Kalender September 2010




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Beitragvon La Donna mobile » 22.09.2010, 17:20

miljas hat geschrieben: .......................................................

Ich bin gespannt, wie die Welt in 100 Jahren aussehen wird.

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:


Ja, da bin ich auch gespannt! Wenn du es vor mir weißt, sag es mir - wie auch immer!

Ich mag gar nicht dran denken, weder an das Eine noch an das Andere.

Will sagen, wie es wirklich aussehen mag und wie wir aussehen werden...

:-( Die Donna
La Donna mobile
 

von Anzeige » 22.09.2010, 17:20

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Beitragvon miljas » 22.09.2010, 18:27

Hallo Donna,

es gibt so ein paar Grundgesetze der Dialektik, die wir damals in der Schule eingeflößt bekamen.
Nun fragst Du vielleicht erst einmal, was Dialektik ist. So genau weiß ich es auch nicht.
Ich würde sagen, es ist so eine Art Lehre, daß alles miteinander zusammenhängt und sich gegenseitig beeinflußt.

Also wie es nun 100 Jahren ganz genau aussehen wird, das kann ich auch nur vermuten.
Bei diesen Dialektikgesetzen soll es jedoch folgende geben:

Umschlag von Quantität in eine neue Qualität

Konkret angewendet zum Beispiel: je mehr Dummheit sich versammelt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß daraus etwas Neues wird - vielleicht eine Superdummheit oder ein Abrücken davon ??

Negation der Negation

Konkret angewendet: Ehe ist Mist (Negation), dann: Ehe ist doch kein Mist, nur die konkrete Praktizierung war Mist (Negation der Negation)

Als technisch gebildeter Mensch bin ich natürlich stark befangen und glaube (fast wissentlich) an die Übermacht der technischen Möglichkeiten. Wenn es Möglichkeiten des Destruktiven und des Konstruktiven gibt infolge der technischen Entwicklungen, kann es so kommen, daß die technischen Möglichkeiten in eine Richtung gehen, die eine Destruktivität unmöglich machen bzw. in die Schranken weisen werden. Ich will es einmal etwas provokativ ausdrücken: Gegenwärtig geistern Millionen Schußwaffen in unseren Haushalten herum (in meinem ist keine). Vielleicht hat in hundert Jahren jeder seine eigenen Atom-, Chemie- und bakteriologischen Waffe im Küchen- oder Kühlschrank (ich hoffe es nicht!!!, sondern daß es andere technische Entwicklungen geben wird, die die Aggressionswidersprüche in der Welt reduzieren werden und diese Waffen überflüssig machen, auch schon auf den Staatsebenen).

Man hängt dem Menschen an, daß er immer alles verbessern will und daß dies deshalb durch möglichst hohe Gewinnmöglichkeiten ungebremst stimuliert/motiviert werden sollte ("Buh der Planwirtschaft!"). Hm. Das geht nur immer dann nach hinten los, wenn es zum Selbstzweck (zum absolut egoistischen und verabsolutiert-verblödeten) wird (zum Beispiel Rüstung). Wenn eine Maschine "motiviert" wird, etwas entsprechend Auftrag in gleichbleibender Qualität zu leisten, wird sie das tun. Ohne "durchzudrehen" und ohne zu "degenerieren". Wenn die Maschine nicht mehr den ursprünglichen Vorgaben entsprechend funktioniert, wird abgeschaltet, repariert oder ersetzt. Punkt. Wir sind schon ganz weit mit den Maschinen gekommen. Dennoch stehen wir erst am Anfang. Bisher sind doch alles nur "Spielereien", ohne die Leistungen schmälern zu wollen. Wenn sich die gesamte Maschinerie selbst in Schuß halten und entsprechend viel intelligenterer Zielvorgaben alles selbst erledigen wird in großen Kreisläufen und komplexen Systemen von Natur-Maschinerie-Mensch-Natur, erst dann wird tatsächlich alles anders werden.
Bis dahin wird geschuftet, geschäftet und spekuliert. Wenn die von mir angesprochenen Systeme da sein werden, wird das gebracht, was gebraucht wird. Und darüber kann man sich dann in Ruhe Gedanken machen, weil man nicht mehr im Laufrad laufen muß.

Vielleicht hilft Dir das weiter (ist nur ein knapper spontaner Ansatz - vielleicht sollte ich einmal einen ausführlichen ausgereifteren Aufsatz dazu schreiben).

