04.01.2013, 18:32
[/spoil]Martin Buchholz hat geschrieben:Dreikönigstreffen beim Bürger-King
Zunächst einmal, liebwerte Leserin, geschätzter Leser, wünsche ich Ihnen ein lebenspralles Neues Jahr,
strotzend vor Gesundheit und mitmenschlichem Wohlergehen, voller Herzlichkeit und Hirnlichkeit,
auf daß Sie mir noch lange erhalten und gewogen bleiben.
Nun steht ja übermorgen zum endgültigen Abschluß der nach-christlichen Feier-Saison der Dreikönigstag
auf dem Kalender. Da sollen bekanntlich dereinst drei frühe Lobbyisten der Räucherwaren-Industrie
(in diesem Fall von der Abteilung Weihrauch und Myrrhe) bei einem künftigen Herrscher vorstellig geworden
sein, um an der Futterkrippe möglichst die ersten zu sein. Ich habe vor Jahren schon darauf hingewiesen,
daß es sich bei diesen Heiligen Drei Königen eigentlich um ein dreifaches Fake handelt. Es waren keine Heiligen,
keine Könige und möglicherweise noch nicht einmal drei. Im Evangelium des Matthäus
(ein früher esoterischer Bestseller-Autor) wird lediglich in der griechischen Mehrzahl von „Magoi apo anatolon“
gesprochen, auf deutsch: „Magiere aus dem Osten“. Möglicherweise waren das also Ossis vom Schlage eines
Joachim Gauck. Auch der ist ja einer, der den pathetischen Zauber der pastoralen Magie voll beherrscht.
Mit seinen öffentlichen Predigten auf allen Allgemeinplätzen lullt er das Volk so sermonisch sanft ein, daß die
Beliebtheits-Barometer wie von einem Zauberstab berührt in himmlische Höhen schnellen. So ist er zum
wahren Nationalheiligen geworden – ein heiliger Bürger-King. Und neben ihm thront Queen Angela, unser aller
Ober-Ossin, die mit ihrem charismatischen Charme inzwischen ganz Europa bezaubert. Auch sie eine Meisterin
der demoskopischen Magie, die alle Umfragewerte wie besoffen ins Unerreichte torkeln läßt. Selbst in der
Ausnüchterungszelle meines Kabaretts verliert sie, die östliche Zauberin, nicht ganz ihre Wirkung.
Wie gesagt: „magoi apo anatolon“. Frei übersetzt: Der faule Zauber aus dem Osten.
Apropos Dreikönigstreffen: Am Sonntag wird wieder auf allen öffentlich-rechtlichen Kanälen die Leichenschau
einer obskuren nekrophilen Sekte nachrichtlich groß abgefeiert werden. Als topaktuelle Nachricht wird uns dann
verkauft, daß eine politische Totgeburt namens Philipp Rösler noch einmal von seinen versammelten Zombies
mit dem Weihwasser der kollektiven Scheinheiligkeit besprenkelt worden sei, auf daß er ein letztes Mal
auferstehe als Hoffnungsträger. Dabei wissen doch alle, daß er nur noch ein wandelnder Leichnam ist,
der am 20. Januar bei der Niedersachsen-Wahl hoffentlich endgültig in die Urne sinken wird – total verascht
von den Wählern. Und so rufe ich ihm schon jetzt in übler Nachrede hinterher: Unfriede seiner Asche!
Ich fürchte allerdings, daß er danach weiterhin im Bundeskabinett herumspuken wird als Geist einer posthumen
Vergeltung. Eben: Die späte Rache des Vietkong.
Apropos Rösler: Der war es auch, der unserer Bundesmama ursprünglich das Betreuungsgeld nicht gönnen
wollte. Dabei wird sie auch im neuen Jahr als alleinerziehende Mutti in der Kinderstube ihres Kabinetts ausreichend
damit beschäftigt sein mit ihren ständig herumstänkernden Koalitionsknaben (die herumzickenden Mädels nicht
zu vergessen). Statt die Balgen wenigstens tagsüber in eine sichere Verwahranstalt zu geben, wo sie vielleicht
ansatzweise soziales Verhalten lernen könnten, besteht sie darauf, ihre Zwergschule selber zu verwalten,
was allerdings dazu führt, daß diese Regierungs-Gnome immer rabaukiger werden. Mit Vorliebe schlagen sie
sich gegenseitig die Köppe ein, um nachzugucken, ob bei dem anderen auch nichts drin ist.
