Gnade vor Recht




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Beitragvon Meer » 26.02.2008, 12:10

mobile schreibt:
Denn es sind ganz gewiss Erfahrungen, die an die Substanz gehen, aber dennoch sehr hilfreich sind.


Genau, aber ansonsten gefällt mir diese Wortwahl gar nicht, vor allem weil von Schuld und einem Schuld zusprechen gesprochen wird.
Mit diesem Wort lassen wir Deutschen uns nämlich auch wunderbar klein halten und weiter ausbeuten.

Wenn ich wie im 3. Absatz steht, die Augen offen habe und ich weiß wo ich langgeh, dann falle ich nicht, auch nicht aus Gewohnheit, weil ich immer diesen Weg gehe, denn ans fallen gewöhnt sich keiner und weil ich nämlich aus den beiden ersten schmerzhaften und langen Erfahrungen heraus bereits genug kapiert hab.

Die Frage ist dann auch noch, ob ein Loch generell umgangen werden kann, oder ob es gerade für meine nötige Erfahrung wie geschaffen war.

LG Meer
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von Anzeige » 26.02.2008, 12:10

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Beitragvon Starlight » 26.02.2008, 13:21

Hallo Ihr Lieben,

ja diese Verse kannte ich auch schon und das mit der Schuld zusprechen, dass klingt für mich auch nicht so gut. Den 5 Abschnitt kannte ich noch nicht. Manchmal kann vielleicht auch keine andere Straße nehmen, weil es nur diesen einen Weg gibt. Aber die Löcher, die kenn ich nur zu gut. Au Mann!

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Beitragvon Gast » 26.02.2008, 13:35

Hallo starlight,

ich will nur sagen, daß mich deine Signatur sehr angesprochen hat und im richtigen Augenblick kam. Mir hat dieser Satz jetzt sehr geholfen. Vielleicht hilft er auch anderen Menschen.

Viele Grüße
von einem flüchtigen Gast
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Beitragvon La Donna mobile » 26.02.2008, 15:36

Meer hat geschrieben:
Genau, aber ansonsten gefällt mir diese Wortwahl gar nicht, vor allem weil von Schuld und einem Schuld zusprechen gesprochen wird. Es ist aber auch nur die Wortwahl, die dir nicht gefällt, ansonsten ist der Sachverhalt ja klar, denn man könnte auch sagen: Ich wusste sehr wohl...
Mit diesem Wort lassen wir Deutschen uns nämlich auch wunderbar klein halten und weiter ausbeuten. Nun ja, das ist ein anderes Thema und gehört ja eigentlich nicht in diesem Zusammenhang angeführt. Es gibt im Englischen z.B. oft für ein deutsches Wort x-Variationen und Abstufungen, wie ja auch bekannt ist; das wollen wir jetzt mal nicht haarspalten, weil wir ja wissen, um was es hier geht.

Wenn ich wie im 3. Absatz steht, die Augen offen habe und ich weiß wo ich langgeh, dann falle ich nicht, auch nicht aus Gewohnheit, weil ich immer diesen Weg gehe, denn ans fallen gewöhnt sich keiner und weil ich nämlich aus den beiden ersten schmerzhaften und langen Erfahrungen heraus bereits genug kapiert hab. Tja, das sagst du, Meer! Dann hast du aber noch keine Menschen kennen gelernt, die das ganz genau wissen wollen, die aber wirklich nicht blöde im eigentlichen Sinn sind. Sie müssen die Situation ganz austesten und ausloten und sie wollen um alles in der Welt wissen, wie weit sie gehen können. Wie weit können sie gehen? Bis zum Rand der Scheibe oder bis an den Rand des Loches - selbst wenn sie es schon öfter praktiziert haben, möchten sie die Ergebnisse ihres Handelns in letzter Konsequenz erfahren. Das ist eine Tatsache.

Die Frage ist dann auch noch, ob ein Loch generell umgangen werden kann, oder ob es gerade für meine nötige Erfahrung wie geschaffen war. Wenn ein Loch da ist, dann kann es auch umgangen werden. Ich denke, dass es immer einen Weg im wahrsten Sinne des Wortes drum herum gibt.

LG Meer
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Beitragvon Starlight » 26.02.2008, 16:11

Hallo Gast,

vielen Dank. Das ist der Taufspruch, den ich meinem Kind mit auf den Weg gegeben habe. Es freut mich wenn er auch Dir geholfen hat. So soll es sein.