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
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Beitragvon miljas » 24.09.2010, 21:03

[align=right]:t278: Zum INHALTsverzeichnis des Offenen Kommunikationsforums[/align]
Hallo,

ich hatte hier einmal eine kleine Auswahl von Hilde Knef-Chansons zusammengestellt
( siehe http://ppe.plusboard.de/meine-musikausf ... .html#9456 ;
nicht wenig davon ist bei Youtube schon wieder entfernt worden).

Gestern fand ich zwei mir bisher noch unbekannte Aufnahmen:

Hildegard Knef - Ich bin zu müde, um schlafen zu gehn - Charly Niessen (Yt-Video)

Hildegard Knef - Ich fühl' mich schuldig - Charly Niessen (Yt-Video)

Die Texte findet man im Info-Feld.

Knef, Lemper und viele andere haben den folgenden Song von Kurt Weill (Musik) und Maxwell Anderson (Text) interpretiert. Hier in einer Darbietung mit einer träumerisch-schwelgenden Orchesterbegleitung:

FRANK SINATRA - September Song (Yt-Video)

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
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Beitragvon La Donna mobile » 25.09.2010, 17:12

miljas hat geschrieben:Hallo,
..........................................................
Die Texte findet man im Info-Feld.

Knef, Lemper und viele andere haben den folgenden Song von Kurt Weill (Musik) und Maxwell Anderson (Text) interpretiert. Hier in einer Darbietung mit einer träumerisch-schwelgenden Orchesterbegleitung:

..........................................................
Viele Grüße - miljas :t252: :t252:


Hallo miljas,

die Knef sagt mir persönlich jetzt nicht so viel, obwohl sie ja auch ein paar ganz bemerkenswerte Songs von sich gegeben hat.
Aber Kurt Weill, das ist mein Ding, und ich mag seine Lieder fast durch die Bank.
Den September-Song hab auf CD von meiner Boy-Group, den besten acapella-Sängern aller Zeiten, wie ich finde, den Hudson-Shads, look here! Ich liebe sie! Allerdings haben sie, so viel ich weiß, schon ewig keine neue CD mehr auf den Markt geworfen. Ich habe alle fünf Scheiben und war auch einmal in einem Korzert von ihnen. Sie sind Klasse!
Mit dem September-Song kann fast kein anderer mithalten, so, wie es einer von ihnen singt. Wirklich, da kannste Vattern Sinatra verjessen! Oder aber das Bagdad-Café aus dem Film "Out of Rosenheim", zum Dahinschmelzen, sage ich dir. Was du von ihnen auf YouTube findest, kannst du vergessen. Das ist klanglich und auch von der Aufnahme her nicht gerade der Bringer.

BildBildBild

Ansonsten gibt's hier im Ländle viel Regen, und wie ist das Wetter da in deiner Ecke? Wohl auch nicht viel besser oder?
Kalt soll's werden. Hatten wir ja schon lange nicht mehr, das ;-)! Na ja, so lange wir noch eine warme Stube haben, wollen wir nicht meckern.

Die Donna Bild
La Donna mobile
 

Beitragvon miljas » 25.09.2010, 20:56

Hallo, Hallo Donna,

am Tag als der Regen kam...
Noch ist es warm und mild - in den nächsten Tagen soll es unter 14°C tagsüber bleiben.
Da werde ich wieder baden fahren - bei 16°C im Wasser... ;-)

Die Comedian Harmonists scheinen nach amerikanischem Vorbild entstanden zu sein (? - entnehme ich zumindest dem Kommentar auf der Seite, die Du mir verlinktest).
Die Boygroup aus Chicago ist gut. Aber etwas richtig Neues auf diesem Gebiet zu machen, ist sicher nicht so einfach. Wenn man mit den Vorgängern mithalten kann, ist es schon eine große Leistung.

Nun mal zur Abwechslung einen italienischen Schinken (wo kommen die her, die richtigen Schinken - aus Parma?)
Emílio Pericolli - "AL DI LA" (Yt-Video)

Auf Youtube hat ein Mitglied "Basketbalistka" (Basketballspielerin) alte Karel Gott - Aufnahmen hochgeladen.

