Hallo toggle,
zu dem Film "Der Untergang" möchte ich doch noch etwas sagen, weshalb ich von diesem Vorhaben nicht begeistert war.
Zunächst einmal war ich etwas befangen insofern, daß ich als Jugendlicher ein sowjetisches Filmepos sah. Es hatte wohl 5 Teile und hieß "Befreiung". Sicher kann man sich heute auch über diesen Film streiten, ob die historischen Fakten alle korrekt dargestellt wurden - ich habe das damals nicht so tiefgehend betrachtet. Denn natürlich war es ein Film aus der Sicht der Sieger, aber der deutsche Gegner wurde nicht herabgewürdigt. Und das war auch völlig in Ordnung so - anderenfalls hätte man den hart erkämpften Sieg natürlich auch entwertet. Im letzten Teil der Filmserie ging es um die Kämpfe in Berlin, die am Ende in einem Straßen- und Häuserkampf mündeten. Über die Geschehnisse in diesem Bunker wurde auch etwas gezeigt und gesagt. Hitler wurde dort nicht direkt gezeigt - er war nur als Schatten präsent. Man konzentrierte sich hinsichtlich dieses Bunkers auf das Schicksal der Familie Goebbels, die ihre Kinder (ich glaube 5 Kinder waren es) vergiftete. Und das dieses Geschehniss eine unerhörte Begebenheit war, in diesem Bunker - das war klar. Der Hitler war in diesem Bunker also nur noch ein Schatten seiner selbst - an ihm selbst konnte man eigentlich dann auch nichts mehr zeigen, wie ich finde. Noch am 20. April '45 war er immer noch der "Führer" bei der Begegnung mit in Unifomen gesteckte Kinder. Er war vielleicht physisch angeschlagen, aber geändert hatte der sich im Denken nicht. Das wirklich Schreckliche (abgesehen von diesem Mord an den Goebbels-Kindern) spielte sich ja auch außerhalb ab. Da waren noch Alte und Halbwüchsige mobilisiert worden, um russische Panzer aufzuhalten. Da wurden desertierte Soldaten ohne gültige Papiere aufgegriffen und einige noch von fanatischen SS-Leuten umgebracht. In Berlin sollte eine Spree-Brücke gesprengt werden. Und man flutete den U-Bahn-Schacht, in dem Hunderte Zivilisten Zuflucht gesucht hatten, um das Vordringen der Russen zu behindern.
Von Hitler gibt es so viele Fotos und so viele Film- und Rundfunkaufnahmen - den muß man nicht mehr spielen.
Allerdings sind mir viele kommentierte Beiträge a la Guido Knopp auch suspekt. Wir sind doch keine Marionetten der Geschichtsbetrachtung. Was wir brauchen ist das möglichst umfassende Bild, zu der dann ein Kommentar das bleibt, was er ist und bleiben sollte - ein Kommentar mit der erforderlichen Zurückhaltung und dem Erkennbarmachen seiner Diskussionswürdigkeit.
Charlie Chaplin hat natürlich eine geniale Satire gefunden, aber schon zu Lebzeiten Hitlers.
Und wenn man schon eine gewisse Distanz hat zu dieser Person Hitler, dann funtioniert natürlich auch die satirische Verwendung seiner Merkmale - seiner Körpersprache, seiner Stimme und seiner Sprech- und Ausdrucksweise. In der Sendung extra3 des NDR hat man sich dessen bei der Kommentierung der NPD-Aktivitäten bedient. Das finde ich schon angemessen, weil man ja in der NPD nach außen hin immer versucht, eine Hitlernähe und eine Nähe zur Nazizeit nicht so raushängen zu lassen.
Ich denke, dieser Film "Der Untergang" war doch mehr auf das Sensationelle und Spektakuläre gerichtet, um geschäftlichen Erfolg zu haben. Ich las einen Bericht über die Dreharbeiten - Außenaufnahmen wurden in St. Petersburg gemacht. Die Begründung war die, daß es nirgendwo sonst in Europa noch so heruntergekommene Fassaden der Häuser gab, wie dort. Aber wer es weiß, daß diese Stadt 900 Tage einer Hungerbelagerung durch Hitlers Armeen ausgesetzt war, der kann sich vorstellen, daß ältere Menschen beim Anblick der Nazi-Kulissen schockiert waren. Und auch Ganz äußerte, daß er sich bei den Dreharbeiten dort sehr unwohl fühlte. Es gibt einfach Dinge, die man nicht machen darf und nicht machen sollte, auch wenn sie nicht ausdrücklich gesetzlich verboten sind.
