Hallo,
wie mißt man die Stärke eines Erdbebens?
Bei der ARD wird es einem unerklärlich erklärt:
Wie entstehen Erdbeben und Tsunamis? (Text, ADR)
Momenten-Magnituden-Skala...
Ist ja auch momentan nicht so wichtig. Es waren 8,8-8,9 als Stärke-Wert; 125 km von der Küste entfernt, in 10 km Tiefe.
Das stärkste je gemessene Erdbeben war 1960 in Chile mit 9,5. Und dann muß man noch wissen, daß es von Wert zu Wert vor dem Komma 10fach stärker wird. Also 8,9 ist fast 10mal so stark wie 8,0 und... wenn ich richtig denke... fast 100mal stärker als 7,0.
Wie auch immer - die gezeigten Videoaufnahmen wirken verstörend.
Es fallen die Bilder von der Wand, Porzellan aus dem Schrank, selbst die Aufnahmen mit der Cam aus der Hand verwackeln. Und man weiß nicht, was geschehen wird - ob nun gleich das Haus einstürzen oder ob sich ein Riß im Boden auftun wird, wo man gerade steht, sitzt oder liegt.
Und dann noch diese gewalttätige Wasserwand direkt an der Küste bis kilometerweit ins Binnenland,
7-10 m hoch. 1 Liter Wasser wiegt ein Kilo. 1 Kubikmeter wiegt eine Tonne!
Und dann auch noch die Gefahr der unsichtbaren Atomseuche.
1923 gab es ein schweres Beben, bei dem Tokio weitgehend zerstört wurde und mehr 100 Tsd. Menschen den Tod fanden. Man weiß also um die Gefahren. Natürlich ist es allgemein gut am Meer - der Hafen (übrigens "Tsunami" ist japanisch und bedeutet: "Welle im Hafen"), der Strand, die frische Luft, der Ausblick, der Fisch...
Hoffen wir, daß vor allem die Techniker und Ingenieure an diesem verdammten Atomkraftwerk duchhalten und sich etwas einfallen lassen werden. Die Sicherheitsvorschriften gehen wohl nur bis 8,25 Bebenstärke. ???? Wenn es 1960 bereits eines mit 9,5 gab...
Das fand ich irgendwo im Netz:
"
Fukushima I - 1 BWR March 26, 1971 460 MW
Fukushima I - 2 BWR July 18, 1974 784 MW
Fukushima I - 3 BWR March 27, 1976 784 MW
Fukushima I - 4 BWR October 12, 1978 784 MW
Fukushima I - 5 BWR April 18, 1978 784 MW
Fukushima I - 6 BWR October 24, 1979 1,100 MW
"
Das scheinen die Daten der Inbetriebnahme der einzelnen Reaktorblöcke zu sein. Also, wenn man noch 5 Jahre Bauzeit dazu gibt, dann war Mitte der 60er bekannt, wie stark die Erde beben kann, und daß nicht Schluß ist bei 8,25. Aber unabhängig davon - wer will denn das garantieren können, daß ein Gesamtsystem, das man nicht in dieser zusammengebauten Form auf derartige Erschütterungen testen kann, bei einem Erdbeben standhält? Wobei aber die Probleme bei dem Atomkraftwerk weniger die unmittelbare Einwirkung des Erbebens ist, sondern die Folge vom Komplettausfall des gesamten Energienetzes in der Umgebung. Diese Sicherheitslücke wird man wohl an allen Standorten von Atomkraftwerken weltweit prüfen müssen!
Explosion und Kernschmelze in Atomkraftwerk? (Text, ARD)
Nützt jetzt nichts - hoffen wir, daß die Kühlung wieder in Gang gebracht werden kann.
Und daß die Städte und Dörfer bald wieder aufgebaut werden (vernünftigere Lösungen, sich von der Küste zu entfernen, sind ohnehin ein Rufen gegen den Wind...)
Presser Gábor - Te majd kézenfogsz és hazavezetsz (?) (Yt-Video, 5:07 min)
Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
PS:
Jetzt habe ich gerade gehört und ein Foto davon gesehen, daß die Gebäudehülle um den Reaktor infolge einer Explosion zerstört wurde. Es steht nur noch das Stahlskelett. Und niemand weiß (?), was in dem Reaktor genau los ist... Das ist natürlich ein unheimlich hohes Risiko - auch für die Menschen, die dort arbeiten. Was ist aber mit den anderen Reaktoren, wenn nur noch Batterieenergie zur Verfügung steht? - Die müssen doch auch gekühlt werden!!! Oder liefern diese Reaktoren "Eigenenergie" zur Selbstkühlung und nur Reaktor 1 hatte weitere Schäden in dem Leitungsnetz?