Hier singt der Tscheche Karel Gott in Bratislava auf Slowakisch:
Karel Gott - Mám rozprávkový dom (1966, "Ich habe eine märchenhaftes Haus") (Yt-Video)
Und das ist auf Tschechisch:
Karel Gott - Slunce a já ("Die Sonne und ich", 1968) (Yt-Video)
Karel Gott - Nech mně spát ("Laß mich schlafen")

Solche alten "Dinger" aus den Frühtagen mag ich immer besonders. Hier klingt doch auch der Karel noch richtig frisch und unausgelutscht.

Apropos, un- oder auch ausgelutscht. Pünktlich zum Tag der ... - na ihr wißt schon - hat das TV - diesmal die ARD (aber die anderen können ja auch noch gerne...) einen würdigenden Beitrag vorbereitet. In Erinnerung an die ehemalige Ex... Und ohne Stasi geht es natürlich nicht. Also, im Nachhinein frage ich mich, wie sie es damals zu DDR-Zeiten fertiggebracht haben, ohne Stasi in den TV-Sendungen und Kinofilmen auszukommen. Gut - das ist ja vielleicht eine dümmliche Frage, weil natürlich eine öffentliche Besprechung dieser Institution im DDR-Fernsehen und in DEFA-Filmen nicht erwünscht war und unterbunden wurde (zumindest keine kritische, "Das unsichtbare Visier" mit Armin Müller-Stahl war nun eine einseitig beschönigende "Veranstaltung" (TV-Sendung), in der es gegen den bösen Klassenfeind in seinen eigenen Ländereien ging). Daß allerdings das Denken und Handeln von damaligen DDR-Menschen ganz ohne Stasi-Bezug auskommen konnte und das wesentliche Entwicklungen und Erfahrungen genauso selbstbestimmt, möglicherweise natürlich begrenzt und gestört von den Realitäten, abgelaufen sind - das scheint für manche Medienleute und ihre politischen und wissenschaftshistorischen Hintergrundzuarbeiter bzw. -auftraggeber überhaupt nicht denkbar zu sein.
Daß es Konflikte, wie in dem Sechsteiler "Weißensee" geschildert, gab, ist vorstellbar. Ich kannte auch einen jungen Mann, der zur "Volksmarine" ging und dort Offizier werden wollte, auch weil sein Großvater ein ehemals bekannter hoher Offizier in dieser Marine war. Enttäuscht von dem kleingeistigen Umgang in dieser Armee, kehrte er dieser den Rücken. Wir verloren uns aus den Augen - ich weiß nicht wie sein weiterer Weg verlief.
Nein, Sozialismus - erst recht einer in Deutschland - ist und war etwas außerordentlich Schlechtes, vor allem war es Stasi. Und die Botschaft an alle, vor allem an die junge Generation ist doch wohl klar: Nie wieder Sozialismus, denn dann gibt es wieder... Stasi. Tja, es lebe der Tag der deutschen Einheit!
(Nun sind natürlich erst 2 Teile gelaufen - rein handwerklich und vom Figurenensemble her ist die Darstellung schon recht gut. Sicher, solche Figuren gab es - den Staatsfunktionär - hier nun also den höheren Stasioffizier, der aus dem Widerstand gegen Nazideutschland kam und der in Widersprüche mit seinen früheren Idealen und seinem späteren Handeln kam, Kinder in den nachfolgenden Generationen, die zu Ideologiebürokraten wurden oder die versuchten, sich davon zu distanzieren, ohne in den Westen gehen zu wollen, lebenslustige junge Menschen, die auch - was normal ist - das Abenteuer suchten und sich auch für westliche Bekanntschaften und Kontakte interessierten). Mal sehen, vielleicht schaue ich mir die weiteren Folgen noch an, um im Bilde zu bleiben über die Geschichtsaufarbeitung im deutschen TV.

Lobender erwähnen möchte ich dagegen die Sendung aus der "Knopp-Küche".
"Die sieben Irrtümer der Deutschen Einheit" (Text, ZDF; Video von dort erreichbar)
Inwiefern diese sogenannten "Irrtümer" nun tatsächliche Irrtümer waren - das sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall werden konkrete Probleme der deutschen Einheit benannt, die mit der Stasi weniger zu tun haben, sondern die schlicht und einfach Ergebnis der Nachkriegsentwicklung und (wenn man es im weiteren Kontext sieht) der Entwicklungen bis zum und nach dem ersten Weltkrieg waren. Die Spaltung Deutschlands in Gruppen mit unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Zielen zeichnete sich ja bereits damals ab, wenn auch die konkreten Bedingungen, die sich dann infolge des 2. Weltkrieges ergaben, noch nicht absehbar waren. Die Einordnung all dieser Entwicklungen in lange Zeiträume, was ja nun rückblickend durchaus möglich ist - das vermisse ich. Vielleicht liegt es daran, daß die Karrieren all der beteiligten (bzw. zum großen Teil auch unbeteiligten) Beobachter und Berichte Vermittelnder nicht über Jahrhunderte verlaufen, sondern daß alle diese Leute in ihren wenigen Karrierejahren und -jahrzehnten ge- und befangen sind.