Lieben Gruß

Starlight :t291:
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Beitragvon Meer » 26.02.2008, 17:14

Nein mobile,

es ist nicht nur die Wortwahl, es ist auch der Wortinhalt, der mir sogar noch wichtiger ist, weil damit sehr viel transportiert werden kann und das jetzt unabhängig von dem Tipp toggles an Burkhard.

-- Ich wusste sehr wohl -- kann ich auch erst ab den 3. Absatz sagen, denn ich hatte ja bereits die ersten beiden Erfahrungen, die insgesamt gesehen wohl unbewusst abliefen.
Dann wusste ich aus meiner Erfahrung was passieren kann und ich sah die Vergangenheit, aber nicht das Jetzt und just in diesem Moment falle ich noch einmal.
Weil ich ja nun aus den ersten beiden Erfahrungen weiß, wie ich da wieder heraus komme, geht das Herauskommen diesmal lediglich schneller. Über einen Bewusstheitszustand sagt es so natürlich nichts weiter aus, außer, dass ich mir selbst Schuld zuspreche.

Hier genau ist aber auch der Knackpunkt um den es mir geht.

Für etwas was ich unbewusst tat, kann ich mir keine Schuld zusprechen, aber genau das geschieht eben immer wieder und auch sehr leichtfertig, weil sich so ganz leicht Opfer und Feinde machen lassen.
Statt zu sich selbst zu sagen, -- mist, haste wieder nicht aufgepasst -- oder -- mensch, wo warste jetzt bloß mit deinen Gedanken --.

Wenn jemand etwas ganz genau wissen oder ausloten will, dann soll er das tun, denn danach weiß er mehr als vorher.
Ich kann ja nur aus meiner Erfahrung heraus sprechen und jemanden eben Tipps geben, aber befolgen muss das niemand.
Die Konsequenzen werden eh immer persönlich erfahren im Einzelbeispiel und bei einer Gruppe ebenso.
Deswegen ist unser aller Bewusstsein angesprochen und es sollte das gesamte Gruppenbewusstheit gehoben werden, damit wir friedlich miteinander umgehen können.

Ich bin auch der Meinung wie Starlight, dass es nur einen Weg im Endeffekt gibt, da mag ich Aus- und Abwege gegangen sein so viel ich wollte, letztendlich gibt es nur den EINEN, natürlich nur aus meiner Sicht.

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Beitragvon toggle bis 12. Jan. 2012 » 26.02.2008, 22:29

Hi, Ihr Lieben,

was die Gnade, das Recht und so weiter angeht, auch hinsichtlich der Geschichte, die ich gepostet hatte, da könnte ich noch ne Menge dazu sagen. Mir reicht die Zeit aber nicht, und mich drücken andere Probleme wesentlich mehr. Was nicht heißen soll, daß mir das Thema nicht wichtig wäre. Man kann die Dinge nur eben noch von einigen anderen Seiten her sehen, das würde ich bei Gelegenheit auch noch ausführen. Jetzt nur ein paar unausgegorene Gedankenfetzen...

Zu "Gnade vor Recht": Ein Gnadenakt muß aus meiner Sicht nicht unbedingt Verzeihen bedeuten. Wenn ich den Gnadenakt juristisch sehe, dann kann ich ihn auch nur dann ausüben, wenn ich dazu ermächtigt bin. In dem Spruch wird ja bewußt das Begriffspaar Gnade und Recht verwendet. Dann müssen auch beide Begriffe in die Deutung einbezogen sein.

Und die Geschichte möchte ich auch noch etwas umschreiben, sie ist so im Moment für mich auch noch nicht stimmig. Was das Thema Schuld angeht: Bei wem der Begriff "Schuld" bestimmte Assoziationsketten auslöst, der kann ihn vielleicht durch "Ursache" ersetzen oder durch "Verantwortlich". Und der anderen Wege gibt es meiner Überzeugung nach viele. Laßt mal Eurer Phantasie freien Lauf ;-) .

Naja, ich komme dann noch einmal drauf zurück, aber nicht in den nächsten Tagen, da habe ich zuviel um die Ohren.
Liebe Grüße
toggle
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Beitragvon gast » 27.02.2008, 02:00

Hallo,

Recht soll ja dazu da sein, Gerechtigkeit zu erhalten bzw. wieder herzustellen.