Summa sumarum - man sollte für Hitler die historischen Dokumente und Quellen, die existieren verwenden und sich in der filmischen Darstellung mehr um die "Umgebung" von Hitler, um den "Deutschen an sich" bemühen. Der ehemalige Bundestagspräsident Jenninger sprach von dem "Faszinosum" Hitler und mußte wegen dieser Äußerung zurücktreten. Aber genau das ist der Punkt. Hitlers Auftauchen im Bunker in einem schlechten Zustand macht das Vorangegangene nicht ungeschehen. Es entstand ja mit der Nazizeit ein vielschichtiges Gebilde. Dazu gehörten Begeisterung, brutale Unterdrückung politischer Gegner, Rassenhaß, Militarismus.
Wenn ich den emotionalen Anteil in mir bestimmen ließe, würde ich auch eher sagen - dieser Hitler ist (auch) eine furchtbare Peinlichkeit für Deutschland. Auch unter diesem Aspekt besteht absolut kein Bedarf, ihn wieder "gegenständlich" aufleben zu lassen. Wie gesagt - nicht in Filmen. Und auch nicht im Wachsfigurenkabinett in Berlin. Dort hat man kürzlich eine Hitlerfigur, auch in dieser Bunkerkulisse, nur wenige hundert Meter vom Originalort entfernt, aufgestellt. Vielleicht sollte ich meine Meinung dazu noch einmal überdenken - wenn Madame Tussauds als nichtdeutsche Firma (USA, GB,?) der Meinung wäre, uns Deutschen damit sagen zu wollen: "Was habt ihr Deutschen uns und der Welt damals für einen Idioten als Euren politischen Führer beschert?", dann würde ich das akzeptieren. Aber die sagen bei Tussauds ausdrücklich, daß sie nicht politisch sind, sondern nur die Geschichte darstellen wollen.
Und das ist genau das gleiche Problem, wie bei dem Bunkerfilm. Da wäre es ja viel wichtiger hier in Deutschland darzustellen, wie das ganze Malheuer begann. Hitler ist nämlich, absolut gesehen, genau das, was wir und die Welt im großen und im kleinen durchaus auch benötigen - nämlich Menschen, die begeistern können. Nur die konkreten Ziele und die Wege dorthin, die Hitler verfolgte und beschritt, zum Teil von Anfang an unverhüllt, zum Teil kaschiert, und daß die Deutschen das kritiklos entgegennahmen - das war das eigentliche Problem.
Und hier findest Du übrigens ein Interview der ZDF-Redaktion der Sendung "aspekte"
Hitlers Leibwächter
mit dem noch lebenden letzten Zeitzeugen (91) aus diesem Bunker. Ich kenne diesen Menschen nicht weiter - er hat jetzt ein Buch geschrieben und aus diesem Anlaß wurde das Gespräch geführt. Der Mann macht auf mich den Eindruck, einer seriösen Darstellung, umso mehr, da er sich nicht von der Nazizeit distanziert.
Und zu dem Schauspieler Ganz möchte ich noch sagen - er stammt wohl aus Süddeutschland oder Österreich. An einer Stelle weiter hinten im Film, als er allgemein freundlicher wurde, konnte ich auch mal kurz, also auch in der Mundart, den bayrischen Beckstein aufblitzen sehen.
Viele Grüße
miljas
PS:
Dieser Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 12.3.07 ist ja auch ganz interessant:
Posthum staatenlos?
Daß es bei Hitler Probleme der Staatsangehörigkeit gegeben hat, ist leicht vorstellbar, wenn man weiß, daß er aus Österreich stammt. Den Hinweis darauf, daß die damaligen Braunschweiger Beamten Hitler den Weg an die Macht in Deutschland mit ebneten, finde ich schon wichtig und er sollte nicht so einfach unter den Tisch fallen. Aber die Schlußfolgerung, die man nun vorschlägt, nämlich Hitler posthum die deutsche Staatsbürgerschaft wieder abzuerkennen - das finde ich schon einigermaßen grotesk... Bei Ehrenbürgerschaften kann ich es verstehen, weil das Wirken dieser Personen, das man früher für ehrenhaft hielt, heute anders bewertet wird und man es dann auch so kundtut - keine Ehren mehr!. Aber Hitlers Wirken nun in "staatenloses" oder in "ehemals und ursprünglich österreichiches staatsbürgerliches" Wirken umzuwandeln - was soll das? Die NSDAP bestand ja nun nicht nur aus Adolf Hitler aus Braunau über Linz und Wien und München, sondern weiteren Mitgliedern deutscher Staatsangehörigkeit.
Staatsbürgerschaft Adolf Hitlers (Historisches Lexikon Bayerns)
Und hier sind Fotos von Bildern (Aquarellen), die Hitler angeblich angefertigt haben soll.
Ich habe nur immer gehört, daß er als Kunstmaler keinen Erfolg hatte - gesehen habe ich bisher noch nichts von seinen Werken:
RP-online vom ?
(September 2006 war das :
Spiegel online 26.9.2006 )
Dabei hätte er mal ausschließlich bleiben sollen...