Hallo,
der Günter hat sich noch einmal gemeldet.
Günter Schabowski - "der Mann, der das gemacht hat" (Zitat Peter Hahne, gemeint ist die Maueröffnung).
Schlimm, schlimm.
Jetzt hat Schabowski in der Interview-Sendung von Hahne indirekt zugegeben, daß er absichtlich
fehlerhaft davon sprach, daß die neue Reiseregelung "sofort, unverzüglich" in Kraft tritt.
Er hätte ja etwas gelesen von einem Radiosprecher, der diese Information geben sollte, am nächsten Tag 4 Uhr morgens (was ja bedeutete, ab 4 Uhr morgens). Er selbst hatte also entschieden, daß es sofort und unverzüglich zu geschehen habe.
Also was der da redet, ist ja ungeheuerlich. Ob er das nun nachträglich so interpretiert, vermischt mit Gedächtnisschwierigkeiten oder ob er in der Pressekonferenz völlig dumm handelte - Fakt und ist und bleibt, daß die Grenztruppen damals, am Abend des 9.11.1989, völlig unvorbereitet waren. Schabowski ist nach der Pressekonferenz nach Hause nach Wandlitz (in die abgeschirmte Politbüro-Siedlung im Wald bei Wandlitz, nördlich von Ostberlin) gefahren und hat sich nicht mehr um die Grenzfrage gekümmert. Wenn etwas Schlimmes passiert wäre in dieser Situation (Schießerei an der Grenze - womöglich noch mit Verletzten und Toten), dann hätte sich der Herr Schabowski mehrere Pfeiffchen anzünden können.
Schön und gut, daß er sich von seinem Vorleben distanziert (wobei das auch eine merkwürdige geistig-moralische "Leistung" ist, es erst mit 60 (!) dann endlich alles anders und realistischer zu sehen). Was aber die Bewertung dieses Vorganges am 9.11.89 angeht - da hat der Herr Schabowski nun einen cleveren Weg gefunden, sich geschichtlich ins positive Licht zu rücken ...der gute Günter, dem man gern beim Spaziergang begegnet. Günter, der Maueröffner... das ist doch einfach alles völlig absurd und daneben - Schabowski als "Maueröffner"...

! (Man müßte einmal fragen und nachprüfen, wo der Herr beim Bau derselben gewesen ist..., nein, "zu Hause in Wandlitz" war er damals noch nicht..., aber er wird schon damals seine zustimmenden Zeitungsartikelchen geschrieben haben, oder hat sie schreiben lassen...).
Ich habe Herrn Schabowski 1986 in 2 Meter Entfernung erlebt, wie er auf die Frage danach, ob man in der DDR nicht auch einen Geschirrspüler entwickeln und bauen sollte, antwortete, daß das Politbüro (dem er damals bis zum Herbst '89 selbst angehörte) diese Frage geprüft und festgestellt hatte, daß dies nicht notwendig sei. Die DDR bräuchte so etwas nicht. Das erlebte ich relativ kurze Zeit nachdem der Herr Schabowski oberster SED-Chef von Berlin geworden war.
Meine damaligen Überlegungen, ob mit ihm vielleicht Reformen möglich sein könnten (in Moskau hatte sich bereits Herr Gorbatschow zu Wort gemeldet), hatten sich damit (und dann auch aufgrund anderer Informationen) erledigt. Keinen Milimeter habe ich diesem Herrn über den Weg getraut. Leute, wie dieser Schabowski (der übrigens auch jahrelang Chefredakteur des Zentralorgans der SED "Neues Deutschland" war), solche Polit- und Macht-Fossile - die haben die DDR zum Schluß hin noch weiter kräftig abgewirtschaftet und ruiniert. Nichts hat er in Richtung Veränderungen unternommen - im Gegenteil. Und daß er sich nun als einer dieser Verantwortlichen ins Fernsehen setzt und so daherschwadroniert - das ist sowohl ein Skandal als auch ein Witz. In gewisser Hinsicht ist es allerdings wiederum gut, daß man noch einmal sehen kann, was für Typen das damals waren. Da gab es nicht nur einen Honecker und einen Mielke...
(Übrigens wäre noch zu sagen, daß Herr Schabowski am 20.1.1990 aus der Vorgängerpartei der Partei "Die Linken", also aus der damaligen SED-PDS, die sich dann später in PDS umbenannte,
ausgeschlossen wurde. Bei seiner seit einiger Zeit so großspurig an den Tag gelegten Wandlung ist auch die Frage, warum er diesem Ausschluß nicht zuvor kam. Er hatte er ja ausreichend Zeit nach dem 9.11.89 (gut 2 Monate) selbst gegenüber dieser von ihm jetzt so abgelehnten Partei diesen Schritt von sich aus zu gehen. So nun steht der Fakt, daß
er wegen tiefgreifendem antidemokratischem Verhalten bis 1989 aus der Partei
rausgeworfen wurde.)
Und, um es abschließend auf den Punkt zu bringen:
Die Mauer haben sich die DDR-Menschen selbst geöffnet. Und dies mit tatkräftiger Unterstützung vor allem des westdeutschen Staates und der westdeutschen Gesellschaft (Medienpolitik, Forderung nach Reisefreiheit und Freiheit der Wohnortwahl - Ausreise der Botschaftsflüchtlinge aus Ungarn und der Tschechoslowakei etc.). Schabowski ist rein zufällig mit diesem Ereignis der Maueröffnung, das fast alle Menschen als positiv erlebten, in Verbindung geraten. Der hat an der Öffnung der Mauer keinerlei Verdienst.
"Peter Hahne, Wie war das damals, Günter Schabowski?" (Video, ZDF)
Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
PS.:
Witziges und mich ansprechendes Michael Jackson-Cover: Beat it (Yt-Video)
sieht wie in einer Musikwerkstatt aus...