Wenn aber ein Unrecht geschehen ist und dann das Recht eingreift, wird es oft oder sogar meist zu einem neuen Unrecht führen. Einfaches Beispiel: Jemand hat erstmalig einen Banküberfall begangen und wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Wenn der Bankräuber zu der inneren Überzeugung gelangt ist, daß er falsch handelte und dies nie wieder machen wird, dann ist die Inhaftierung ein Unrecht - es ist dann ganz schlicht und einfach Freiheitsberaubung. Ein Wiederholungstäter gehört sicher weggesperrrt, weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Aber der Einmaligkeitsbankräuber müßte umgehend auf freien Fuß gesetzt werden, daß er auch den verursachten materiellen Schaden abtragen kann.
Ok - Bewährung und vorzeitige Haftentlassung sind ja quasi derartige Annäherungen an eine Gnade.

Wenn "Gnade vor Recht" konsequent eingesetzt werden würde, bedeutete dies, daß dadurch auf viele weitere Ungerechtigkeiten freiwillig verzichtet würde.

ein begnadeter Nichtjurist
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Beitragvon Meer » 27.02.2008, 09:20

Hallo Gast,

das kann ich mit unterstreichen, Recht soll ja dazu da sein, Gerechtigkeit zu erhalten bzw. wieder herzustellen.
und
Wenn "Gnade vor Recht" konsequent eingesetzt werden würde, bedeutete dies, daß dadurch auf viele weitere Ungerechtigkeiten freiwillig verzichtet würde.

lieber toggle,

jaaaa, da gäbe es noch jede Menge dazu zu schreiben und auch andere Sichtweisen einzubringen.
Das ist echt ein großes Gebiet und ich denke auch, dass wir da immer wieder einmal darauf zurückkommen werden.

Ich habe ja weiter oben schon den Versuch gestartet diese beiden Begriffe Gnade und Recht in einer Verhältnismäßigkeit zu betrachten. Definiert werden kann das ja nun auch auf vielerlei Art, ebenso wie der Begriff Schuld verschiedene Bezeichnungen für verschiedene Gebiete vorweist, wie die Schuld in Ethik und Religion, in der Psychologie, im Straf- und Privatrecht.
Ob sich der Begriff Schuld durch "Ursache" oder durch "Verantwortlich" ersetzen lässt, kann ich jetzt noch nicht sagen, gefühlsmäßig meine ich aber, dass da noch einmal differenziert werden sollte.

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Beitragvon Harlekin » 27.02.2008, 09:26

gast hat geschrieben:Einfaches Beispiel: Jemand hat erstmalig einen Banküberfall begangen und wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Wenn der Bankräuber zu der inneren Überzeugung gelangt ist, daß er falsch handelte und dies nie wieder machen wird, dann ist die Inhaftierung ein Unrecht - es ist dann ganz schlicht und einfach Freiheitsberaubung. Ein Wiederholungstäter gehört sicher weggesperrrt, weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Aber der Einmaligkeitsbankräuber müßte umgehend auf freien Fuß gesetzt werden, daß er auch den verursachten materiellen Schaden abtragen kann.
Ok - Bewährung und vorzeitige Haftentlassung sind ja quasi derartige Annäherungen an eine Gnade.

Uiiiiiii, in dem Fall würde ich aber auch versuchen mir mal einen kurzfristigen Kredit ohne Zinsen zu besorgen, wenigstens soviel dass es für ne neue Heizung reicht - die könnte ja eingebaut sein bis ich wieder auf freiem Fuss bin.
Und dann gibt es ja noch die Möglichkeit (jaaa, ich kanns ja mal probieren, ist echt kein Risiko dabei) dass ich überhaupt nicht erwischt werde :-)


Wenn "Gnade vor Recht" konsequent eingesetzt werden würde, bedeutete dies, daß dadurch auf viele weitere Ungerechtigkeiten freiwillig verzichtet würde.

Hier denke ich das ist beim Einen SO und beim Anderen SO und das Wort "konsquent" müsste wohl ebenso wie "Gnade" und "Recht" neu definiert werden.

Auf VIELE WEITERE Ungerechtigkeiten kann so Mancher DANN bestimmt auch gut verzichten, wenn die ERSTE Ungerechtigkeit gut geplant durchgezogen wird und man ungestraft davon kommt - Spitzen Idee!!!


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