von Gast-Chord » 01.07.2008, 10:42
Ich nicht. Aber momentan fehlt mir die Zeit, das ausführlich zu begründen. (Werd ich im Sommer nachholen.) Nur soviel: Die meisten der Menschen, die sich dazu entschließen, Suizid zu begehen, tun dies in einer hochdepressiven (was man oft, aber keineswegs immer merkt) präsuizidalen Phase - Erwin Ringel hat dazu wirklich lesenswerte Bücher geschrieben.
Wo man gezielt gegen Depressionen was tut - dies war (ist es wohl auch noch) in Nürnberg nach dem Nürnberger Modell der Fall (ein mehrstufiges Modell, in dem Antidepressiva eingesetzt werden, aber nicht als alleiniges Mittel) sinkt die Suizidrate gewaltig. Gerade bei Alten Menschen kommt es auch oft zu biologisch bedingten Altersdepressionen, die, sofern sie erkannt werden, gut behandelbar sind.
Wenn man das noch dazu ausweitet auf Menschen, die nicht mal todkrank sind und an unerträglichen Schmerzen leiden, also im Prinzip auf jeden, dem seine/ihre Lebensumstände nicht passen und der keine Chance sieht, was dran zu ändern (ich wäre die nächste Kandidatin übrigens, wenns danach geht), wird das dazu führen, dass von einer Gesellschaft, die auf Leben keinen Wert mehr legt, die Betroffenen geradezu gedrängt werden, ihr nicht zur Last zu fallen. Zu sagen: solange die Gesellschaft nicht dafür sorgt, dass es den Leuten besser geht, sollte man den Leuten wenigstens diese Freiheit lassen (jemand, der nicht sterbenskrank ist, würde übrigens durchaus Möglichkeiten haben, ohne die Hilfe eines zweiten aus dem Leben zu scheiden), wird genau dazu führen, dass sich die Gesellschaft immer weniger verpflichtet fühlt, dafür zu sorgen, dass es Menschen im Alter besser geht und solche Menschen geradezu dazu gedrängt werden, "freiwillig" aus dem Leben zu scheiden. Ist ja auch bequemer für die Umgebung. die sich aufwendige Pflege und das Miterleben von Leid "erspart". (Das ist ein paralleles Problem auch zum Art und der Weise des Umgangs mit behinderten Menschen - wenn man es zulässt, dass behinderte Menschen gar nicht erst geboren werden, weil sie vor ihrer Geburt abgetrieben werden, wird die Situation für all jene, die als behinderte Menschen am Leben sind (und dies auch wollen) generell schlechter - es wird weniger in die Forschung, aber auch in die Förderung gesteckt, z.B. So können z.B. Menschen mit Downsyndrom inzwischen oft sogar schon lesen und schreiben (wenn auch nicht fehlerfrei) - etwas was man lange Zeit ins Reich der Utopie verwiesen hätte. Soviel nur mal für Erste.