Na denn: Auf ein Neues! Auch wenn alles beim Alten bleibt...
04.01.2013, 18:32
05.01.2013, 16:35
08.01.2013, 07:28
10.01.2013, 18:08
11.01.2013, 17:23
[/spoil]Martin Buchholz hat geschrieben:Wahnsin schon mal in Berlin?
Bruchpilot Wowereit ist nun auch als Aufsichtsratsvorsitzender notgelandet,
hat sich aber gleich danach einstimmig selbst das Vertrauen ausgesprochen.
Ansonsten ist er ausgesprochen unansprechbar. Fragt man den Regierenden
Dorfschulzen der alten und neuen Mir-reicht’s-Hauptstadt: „Wo bitte geht’s hier
zum neuen Flughafen?“ – dann kriegt man nur ein hilfloses Gestammel zur Antwort:
„Wo? Wie?“ Ja, unser Wowie sieht derzeit ziemlich alt aus. Fast so alt wie seine
Partei, die ihn zähneknirschend stützen muß. Und die SPD verjährt sich immerhin
zum 150. Mal in diesem Jahr. Das ist in etwa auch der Zeitraum, mit dem man
inzwischen rechnen muß bis zur Eröffnung der neuen Berliner Flugsaison.
Von heute an gezählt, könnte also schon im Januar 2168 der erste
Hauptstadt-Abflug möglicherweise starten (möglicherweise – denn allzu genau
wollen wir uns da vorsichtshalber nicht festlegen). Aber die kleine Verzögerung
wird man ja wohl verkraften können.
Die Berliner regt das nicht weiter auf. Sie hocken ohnehin notgedrungen
zu Hause – ohne die Chance, irgendwo hinzufliegen oder hinzufahren,
denn die S-Bahn kreist ja auch nur noch einmal am Tag aus nostalgischen
Gründen um den Ring. Man muß es schließlich mit dem Nahverkehr nicht
übertreiben, vom fernen Flugverkehr ganz zu schweigen.
Wie hatte Wowereit einst – und zwar im Jahre 2005 – vor dem Berliner
Parlament erklärt: „Ohne meine Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender wären
wir nicht an dem Punkt, an den wir heute gekommen sind.“ Tscha, wo er recht
hat, hat er recht.
Das Hauptgebäude des angeblichen Großflughafens soll demnächst zum
wowereitschen Mausoleum umgewidmet werden. Der Überfliegende
Bürgermeister wird dann einbalsamiert im Glassarg liegen und gelangweilt
wie üblich die ehrfürchtigen Prozessionen der Fluglärm-Gegner an sich
vorbeiziehen lassen. Allezeit werden sie sein Loblied singen, weil er sie so
lange landesväterlich vor dem Fluch der dezibelen Belästigung geschützt hat.
Fürwahr ein Fluch-Hafen, den er den Berlinern gerne hinterläßt.
Wowereits Berlin, inzwischen eine Provinz-Hauptstadt der zweiten Liga!
Nun bin ich ja ein eingeborener Ureinwohner dieses versumpften Biotops.
Aber wer von den Berliner Aborigines traut sich heute noch als ein solcher
zu outen, wenn er sich in einer halbwegs zivilisierten Außenwelt befindet?
Schließlich ist ein solches Outing nicht ungefährlich. Man erinnert sich noch
heute in der Stadt an jenen amerikanischen Präsidenten, der vor dem
Rathaus Schöneberg tollkühn verkündete: „Ich bin ein Berliner!“ Kurze
Zeit danach wurde er konsequenterweise erschossen.
Kennedy meinte damals, daß dies das stolzeste Bekenntnis sei, das man
als Weltbürger ablegen könnte. Und jedem frontstädtischen Klein-Moritz
im traulich ummauerten West-Berlin blähte sich daraufhin die
antibolschewistische Heldenbrust. O tempora! O Moritz! Längst ist sie
vergessen, jene Heldenzeit, als die Völker der Welt in unerbittlicher
Penetranz von den Insulaner-Häuptlingen aufgefordert wurden:
„Schaut auf diese Stadt!“ Heute wäre man froh, wenn kein Aas gucken
würde. Zu peinvoll ist die Scham, ein Eingeborener dieses Milliardenlochs
zu sein.