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:

PS: Natürlich habe ich jetzt kräftig g-e-n-ö-r-g-e-l-t. Was soll ich auch machen?
In 20 oder 30 Jahren lachen alle über diesen Unfug (oder spätestens in 50).
Bis dahin werde ich weiter nörgeln.
Nörgeln! (Video, ARD)
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Beitragvon miljas » 27.09.2010, 20:55

Hallo,

heute einmal der Film einer Tram-Fahrt durch Ostberlin am 8.1.1990.
So blattlos sind zwar die Bäume noch nicht, aber die Ansicht von Ostberlin in der damaligen Zeit ist schon ganz passend zu den kommenden Jahreszeitenaussichten.

Strassenbahnfahrt Linie 58, Ostberlin, DDR, Jan.1990 (Yt-Video)

Auffallend natürlich auch die vielen fehlenden Westautos.
Die Trams (Straßenbahnen) sind Marke "Tatra". Gebaut wurden sie in den CKD-Werken in Prag.
Man hatte die Tramlinien in die großen neuen Stadteile Marzahn, Hohenschönhausen und später auch bis Hellersdorf verlängert und mit diesen "Tatra"-Zügen eine annehmbare Fahrzeit zwischen diesen Außenbezirken und dem Stadtzentrum erreicht.
Nach der Wende wurden die Antriebe modernisiert (ich glaube, das Quitschen gibt es seitdem nicht mehr), die Sitze gepolstert. Mittlerweile fahren auch moderne Unterflurwagen auf den Strecken, weil man bei den Tatra-Bahnen anstrengend "Treppensteigen" mußte.

Ansonsten möchte ich noch auf die Homepage von Stefan Münster, dem Filmautor, verweisen. Er hat zu seiner Straßenbahnfahrt im Januar 1990 dort noch einen interessanten - und, wie ich finde sehr zutreffenden - Kommentar gegeben:
http://www.artinlandscape.com/tramclips/main/tram/linie58/linie58.html
Ostberlin war in diesen durchfahrenen Stadtgebieten (Weissensee, Prenzlauer Berg, Mitte) damals grau, grauer und am grauesten.
Zu diesem Zeitpunkt hat sich natürlich die große Plakatwerbung noch sehr gut abgehoben, um nicht zu sagen; eklig aufgedrängt (allerdings noch nicht zu diesem Zeitpunkt im Januar '90, sondern erst ein paar Monate später).

(Die Adresse der Gesamthomepage gebe ich fairerweise hiermit auch noch an:
http://www.tramclips.de/ )

Und zum Schluß noch ein Ständchen:
SEPTEMBER!!! (nach Earth Wind and Fire) (Yt-Video)

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
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Beitragvon miljas » 28.09.2010, 11:55

Hallo,

der Günter hat sich noch einmal gemeldet.
Günter Schabowski - "der Mann, der das gemacht hat" (Zitat Peter Hahne, gemeint ist die Maueröffnung).
Schlimm, schlimm.
Jetzt hat Schabowski in der Interview-Sendung von Hahne indirekt zugegeben, daß er absichtlich
fehlerhaft davon sprach, daß die neue Reiseregelung "sofort, unverzüglich" in Kraft tritt.
Er hätte ja etwas gelesen von einem Radiosprecher, der diese Information geben sollte, am nächsten Tag 4 Uhr morgens (was ja bedeutete, ab 4 Uhr morgens). Er selbst hatte also entschieden, daß es sofort und unverzüglich zu geschehen habe.
Also was der da redet, ist ja ungeheuerlich. Ob er das nun nachträglich so interpretiert, vermischt mit Gedächtnisschwierigkeiten oder ob er in der Pressekonferenz völlig dumm handelte - Fakt und ist und bleibt, daß die Grenztruppen damals, am Abend des 9.11.1989, völlig unvorbereitet waren. Schabowski ist nach der Pressekonferenz nach Hause nach Wandlitz (in die abgeschirmte Politbüro-Siedlung im Wald bei Wandlitz, nördlich von Ostberlin) gefahren und hat sich nicht mehr um die Grenzfrage gekümmert. Wenn etwas Schlimmes passiert wäre in dieser Situation (Schießerei an der Grenze - womöglich noch mit Verletzten und Toten), dann hätte sich der Herr Schabowski mehrere Pfeiffchen anzünden können.