PS.2:
Gerade wurde gemeldet, daß eine Kernschmelze vorliegt.
Ich weiß nicht - hat man schon jemals darüber nachgedacht, einen solchen Reaktor wenigstens "kontrolliert" zu sprengen, bevor er selbst völlig unkontrolliert hochgeht... Wahrscheinlich nicht, denn solche Havarien darf es ja rein theoretisch und "unwahrscheinlicherweise" nie geben...
PS.3:
Ich habe gehört, daß es für insgesamt 5 Reaktoren (zwei in Fukishima I und drei in Fukushima II) den Notstand gibt - sie wurden abgeschaltet. Und was meinen die Journalisten immer mit fehlenden "Generatoren"? Meinen sie damit fehlende Notstromaggregate? Wenn es irgendeine Möglichkeit gäbe, würde ich versuchen ein passend großes Schiff dorhin zu bringen und von diesem aus die Energie in das Pumpsystem einzuspeisen. Dadurch hätte man den notwendigen Diesel auch gleich in ausreichender Menge zur Verfügung.
PS.4:
Keiner weiß etwas Verbindliches... haarsträubend, aber nicht verwunderlich:
Japan lässt die Welt im Unklaren (Yt-Video)
Die Manager des Stromkonzern sitzen in Tokyo.
Na, jetzt vielleicht gerade nicht.
Oder vielleicht gerade jetzt doch, denn: sicher ist sicher.
Scheint eine "saubere" Company zu sein...
PS.5:
Herr Professer Lerchl, Mitglied der deutschen Strahlenschutzkomission, hat mitgeteilt, daß nach einer Kernschmelze keine Kühlung mehr möglich sei. Das Wasser würde verdampfen und es würde zu einer Knallgasexplosion kommen. Was man aber tun könnte - davon hat er nichts Konkretes gesagt (den Austritt radioaktiver Stoffe verhindern "...mit welchen Mitteln auch immer"). Weiß er nichts, oder stellt er sich dumm? (Das Volk könnte ja zu schlau werden...)
Prof. Lerchl (Video, ARD)
Vielleicht müßte man jetzt sofort beginnen, den Reaktor einzumauern, einzubetonieren, so dick als möglich, und dann diese Hülle kühlen!
Ich weiß es nicht.
Hier arbeitet man schon an Konzeptionen für tolle
"innovative Reaktoren ohne Kernschmelze".

Für Deutschland, oder für wen?
PS.6:
Ranga Yogeshwar vom WDR erklärt recht gut, wie die Situation bei dem Reaktor ist (oder sein könnte, denn. umfassende Informationen gibt es von japanischer Seite nicht).
Neue Probleme in Fukushima (Text, ARD; Video von dort erreichbar)
10 MW Wärme produziert der stillgelegte Reaktor durch radioaktiven Zerfall (als Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung und entsprechend der beteiligten Stoffe mit kürzeren oder unheimlich langen Halbwertzeiten) - das entspricht 5000 Wasserkochern.
Ein bis zwei Liter werden pro Kocher erhitzt - da kann man sich ungefähr vorstellen, wieviel Wasser bewegt werden muß, um den Reaktor zu kühlen.
10.000 t Meerwasser sollen in das sogenannte Containment zum Kühlen eingefüllt worden sein; Containment - das scheint ein Zwischenraum zwischen dem eigentlichen Reaktorgefäß und einer zweiten äußeren Schutzhülle zu sein; nun muß ein Kühlkreislauf mit Wärmetauschern und Pumpen gebaut werden, um die Kühlung dann aufrecht erhalten zu können - das ist ein Wettlauf mit der Zeit.
Und meine Befürchtungen, daß es auch mit den anderen Reaktoren Probleme geben könnte, scheinen sich leider zu betätigen.
Nur nebenbei bemerkt - Tschernobyl war vor 25 Jahren. ab Ende April.
Kiew, die Millionenstadt für die der Tschernobyl-Strom produziert wurde und die nur 100 km entfernt liegt vom Unglücksort, hatte damals großes Glück, daß der Wind nach Norden gerichtet war. In Weissrussland sind die Folgen spürbar geworden.
