Hallo,
jetzt haben sich wohl fast alle der im Bundestag vertretenen Parteien auf ein neues
Wahlrecht verständigt. Das Bundesverfassungsgericht forderte ein neues Gesetz.
Im Wesentlichen geht es um die so genannten "Überhangmandate". Die entstehen
immer dann, wenn mit der Erststimme viele Kandidaten mit Direkmandat gewählt
werden (wer über 50 % der Stimmen in seinem Wahlkreis bekommt, ist gewählt) und
danach die Verhältnisse der Parteien bezüglich der Zweitstimmen ausgeglichen werden
müssen.
Wie das genau geschieht, weiß kaum jemand - zumindest von den Wählern.
Das grenzt an höhere Mathematik (da kommen dann noch irgendwelche
Berücksichtigungen hinsichtlich der einzelnen Bundesländer ins Spiel).
Jetzt sollen zusätzlich zu den Überhangmandaten noch weitere Mandate hinzukommen,
so daß sich am Ende das Zweitstimmenverhältnis in der Zusammensetzung des
Bundestages korrekt widerspiegelt. Dadurch wird aber die Größe des Bundestages
wachsen (da werden wohl bald alle Abgeordneten im Plenarsaal miteinander
kuscheln müssen...

, aber so schlimm wird es nicht werden - sie arbeiten ja auch
jetzt schon oft in "Schichten", wenn keine wichtigen Entscheidungen anstehen - das wäre es
doch: der Dummy-Bundestagsabgeordnete, vollektronisch - ferngesteuert über
Smartphone - als Abstimmungakteur: "Hallo Dummy!" - "Ja?" - "Stimme "nein" für mich!"

).
(Fairerweise muß ich natürlich sagen, daß sich viel zeitaufwendige und wichtige
Arbeit der Abgeordneten in den Ausschüssen abspielt. Ob dabei nun viel Ausschuß
herauskommt oder nicht - das ist eine andere Frage. Auf allen Hochzeiten tanzen kann aber
sicher niemand, auch kein Bundestagsabgeordneter.)
Ist nicht einfach mit Wahlrechten.
Wähle eine Partei, die unter 5% bleibt, dann ist deine Stimme im Orkus.
Wenn man die Wahlbeteiligung betrachtet (50 - 60%), dann ist es natürlich auch immer
recht fragwürdig, wer nun in welchen tatsächlichen "Mehrheits"verhältnissen regiert.
Kohl hat sich wohl nicht nur einmal mit einer Stimme Mehrheit zum Kanzler wählen lassen.
Die eine Stimme war seine eigene!
In den USA wird nun bald der POTUS (gemeint ist der Präsident) gewählt. Aber das ist
letztlich auch nur eine indirekte Wahl. Von den 50 Bundesstaaten bekommt jeder zunächst 2
Wahlmänner. Das sind insgesamt 100. Die Hauptstadt Washington D.C. bekommt 3
Wahlmänner - das sind dann 103 insgesamt. Und dann kommen noch 435 Wahlmänner
hinzu, die auf die Bundesstaaten je nach Bevölkerungsanteil verteilt werden (wobei es da
auch gewisse beträchtliche Unterschiede gibt, wieviele Wähler auf einen Wahlmann kommen).
In jedem Bundesstaat werden die Wahlmänner je nach Mehrheitsverhältnissen in ihrem Revier
"gepolt". So wurde seinerzeit der Dabbelju mit wenigen Stimmen Vorsprung (wenige hundert)
in Florida (und das ist ja kein so kleiner Staat) gewählt. Und so kam es dann insgesamt dazu,
daß zwar mehr Menschen (Wahlvolk) den Al Gore als Präsidenten wollten, aber mehr
Wahlmänner den Dabbelju wählten. Das ist, schlicht und einfach, eine Verfälschung und
Mißachtung des Wählerwillens. Auch wenn es systembedingt geschah und sich aufgrund
seltener Konstellationen so ergab (wobei, diese technischen Probleme von damals kann man
natürlich nicht dem Wahlsystem anlasten - das ist letzten Endes: menschliches Versagen).
Ja, so sieht das aus mit den Stimmen - da gibt es wertlose und wertvolle...
Und wo genau deine landet - das ist unbestimmt.
(Am besten wäre es, man könnte erst nach der Wahl wählen - da könnte man noch gezielter
Einfluß nehmen... machen sie aber nicht - das ist wie beim Lotto, dort darf man nach der Ziehung
auch keine Lottscheine mehr abgeben.

)
Aber ehe man nun gar nichts sagt (und sich dann irgendwelche Dumpfbacken in größer Zahl
in die Parlamente hieven lassen), geht man eben besser doch zur Wahl.
Ein höherer Mathematiker könnte sicher ausrechnen, welche Wahrscheinlichkeit besteht, daß
man Einfluß ausübt. Und wenn das Wahlergebnis dann festeht, kann man es sich selbst
ausrechnen, wieviel Einfluß man nehmen konnte.
Aber was soll's. Insgesamt geht es ja noch. Immerhin wurde Kohl nach 16 Jahren abgewählt.
Auch der Herr Schröder mußte bei der Gaspipeline anfangen. Und was die Zukunft bringt...
das weiß vielleicht Friede Springer - ich nicht.