Schön und gut, daß er sich von seinem Vorleben distanziert (wobei das auch eine merkwürdige geistig-moralische "Leistung" ist, es erst mit 60 (!) dann endlich alles anders und realistischer zu sehen). Was aber die Bewertung dieses Vorganges am 9.11.89 angeht - da hat der Herr Schabowski nun einen cleveren Weg gefunden, sich geschichtlich ins positive Licht zu rücken ...der gute Günter, dem man gern beim Spaziergang begegnet. Günter, der Maueröffner... das ist doch einfach alles völlig absurd und daneben - Schabowski als "Maueröffner"... :-)! (Man müßte einmal fragen und nachprüfen, wo der Herr beim Bau derselben gewesen ist..., nein, "zu Hause in Wandlitz" war er damals noch nicht..., aber er wird schon damals seine zustimmenden Zeitungsartikelchen geschrieben haben, oder hat sie schreiben lassen...).

Ich habe Herrn Schabowski 1986 in 2 Meter Entfernung erlebt, wie er auf die Frage danach, ob man in der DDR nicht auch einen Geschirrspüler entwickeln und bauen sollte, antwortete, daß das Politbüro (dem er damals bis zum Herbst '89 selbst angehörte) diese Frage geprüft und festgestellt hatte, daß dies nicht notwendig sei. Die DDR bräuchte so etwas nicht. Das erlebte ich relativ kurze Zeit nachdem der Herr Schabowski oberster SED-Chef von Berlin geworden war.
Meine damaligen Überlegungen, ob mit ihm vielleicht Reformen möglich sein könnten (in Moskau hatte sich bereits Herr Gorbatschow zu Wort gemeldet), hatten sich damit (und dann auch aufgrund anderer Informationen) erledigt. Keinen Milimeter habe ich diesem Herrn über den Weg getraut. Leute, wie dieser Schabowski (der übrigens auch jahrelang Chefredakteur des Zentralorgans der SED "Neues Deutschland" war), solche Polit- und Macht-Fossile - die haben die DDR zum Schluß hin noch weiter kräftig abgewirtschaftet und ruiniert. Nichts hat er in Richtung Veränderungen unternommen - im Gegenteil. Und daß er sich nun als einer dieser Verantwortlichen ins Fernsehen setzt und so daherschwadroniert - das ist sowohl ein Skandal als auch ein Witz. In gewisser Hinsicht ist es allerdings wiederum gut, daß man noch einmal sehen kann, was für Typen das damals waren. Da gab es nicht nur einen Honecker und einen Mielke...
(Übrigens wäre noch zu sagen, daß Herr Schabowski am 20.1.1990 aus der Vorgängerpartei der Partei "Die Linken", also aus der damaligen SED-PDS, die sich dann später in PDS umbenannte, ausgeschlossen wurde. Bei seiner seit einiger Zeit so großspurig an den Tag gelegten Wandlung ist auch die Frage, warum er diesem Ausschluß nicht zuvor kam. Er hatte er ja ausreichend Zeit nach dem 9.11.89 (gut 2 Monate) selbst gegenüber dieser von ihm jetzt so abgelehnten Partei diesen Schritt von sich aus zu gehen. So nun steht der Fakt, daß er wegen tiefgreifendem antidemokratischem Verhalten bis 1989 aus der Partei rausgeworfen wurde.)

Und, um es abschließend auf den Punkt zu bringen: Die Mauer haben sich die DDR-Menschen selbst geöffnet. Und dies mit tatkräftiger Unterstützung vor allem des westdeutschen Staates und der westdeutschen Gesellschaft (Medienpolitik, Forderung nach Reisefreiheit und Freiheit der Wohnortwahl - Ausreise der Botschaftsflüchtlinge aus Ungarn und der Tschechoslowakei etc.). Schabowski ist rein zufällig mit diesem Ereignis der Maueröffnung, das fast alle Menschen als positiv erlebten, in Verbindung geraten. Der hat an der Öffnung der Mauer keinerlei Verdienst.

