diese allumfassende Liebe nahe zu bringen bzw. ihn daran teilhaben zu lassen, weder in Gedanken noch mit Taten... wo soll sie dann bitte stattfinden? In unseren Herzen? Ach so, ja, das hatte ich natürlich übersehen... Da ist sie auch gut aufgehoben. Und das, liebe Leute, übersieht ja jeder Zweite jetzt besonders gerne in der Vorweihnachtszeit und setzt es mit Kommerz gleich. Ist ja auch bequemer so. Die Liebe kann keiner überprüfen, sie ist ja im Herzen, nicht wahr, das Girokonto oder den Geldbeutel, von dem aus ich für den armseligen Rest der Welt gespendet habe, dagegen schon!
Und dann dieses Loslassen! Ich persönlich würde zu gerne den sehen, der wirklich so gut loslassen kann, wie er jetzt hier von sich gibt, wenn es dann wirklich einmal ernst wird. Ich sage das immer wieder, weil ich es kaum einem abnehme, dass er dazu im Stande ist. Sorry. Die Realität, meine Guten, sieht anders, ganz anders aus. Hier und heute sind wir noch keine Achtzig, ja noch nicht einmal Siebzig. Fragt einmal die Alten, wenn es noch welche gibt, an die ihr das Wort richten könnt, wie sie sich den Trip vorstellen, wenn sie schon gebrechlich sind und dennoch am Leben hängen. Ein "Trip" - toll hört sich das an - mag das Ganze vielleicht sein, wenn es sich im Traum, will sagen wirklich im Trip vollzieht. Aber Loslassen mit Schmerzen und im Siechtum bei wachem Verstand und in Todesangst, das soll mir mal einer zeigen, wie das bei auch nur fünfzig Prozent in Würde und Liebe und Gelassenheit funktioniert. Ja klar, wir arbeiten ja drauf hin, dass dem dann eines Tages so ist, jetzt schon. Wir üben uns ja jetzt schon in klugen Reden. Aber letztendlich sind wir eben doch wirklich nur Menschen und keine spirituellen Wesen, letztendlich spüren wir Schmerzen und Kälte jedweder Art und erleben Gefühle! Und das Leben, das wir leben oder dann gelebt haben, war eben geprägt von all diesen Wahrnehmungen. Wer gerne gelebt hat, trennt sich schwer von diesen irdischen Begleiterscheinungen, die manchem jetzt schon so übrig erscheinen wir nur etwas. Wem dieses Dasein aber eine Last ist, wer es eher heute als morgen als beendet sehen möchte, den wird der Verlust auch nicht schwer treffen. Aber es ist ja - wie schon erwähnt wurde - alles eine Sache des Übens des Loslassens!
So, jetzt hat sie wieder gedonnert,
die Donna :t029: , und das soll es auch gewesen sein!