Sehr geehrter Tobias,
bevor wir uns nun völlig mißverstehen - hier folgende Aufklärung.
Zu Ihrer Frage:
"ist es nicht ein wenig naiv bzw. verwegen zu glauben, dass ausgerechnet IHRE Kerzen eine
Klimakatastrophe vermeiden könnten?"
Selbstverständlich glaube ich nicht, daß ausschließlich MEINE (nicht vorhandenen und nicht
zum Einsatz gekommenen) Kerzen eine Klimakatastrophe vermeiden können. Ein wenig sind wir
natürlich durch meine leichtsinnige Bemerkung diesbezüglich vom mich eigentlich interessierenden
Thema bezüglich Kerzen abgekommen. Denn meine Entgegnung zielte in der Hauptsache darauf,
daß sich ein mir völlig unbekannter Mensch um die Kerzen für die Adventszeit bei mir sorgt. ???...
Das ist ein schon etwas ungewöhnlicher und nicht alltäglicher Vorgang.
Dem wollte ich nur entgegnen, daß die Kerzenfrage in der Adventszeit für mich kein großes
Thema ist.
Die Klimafrage ist in dem Zusammenhang nur ein Punkt unter anderen. Obwohl nun auch kein
völlig unwichtiger. Man kann es ja einfach etwas symbolhaft sehen (zu Symbolen dann später
noch einige Bemerkungen). Denn abgesehen von der Frage, ob überhaupt eine Klimakatastrophe
droht und es eine menschengemachte ist, kann man durchaus besorgt sein (und das bin ich).
denn wenn immerzu Energie in großen Mengen freigesetzt wird, die ewig lange gespeichert war
- und dies nun auch stofflich in Form von verschiedenen Abgasen, hauptsächlich COzwei - dann sind
negative Einflüsse auf die natürlichen Kreisläufe und Gleichgewichte denkbar. Smog in Peking
wird sicher nicht direkt von hier dorthin befördert, aber erstens indirekt doch, nämlich auch mit
der Bereitstellung von Verbrennungsmotorfahrzeugen, und weiterhin sind die deutschen oder
europäischen Straßen hier in Stadt und Land (je nach geographischer und Wetter-Lage) auch
nicht gerade überfüllt mit gesunder Luft. Wenn man Autobahn fährt, wird man sicher starken
Belastungen ausgesetzt, je nach Verkehrsfluß und Wetterlage. Oder desgleichen im Berufsverkehr.
Wenn also Klima- und Luftqualitätsfragen betrachtet werden - ich selbst habe nun einmal keinen
Panzer und keinen schweren Allrad-Jeep, den ich stillegen könnte - deshalb also symbolisch die
Kerzen! Und was andere Leute, andere Firmen, andere Staaten mit ihren Regierungen machen - das
müssen sie dann für sich sehen und entscheiden. Ich kann ja zunächst nur so handeln, wie es mir
persönlich möglich ist.
Und weitere Dinge mit Docht, zu deren Anzünden Sie mir rieten, habe ich auch nicht.
Öllampe, Petroleumlampe... ? - Nein, habe ich alles nicht. (Interessant natürlich der alte Spruch,
daß einem etwas/jemand "auf den Docht geht". Stammt wahrscheinlich aus einer Zeit, als diese
Dochte eine noch wichtigere Rolle als heute spielten.)
Mittlerweile habe ich diese "Kerzenbesorgnis-Frage" noch einmal überdacht. Entweder sind Sie
generell ein sehr besorgter Mitmensch. Kommt selten vor, gibt es aber. Oder Sie befanden sich
gerade selbst in der Situation einer Kerzenknappheit, so daß diese Sorge für Sie Anregung war,
Anteil an meinen möglichen Sorgen zu zeigen. Wenn es an dem ist, sollte und möchte ich das
natürlich noch einmal gebührend würdigen. Vielen Dank!
Aus den 3 Minuten Schnee mache ich kein Omen bzw. ich sehe keines darin.