ZDF-Beitrag über Tschernobyl heute (Video, ZDF)
In dem Beitrag wurde von der "Lektion von Tschernobyl" gesprochen. Diese Lektion soll sein, daß
Transparenz bei einem solchen Unfall hergestellt werden sollte (damals wurden die Bewohner im Umfeld erst 3 Tage nach der Katastrophe evakuiert). Die "Lektion von Tschernobyl" ist aber in Vollständigkeit eine viel weitgehendere. Sie lautet:
Alle AKWs sind so schnell als möglich (im Prinzip: sofort) abzuschalten und keine neuen zu errichten! Das ist die Lektion von Tschernobyl!
Wie sagte Frau Merkel am 12.3.2011 bei einer Wahlkampfveranstaltung: "Es ist eine ungewöhnlich außergewöhnlich schwierige Situation." Stimmt. Aber die Ursache ist letztlich nicht ein Erdbeben und damit auch nicht situationsbedingt, sondern es ist die schon jahrzehntelange permanente Überschätzung der Sicherheitsgewährleistung von Atomanlagen. Die Rumeierei wird allerdings ihre Fortsetzung finden - der Herr Umweltminister Röttgen hat das in seinem Interview gegenüber "heute.de" am Sa-Abend schon ganz deutlich wieder vorgeführt (Sicherheit... "nach menschlichem Ermessen..." - das interessiert doch die potentiellen und
noch unbekannten Katastrophen(szenarien) nicht - das menschliche Ermessen!

).
Wie sicher sind deutsche Atomkraftwerke?- Interview mit dem Experten von Greenpeace und einem Vertreter der Atomindustrie (Video, ZDF)
Übrigens, kann man meiner Meinung nach schon jetzt sehen, daß die Sicherheitsvorkehrungen auch nach klassischer Betrachtungsweise unzureichend waren/sind. Für die Funktion der Kühlsysteme gibt es 3 Absicherungsstufen - das allgemeine Stromnetz, die Notstromgeneratoren, die Batterien. Die einfache Rechnung lautet: 1 Fehler, oder zwei... 3-1=2 bzw. 3-2=1 --> Sicherheit. Die Natur droht aber schon mit
2 "Fehlern/Störungen":
Erdbeben und Tsunami! Also sind 3 Sicherungen von vornherein nicht ausreichend an dieser Stelle. Es hätten
mindestens 4, besser 5 sein müssen! Aber auch eine solche Sicherheit hätte keinen Anspruch auf Absolutheit! (Wahrscheinlich wird argumentiert werden, daß es auch Schutzmaßnahmen gegen die Tsunami-Welle gibt. Aber wie zu hören ist, hat es die Schäden bei der Notstromversorgung nun doch infolge des Tsunamis gegeben.)
PS.7:
13.3., 9.55 Uhr:
Jetzt sind bei 6 der insgesamt 10 Reaktoren der beiden Atomkraftwerke in Fukushima die Kühlsysteme ausgefallen. Das heißt, daß nur 4 Systeme noch funktionieren. Aber wie genau funktionieren diese noch - stabil oder auch kurz vor dem Ausfall? Man muß bedenken, daß die Belegschaft eines Atomkraftwerkes wahrscheinlich nicht dafür qualifiziert und ausreichend groß ist, um derartige Neuinstallationen wie einen kompletten neuen Kühlkreislauf und entsprechende Umbauten vorzunehmen. Ohne sofortige und massive Hilfe von außen wird man diese Probleme nicht in den Griff bekommen können. Aber vielleicht ist es schon zu spät. Denn 6, oder dann bald vielleicht sogar 10 Reaktoren - das ist in der Kürze der Zeit doch kaum zu bewältigen. Das Richtige und Wichtige wäre es jetzt, die Menschen aus dem Gebiet zu evakuieren. Und wenn auch nur sicherheitshalber bis die Lage sich wieder normalisiert. Ob 10 oder 20 km Umkreis ausreichen? Besser wären wohl 30 oder sogar 40-50 km.
Über die verstrahlten Menschen und Gebiete von Übermorgen wird heute schon nicht nachgedacht:
Kernkraft weltweit im Kommen (Video, ZDF)
Die Manager und Profiteure werden dann die unverstrahlten Restflächen besiedeln...
PS.8:
Ein schwedischer Atomingenieur meint zu der Entwicklung:
Reaktorsicherheit: Lars-Olov Höglund, ehemaliger Chefingenieur KKW Forsmark (Video, ARD)
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