Nun ist es heute nicht mehr so, daß man gleich erschossen wird, wenn
man als Berliner erkannt wird. Man hat eher einen gewissen Mitleidsbonus.
Die meisten versuchen so zu tun, als würden sie diese angeborene
Behinderung gar nicht wahrnehmen. Doch hinter meinem Rücken höre ich
sie dann tuscheln: „Gott, der Ärmste! Ein Berliner! So einer wie der
Doofereit – oder wie der heißt.“ Ich traue mich inzwischen auf meinen
Tourneen kaum noch den Mund aufzumachen, weil mein Dialekt allzu
deutlich das peinliche Geheimnis meiner Herkunft verrät. Deshalb habe
ich jetzt an der Volkshochschule einen Schwäbisch-Kurs belegt. Damit will
ich zugleich einen Beitrag leisten zur innerberliner Völkerverständigung.
Schließlich muß man sich auch am Prenzlauer Berg mit den dortigen
fremdländischen Okkupanten irgendwie arrangieren.
Neulich las ich in der „Berliner Morgenpost“ eine erschütternde
Kurz-Analyse über die Zukunft der Stadt. Da stand tatsächlich:
„Berlin bleibt Berlin!“ Schauerlicher kann eine Drohung kaum sein.
15.01.2013, 04:08
16.01.2013, 21:37
[/spoil][/quote]miljas hat geschrieben:Hallo,
der Berliner Flughafen erfreut natürlich auch Martin Buchholz.
Eigentlich... wir Deutschen haben insgesamt großes No Hau...
Wenn der Matthias Rust ohne Tower, und ohne Abfertigungsgebäude,
auf dem Roten Platz landen konnte... Um Berlin herum gibt es so
viele Landebahnen, die früher von den Russen genutzt wurden...
(... die man natürlich auch zum Starten nutzen kann)................................................
[/b]
17.01.2013, 20:01
18.01.2013, 21:32
[/spoil]Das Steinbrücksche "Twilight"-Movie:
Bis(s) zum letzten Grauen!
Eine Hängepartie wird es werden, die Wahl
in Hangover. Das prophezeien zumindest
alle Auguren, die den Flug der Pleitegeier in
den niedersächsischen Tiefebenen rings um
Großburgwedel beobachten. Darf das
FDP-Skelett noch einmal mit den morschen
Knochen klappern? Kann sich die Links-Partei
am Dutt der Frau Wagenknecht aus dem
eigenen Sumpf ziehen? Können die Piraten mit
ihrem lecken Kahn anlegen an der Leine
-- oder ziehen sie endgültig dieselbe?
Und was ist mit der SPD, der bundesweiten
23-Prozent-Partei, die der Kandidat innerhalb
weniger Wochen von immerhin 30 Prozent
heruntergebracht hat in den demoskopischen
Keller? Egal, wie die Landtagswahl am Sonntag
ausgeht: Es dämmert in der SPD. Und zwar
dämmert es den meisten, daß man da einen
leicht verschatteten Kandidaten gekürt hat.
Einen Schattenkanzler fürwahr. "Der hat doch
wohl echt 'nen Schatten." Solche Bemerkungen
gehören noch zu den behindertenfreundlichsten
Einschätzungen, die ich aus dem sozialdemokratischen
Teil meines politischen Bekanntenkreises höre.
Eigentlich ist es wohl mehr ein Halbschatten,
der da in diesem Twilight-Movie
herumgeistert: Bis(s) zum letzten Grauen.
Ein renommierter Parteienforscher,
ein gewisser Joseph von Eichendorff, hatte
diesen Horror, unter dem die
SPD nun leidet, ahnungsvoll beschrieben in
einer Analyse unter dem Titel "Zwielicht":
Dämmrung will die Flügel spreiten. (...)
Wolken ziehn wie schwere Träume.
Was will dieses Graun bedeuten?