"Peter Hahne, Wie war das damals, Günter Schabowski?" (Video, ZDF)

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:

PS.:
Witziges und mich ansprechendes Michael Jackson-Cover: Beat it (Yt-Video)
sieht wie in einer Musikwerkstatt aus... :-)
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Beitragvon La Donna mobile » 29.09.2010, 18:08

Meiomei, miljas - ich selbst hab mich mit dem Fall Grabowski noch nie auseinander gesetzt.
Scheint ja bei dir auf reichlich Unmut zu stoßen und wird sicher auch berechtigt sein.
Also was die Feinheiten der Politik betrifft - wenn man denn alles, was da in diesen Sphären geschieht, so nennen darf -
dann nervt das eigentlich sehr und ist schon dadurch für mich zu aufreibend. Damit mag ich mich nicht belasten.
Bin da ein ganz schlechter Staatsbürger, weil ich lieber nur am Endergebnis rummaule.
Aber egal, es gibt ja gottlob Leute wie dich, die diese Sache ernst nehmen und auch mit Recht hinterfragen
und versuchen zu analysieren. Mir fehlt dazu die Zeit und die Lust.
Ich hoffe nur, dass die Welt aus der jüngeren Vergangenheit gelernt hat und so weiter und so fort....
Allzu viele Möglichkeiten irgendwie ins tiefere Geschehen einzugreifen hat man ja eh nicht.
Da hilft die allerschönste Demokratie nicht viel weiter - oder doch?

Bis denne -
die Donna :-)

...und was nun den Hahne betrifft: So ist der mir als Journalist nicht energisch genug, als Pfarrer mag er es ja sein.
Er sollte in seinen Diskussionen das Heft nicht zu sehr aus der Hand geben. Ich habe erst kürzlich eine mit ihm gesehen,
in der es um das Rauchergesetz in Bayern ging. Nee, das haste knicken können. Genau so gut, hätte der Rauch-Gegner alleine labern können..:-(
La Donna mobile
 

Beitragvon miljas » 29.09.2010, 20:50

Hallo Donna,

aufregen... na, ja - so sehr nun auch nicht.
Ich staune eigentlich mehr, was da für Blödsinn versumpft wird.
Also, daß in diesem Jahr erneut die Stasi zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung im TV herhalten muß - das hätte ich nun wirklich nicht vermutet ("Weissensee"). Neben den Stasi-Mitarbeitern gab es ja noch ein paar andere "Überlebende". Ja, klar - die waren per se alle Opfer - eingemauert, eingesperrt, usw. - und vielleicht derentwegen muß das nun weiter durchgespielt werden.
(Wobei ich jetzt ein Rundfunk-Interview der Drehbuchautorin gehört habe. Das ist eine Dame aus dem Westen, die sich aber offenbar ganz ernsthaft für die Ex-DDR interessiert und der es laut eigener Aussage leid tut, daß nun gerade wegen dieser Stasi-Problematik nicht mehr über Sozialismus im Allgemeinen diskutiert wird. Sie meinte auch, daß keine Ossis Drehbücher schreiben zum Ex-Osten... Hm. ???)

Und daß Du diesen "Grabowski"-Schabowski (einen Schalck-Golodkowski gab und gibt es übrigens tatsächlich, ein ganz großer Geschäftemacher - der wohnt jetzt am Tegernsee auf 'nem "Hinterhof") nicht kennst - ist auch nicht weiter schlimm. Die Süddeutschen haben ja erst monate- oder sogar jahrelang später mitbekommen, daß sich in Berlin und Deutschland was geändert hatte. :-) Da habe ich auch vollstes Verständnis dafür. Wer konnte denn mit so was rechnen, bei einer Betonmauer, die schon fast 30 Jahre Wind und Wetter überstanden hatte (wobei die Wartungskosten nicht gering waren...) und da hatte man doch ganz andere Sorgen.
Na, jedenfalls dieser Schabowski als sogenannter "Maueröffner" (nein, nicht Dosen- sondern Maueröffner!), wenn der sich bei seiner Pressekonferenz nicht so blöd angestellt hätte und behauptet hätte, daß man sofort in den Westen reisen kann, obwohl es erst ab dem nächsten Tag möglich sein sollte (wovon er nun neuerdings behauptet, daß er es vorsätzlich tat), dann wäre die Maueröffnung langweiliger und ungefährlicher gewesen, und vor allem wäre uns Schabowskis immer wiederholtes Vorführen mit seiner Pressekonferenz im TV erspart geblieben. Und nun hatten sie ihn auch nochmal nach der Maske life vor der Kamera... und das fast 21 Jahre später, kurz vor der Demenz (?) - mein Gott, Walter...