Sie brachten diesen ihren Text mit dem "Schneien". Und nun wollte ich damit nur sagen,
daß es also geschneit hat und ich nun nicht "einsam bis April durch stille Gassen wandern" muß.
Ich habe also das Gesagte so wörtlich genommen, wie es da steht.
Natürlich kann man diese Worte, diese Bilder auch symbolisch sehen.
(Stammen diese Worte übrigens auch aus einem Rilke-Gedicht? - Vermutlich ja.
Und aus welchem, bitte? Rilke wird wohl sehr gut bei den Romantikern gelesen haben.)
Eine symbolische Interpretation ist also möglich, gleich wofür diese einzelnen Bilder dann
stehen - "das Schneien" und "die Wanderungen bis April", "einsam", "durch stille Gassen".
Bei "niemand weckt die Früchte, die engelsgleich zum Monde gehn." komme ich in größere
Deutungsschwierigkeiten. Na, ja - möglicherweise ist das angedeutete pure Pornographie...
(Das behaupte ich einfach einmal vorsichtshalber, es kann natürlich auch ganz anders sein...

).
Und um auch in folgendem Punkt mögliche Mißverständnisse auszuräumen, hier ein Klartext dazu:
An der Schönheit von Rilke-Gedichten habe ich nicht allzu viel auszusetzen, falls dies Ihre
Reaktion auslöste. Obwohl er mir manchmal ein wenig zu abgehoben klingt. Und ich möchte ihm
auch in keinem Falle nacheifern - ich habe meine eigene Sprache und meine eigenen
Ausdrucksmöglichkeiten. Da muß ich auch nichts merken oder mir merken.
Ich bin nur meist recht ungehalten (und das ganz allgemein, unabhängig von Rilke), wenn mir
etwas als Superlativ und einzigartig usw. offeriert wird. Obwohl es solche Dinge durchaus gibt, aber
was nützt es? Der Welt als Ganzem und oft auch in der konkreten gegenwärtigen Situation, ist das
am Ende ziemlich egal (und in vielen Fällen auch den Künstlern selbst, weil sie wissen, daß der Stoff,
die Grundlagen ihrer Kunst, in gleicher Qualität wiederholbar sind. Denn es bleibt ja alles - das Leben,
die Entwicklungen, die Natur). Es ist also Unfug etwas zu überhöhen, weil es immer wieder weitergeht.
Und eine Überbetonung an dem, was einmal war und irgendwo war, kann einen am Weiterlaufen
hindern. Und wenn sich Leute als gebildet - ja sogar herzensgebildet - darstellen und einbilden, weil
sie Rilke kennen und ihn sogar "lieben", sei das erwiesen - so etwas finde ich schon
recht absurd. Da lebt der alte Dünkel modernisiert weiter - bis dato waren es Goethe und
Schiller, und nach Freud und den Jahrhundertwechseln mußte man sich zeitlich etwas nach vorn
bewegen...).
Und nun auf zum Advent-End-Spurt! In einer Woche fällt der Hammer.
Viele Grüße (mindestens 24) - miljas :t252: :t252:
PS.:
MARIE LAFORET - Pour celui qui viendra (1968) 2:52 min
Wir streben bei allem nach "Unendlich".
Im Raum. In der Zeit. Und natürlich auch in der Schönheit. Und in der Meisterschaft.
Und deshalb haben wir nicht wenige (unendlich viele?) Probleme.
~~~~~~~~~~
Was die Frage des Unbekanntseins angeht - ich habe mich erinnert: hier meldete sich vor
einiger Zeit jemand aus einer bestimmten Region. Ein Name fiel allerdings wohl nicht, soweit ich
mich weiter erinnere. Wenn die Bezeichnung der von mir gemeinten Region einmal von Ihnen als
Stichwort genannt würde, wäre ich wieder im Bilde und das Unbekanntsein ist dann hinfällig.
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