Wie rühmte einst der angebliche Parteichef
Gabriel den Kandidaten bei dessen Nominierung:
"Peer Steinbrück hat sich schon als Finanzminister
große Verdienste erworben." Nur, daß sich keiner
an solche Verdienste erinnern kann, sondern nur
an die späteren Nebenverdienste. Das Große
Bundesnebenverdienstkreuz ist ihm jedenfalls
sicher. Und die Kanzlerin wird es ihm nach der
Bundestagswahl gewiß verleihen. Hat er sich doch
jetzt schon um die CDU verdient gemacht.
Allerdings wird es wohl nie herauskommen, wieviel
ihm die CDU gezahlt hat, damit er für sie Wahlkampf
führt noch bevor der Wahlkampf begonnen hat.
Er will eben mit allen Mitteln verhindern, daß er
selber Kanzler wird. Ein Hungerlohn von monatlich
17.000 Euro ist einem Kandidaten nicht zuzumuten,
der fast dieselbe Summe in einem halbstündigen
Standard-Gelaber verdienen kann.
Gestern gab er sich mal wieder im Bundestag
als kämpferischer Antikapitalist, der rhetorisch
gegen die Allmacht der Banken andonnerte.
Die "Süddeutsche" kommentierte: "Steinbrück lebt
nicht, was er da verkündete. Er war schon immer mehr
Arbeitgeber als Arbeitnehmer. Er würde sich auch
verbiegen, wenn er plötzlich den Arbeiterführer gäbe."
Doch genau das hat er bei seinem Auftritt vor dem
letzten SPD-Parteitag in Hannover versucht. Schließlich
ist Hannover inzwischen das Zentrum der sozialistischen
Internationale. Ist es doch die Stadt der wahrhaft
großen Arbeiterführer in der deutschen Geschichte:
Gerhard Schröder, Christian Wulff, ganz zu schweigen
von Fritz Haarmann, der allerdings eher für die
Arbeiterjugend zuständig war.
Im Bundestag höhnte jedenfalls Wolfgang Schäuble
in seiner Replik: "Sie sagen etwas, wovon ich nicht
glaube, daß das der richtige Steinbrück ist." Tscha, offenbar
gibt’s noch einen anderen Steinbrück, aber den darf er zur
Zeit nicht raushängen lassen aus seinem etwas zu flotten
Mundwerk. Er ist und bleibt ein Schizo-Sozi. Hätte die SPD
doch nur auf Eichendorff gehört, als der sie warnte vor
diesem zwielichtigen Kandidaten -- und zwar schon lange
vor dessen Nominierung. In seiner "Zwielicht"-Expertise heißt
es unter anderem:
Hast du einen Freund hienieden,
Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug' und Munde,
Sinnt er Krieg im tück'schen Frieden.
Natürlich wird Steinbrück auch festreden, wenn am 23. Mai
dieses Jahres die deutsche Sozialdemokratie sich zum
hundertfünfzigsten Mal verjährt. Allerdings gab es Streit
unter den Genossen, warum die Parteiführung unbedingt
die deutsche Kanzlerin zum Festakt bitten mußte. Ich finde
es nur konsequent. Ist sie doch längst die oberste
Sozialdemokratin dieses Landes -- auch nach Meinung der
letzten AufRechten in der CDU. Bei den entscheidenden
Abstimmungen im Bundestag etwa zur Europa-Politik ist sie
zugleich die eigentliche Fraktionsvorsitzende der SPD, die den
Genossen das Abstimmungsverhalten vorschreibt. Und die
verschaffen ihr dann immer wieder die heimliche
Kanzlerinnen-Mehrheit, die sie in den Reihen ihren Koalition
längst nicht mehr hat. Insofern ist es auch nur konsequent,
wenn der SPD-Kandidat sich der alten sozialdemokratischen
Tugend entsinnt, die da unter dem Stichwort "Solidarität"
längst verstaubt ist, und nun mit ihr schreitet Seit’ an Seit’,
denn mit ihr zieht die neue Zeit. Genauer: die alte. Die Zeit
der Großen Koalition, die da dämmert am Horizonte. Oder um
es mit Eichendorffs "Zwielicht" zu sagen, der offenbar in
strikter innerparteilicher Opposition zu Steinbrück stand
und sich daher an die Basis der Partei wandte mit dem Aufruf:
Was heut' müde gehet unter, (...)
Manches bleibt in Nacht verloren.
Hüte dich, bleib wach und munter!
22.01.2013, 17:11
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