Prinzipiell hast Du recht, Donna. Wenn man den ganzen Tag mit normaler Arbeit beschäftigt ist, hat man kaum Zeit für die Spiele und Spielchen der Mächtigen. Mehr oder weniger war das immer so. Nur - darin sehen die ja leider gerade ihre Chance - denn sie spielen nicht nur untereinander, sondern der Einsatz sind wir. Sicher ist die Demokratie noch die beste Variante, daß es nicht aus dem Ruder läuft. Aber wie gesagt - Menschen vertraue ich in solchen Entwicklungen letztendlich kaum noch. Ohne wirklich wesentliche technische Fortschritte, die eine völlig neue Grundlage schaffen werden, wird das offene und verdeckte Hauen und Stechen weitergehen - mit oder ohne Mauer, und mit oder ohne Demokratie und Schabowskis.

Hier übrigens noch ein
Schabowski, Günter - Interview am 07.04.2009, SWR 1 (Yt-Playliste)
Ein Glück, daß Schabowski (auch für sich) die Mauer geöffnet hat (mit dem goldenen Politbüroschlüsselchen ?:-)) - danach konnte er endlich weise werden und hat nun viel Freude daran, seine Weisheiten zu verbreiten - genauso wie damals mit den vormaligen Argumenten bis 9.11.1989 :-( :-).


Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
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Beitragvon miljas » 30.09.2010, 10:08

Hallo,

Sahtiere (teilweise):

Große Enthüllung... :
Es wurden Unterlagen gefunden - natürlich in den Akten des Stasiarchivs.
Das Gebilde hieß in Wahrheit gar nicht "DDR".
Das war nur ein Deckname. In Wahrheit hieß es "Westkoreanische Volksdemokratische Republik" (Westkorea).
Allerdings war man sich wohl hinsichtlich dieses Namens nicht ganz einig und wollte sich die Option offenhalten, später eine Umbenennung in "Ostkorea" vorzunehmen.
(Man konnte damals noch nicht wissen, wie sich der Westteil Deutschlands - Deckname "BRD" weiterentwickeln wird.)

außenspiegel: "Pjöngjang TV" (Video, ZDF)

...
Tja, keine Ahnung - feiern wir am 3. Oktober den "Tag der deutschen Einheit" oder ist das vielleicht irgendein Stasi-Jahrestag? Manchmal kann ich mich dieser Frage nicht erwehren, wenn ich die Sendebeiträge der öffenlich-rechtlichen Anstalten zur Kenntnis bekomme.

Und noch weitere wichige Fragen:
Welche Rolle spielt und spielte eigentlich der nordkoreanische Geheimdienst in Ost-Westdeutschland? Hat er die deutsche Wiedervereinigung organisiert, um zu testen?
Arbeiten viele Journalisten für den nordamerikanischen - oh Pardon - ich meinte: für den
nordkoreanischen Geheimdienst?

(Das ist eben unser ZDF... auch Mainz.
Ich finde es immer grandios, wenn der Schwachsinn stark ist.
Dann sieht man endlich den Wald vor lauter Tomaten nicht mehr. :-))

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:

PS:
Na, sicher - ich nörgele schon wieder... ;-) (da wird sich Herr Hansen aus Hawaii freuen).
Anstatt die Schurnalisten in Ruhe zu lassen - die wollen doch auch nur ihr (unser) Geld verdienen...

PS2:
Tony Curtis ist gestorben.
Das teilte Christine Kaufmann mit, die einmal seine Ehefrau war und die im obigen ZDF-Beitrag auf der "Bild"-Zeitung mit der Schlagzeile "Mein Hund hat unsere Ehe zerstört" zu Wort gebracht wurde. Egal. Curtis hat jedenfalls prima gespielt in:
Manche mögens heiss (Yt-Video)
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