Hallo,
man muß sich wohl doch seine ganz eigene Welt (-Rezeption & - Interpretation) erhalten und
weiterentwickeln. Habe ich schon immer versucht, aber was einem manchmal so von außen
aufgedrückt wird, kann einen auch zu sehr beschäftigen und ablenken.
Im Gegensatz dazu:
Vorgestern sah ich mir einen Film beim ZDF über "Schatzsucher" an.
Der war recht interessant und nett. Ich hatte den Eindruck, daß der Humor, der bei mir ankam,
auch von dem Filmleuten beabsichtigt war. Aber da können sie gar nichts so groß dafür.
Man kommt wahrscheinlich ganz automatisch bei diesem Thema in Humorbereiche.
Bei Dresden gibt es ein Schloß "Moritzburg". Ich war noch nie dort, aber es ist vom Äußeren her - so
wie ich es von Fotos und Filmen kenne - eines meiner Lieblingsschlösser. Ich hatte seinerzeit
ein Plakat in meiner Jugendbude. Und war dann später entsetzt über eine unmögliche Farbgebung,
die man dem wunderbaren Bauwerk verpaßte.
Aktuelle Fotos
Nein, das gefällt mir nicht!
So sah es früher aus:
Dia-Aufnahme von 1966 (Horst Hohmann)
Schlicht und formbetont.
Im Frühjahr 1945 verbuddelten zwei Sprößlinge der Sachsenkönigs-Familie das Silbertafelgeschirr
im angrenzenden Wald. Dann kamen die Russen. Und was ist aus dem sogenannten "Sachsenschatz"
geworden? Er war verschwunden. In den 90er Jahren fand jemand mit einem Ortungsgerät eine Kiste
voller Geschirrteile. Da sind die Museumsleute natürlich vor Freude an die Decke gesprungen. Dann
wurden Profis losgeschickt. Die fanden noch einiges, aber wenig. Und sie stellten fest, daß schon
jemand zuvorgekommen war. Der Wald galt dann als "abgesucht". Danach ist der Hobbysucher noch
einmal los und hat noch eine Kiste gefunden - genau dort in diesem Wald, der als abgesucht galt.
Zwischendurch noch eine andere kleine Geschichte, bevor ich dann zum Höhepunkt des
"Sachsenschatzes" komme.
Im Hunsrück gibt es einen Steinbruch, der immer ab freitags Feierabend für Hobbysucher freigegeben
wird. Dort kann man "Drusen" finden. Und dann rennen die Hobbyschatzsucher los, um sich die
besten Plätze zu sichern. Und dann stehen welche oben, die ab und zu auch Steinschläge auslösen.
Und andere stehen unten und müssen sich dann immer schnell in Sicherheit bringen.
Es wurde nicht berichtet ob, und wenn ja, wieviele Tote es dort bereits gegeben hat.
Zurück nach Moritzburg. Der größte Teil vom Sachsenschatz wurde wahrscheinlich kurz nach
Kriegsende von der Roten Armee ausgegraben und nach Rußland verbracht. Den Förster hatten
die königlichen Sachsen nicht mitgenommen nach dem Westen und die Russen konnten ihn wohl
dann zur Auskunft bewegen.
Nun ist ein Nachkomme der königlichen Sachsen nach St. Petersburg gefahren und bekam einige
spärliche Auskünfte, daß vielleicht Einiges in den Depots liegt. Einige Stücke waren sogar
ausgestellt, unter anderem die Taufschale der königlichen Sachsen. Da war der königliche Sachse
vor der Vitrine nun total gerührt, daß er das Stück noch einmal sehen konnte. Aber seine Vorstellung,
daß das alles irgendwann wieder nach Sachsen zurückkommen wird...
Für den Menschen an sich habe ich natürlich Verständnis. Wenn er seinerzeit mit dem Geschirr
aufgewachsen ist.... Und daß die Kunstgegenstände wieder nach Deutschland kommen sollten,
ist auch meine Meinung. Aber insgeheim freute ich mich doch ein wenig über das Geschehene.
Denn letztlich war doch alles jahrhunderlang königlich
zusammengeklaut worden...
Ob es dann hoffentlich irgendwann in einem Musum stehen wird, ob nun in einem deutschen oder
einem russischen... - Hauptsache öffentlich zu besichtigen.
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Man sagt, daß "Sex sells". Vielleicht geht es bei diesem Buch des amerikanischen Autors
Nicholson Baker genau auch darum. Höchstwahrscheinlich ja. Andererseits kann ein wirklich
originelles und humorvolles Buch über das Thema nichts schaden. Der Film über den Autoren
vermittelt mir jedenfalls einen guten Eindruck. Man kann nicht zu dem Schluß kommen, daß dem
Herrn Baker übermäßig viel Geld wichtig ist - im Gegenteil.
Erregungsanlagen
im "Haus der Löcher" (Text, ZDF; Video von dort erreichbar)
Ausnahmsweise an dieser Stelle dazu eine
"gelegentliche Tagesinformation":
„Die beiden fesselndsten Fähigkeiten eines Autors bestehen darin, neue Dinge vertraut
und vertraute Dinge neu erscheinen zu lassen.“ (Samuel Johnson)
Viele Grüße - miljas :t252: :t252: