Hallo Ihr Lieben,
ich melde mich heute abend nur ganz kurz, die letzten Tage waren etwas turbulent, auch heute, näheres ein anderes Mal.
Nur soviel: Zu Memme oder nicht Memme fiel mir nach Starlights Antwort spontan ein, daß da vielleicht auch andere Dinge als ausgerechnet die Angst vor dem Tod eine Rolle spielen können.
Als Kind habe ich einmal eine Schweine-Hausschlachtung miterlebt. Der Tod des Schweins war nicht beeindruckend, dem Stand ich sehr distanziert gegenüber. Aber mich ekelt heute noch vor dem Gestank, den ich damals gerochen habe und der in meiner Erinnerung mit dem Anblick des geöffneten Schweins untrennbar verbunden ist.
Die Tage wurde bei Anne Will über das Recht/Unrecht/Nichtrecht des Menschen zur Selbsttötung/würdevollen Sterben diskutiert, ich habe Anfangsteile der Sendung mitbekommen. Mit dem Bischof von Augsburg hatte man sich einen sehr umstritteten Vertreter der katholischen Kirche herausgesucht, der dann prompt auch die "Lehrmeinung" vertrat, die letztlich darin gipfelt, im Menschen ein Abbild Gottes zu sehen. Wohl gemerkt nur im Menschen, nicht im Tier. Die daraus folgernde Argumentation kann ich nicht nachvollziehen, aber "Selbsttötung sei auf jeden Fall nicht im Sinne der Liebe" (oho! welch interessanter neuer Liebesbegriff), wie sich der Bischof ausdrückte. Das aber nur als kleiner Einschub...
Meine Frau fragte mich heute, ob ich die Körperwelten wohl dieses Mal ansehen wolle, was ich verneinte; ich habe einfach kein Interesse daran. Aber wenn es mich interessieren würde, dann hätte ich wahrscheinlich kein Problem mir diese plastinierten Körper anzusehen. Für mich hat es keinen unmoralischen oder sonstwie unerlaubten Beigeschmack, daß da Körper von Verstorbenen gezeigt werden. In Museen finden sich auch Mumienstücke, Totenschädel und andere Skelettteile Verstorbener, und gerade die katholische Kirche pflegt bis heute ihren Reliquienkult, bei dem es gerade darum geht, Leichenteile Verstorbener auszustellen, gelegentlich sogar in in ganz großem Stil...
Die gezeigten Exponate sind zwar keine Heiligen, waren zum Teil aber auch einmal Menschen (es werden ja auch tierische Stücke gezeigt). Nur das Geld fürs Angucken wandert nicht in den Klingelbeutel, sondern in andere Kassen. Nein, mit dem Betrachten hätte ich wohl kein Problem, interessant wärs sicherlich, aber es reizt mich nicht.
Andererseits kann ich jeden, der sich vor solchem Anblick ekelt, sei es, weil ihm solche Einblicke zuwider sind, er kein Blut sehen kann oder generell derartige Eingriffe und Präsentationen ablehnt, nur respektieren. So wie ich sicherlich freiwillig an keiner Hausschlachtung mehr teilnehmen werde, weil mir allein beim Gedanken an den Gestank schon schlecht werden könnte...
Für die Ausbildung sollen die Plastinate allerdings unübertroffen gut sein - höchstens Nachbildungen aus Wachs, nach natürlicher Vorlage, sollen hinsichtlich der Qualität halbwegs an Plastinate herankommen, habe ich irgendwo mal gelesen. Und da in der Pathologie selten genug Leichen zur Verfügung stehen und diese auch nur sehr begrenzt haltbar sind, hat die Plastination sicherlich eine gewisse Daseinsberechtigung.
Nun, jeder, der will, kann, und keiner der nicht will, muß sich die Sache ansehen, insofern...
Lieben Gruß für heute abend
toggle

