von Gast-Chord » 01.06.2008, 16:57
So gestern war ich schon am Rande eines Nervenzusammenbruchs, weil sich mein neues Billigstnotebook im Anschluss an eine Virenfundmeldung und dem Versuch, dem den Garaus zu machen, plötzlich nicht mehr herunterfahrenließ. Das Ganze kostete mich zig Stunden und zuletzt gab ichs auf, aber seit heute geht es zum Glück wieder - brauch es nämlich grad im Moment wirklich dringend. Bis auf diesen einmaligen Vorfall bin ich übrigens hochzufrieden mit dem Teil!
Zur Situation mit den Medikamenten in Österreich:
Was die Gebühren betrifft - wir müssen eine Gebühr für die e-card bezahlen (früher musste man pro Krankenschein was zahlen,also nur, wenn man wirklich einen Arztbesuch in Anspruch nahm, heute muss das jede/r Krankenversicherte bezahlen, außerdem 4,80 Euro Rezeptgebühr pro verordnetes Medikament und außerdem gewissen Selbstbehalte nach einem äußerst undurchsichtigen System, das glaub ich, auch davon abhängt, wieviel oder wenig der Arzt/die Ärztin für seine Leistungen verrechnet - also es kann sein, dass man für einen Besuch beim einen Hautarzt, der genauso lang dauert wie bei einem anderen nicht dasselbe zahlt.
Außerdem wurden Leistungen sukzessive herausgestrichen - wenn früher z.B. eine neue Brille medizinisch notwendig war, wurde da noch ein gewisser Anteil der Kosten übernommen, heute glaub ich gar nichts mehr, auch der Anteil, der (wenn man überhaupt einen der wenigen freien Plätze ergattert) für Psychotherapie an "Kostenbeteiligung" gezahlt wird, ist ein Witz. We nicht viel Geld hat, kann sich längst keine Psych0otherapie mehr leisten.
"s ist schon so, dass manche Menschen heutzutage nicht gerne über Missstände reden möchten." - dass es Bequemlichkeit ist, glaube ich weniger, eher sind es eine Art ideologische Scheuklappen - wenn reichere Menschen aus der Mittel- und Oberschicht sich nicht weigern würden, wahrzuhaben, dass es unversicherte Menschen gibt, die gar nicht erst zu einem Zahnarzt vorgelassen werden - wie es mir selbst passiert ist, sich nicht weigern würden, wahrzuhaben, dass Menschen die nicht über weit mehr als 1.000 Euro für eine überlebensnotwendige PET-CT aufbringen müssen, einfach sterben müssen bzw. mit dem Wissen, dass sie sterbenskrank sind und ihnen eigentlich recht leicht geholfen werden könnte, weiterleben, wenn sie sich nicht weigern würden, zur Kenntnis zu nehmen, dass auch in Deutschland schon Menschen verhungert und erfroren sind und immer mehr Kinder in der Schule vor Hunger vom Stuhl kippen, und wenn sie sich nicht weigern würden, keinen Gedanken daran zu verschwenden, welche perverse Art der Geldumverteilung dank des Neoliberalismus von statten geht - nämlich eine Bereicherung von Unternehmen auf Kosten der Arbeitnehmenden und wider Willen Arbeitslosen, dann wären sie ja auch gezwungen über ihre eigene Rolle in dem ganzen System nachzudenken, über politische Lösungen die ihnen vermutlich ein Stückchen vom Wohlstand abzwacken würden und den Ärmeren zugutekommen lassen, sie könnten nicht mehr so bequem nach dem Motto "ich habs ja auch geschafft, und jeder ist seines Glückes Schmied" sich von ihrer Mitverantwortung für die Zustände, zu denen es in den Industrienationen mittlerweile gekommen ist, lossagen usw.usf. Allerdings glaube ich nicht, dass Bequemlichkeit der Hauptgrund ist. Es müsste dann jemand, der z.B. gedankenlos sein Kreuzchen Jahr für Jahr immmer bei der selben Partei macht, zugeben (auch vor sich selbst) dass diese weder in der Vergangenheit und schon gar nicht in der Gegenwart zum Wohl der Menschen agiert hat usw.usf. Aber da ist es natürlich einfacher, statt das System zu kritisieren, die SystemkritikerInnen zu kritisieren und ihnen Negativdenken und Pessimismus vorzuhalten. Ansonsten müsste man konstatieren, dass die alten Wege offenbar versagt haben, und zwar ziemlich krass, und dass, wenn man soziale Unruhen verhindern mag, man zu neuen und alternativen Lösungsmodellen greifen müsste, wie etwa zu einem bedingungslosen Grundeinkommen. Ich hab dieses Thema schon vor sehr langer Zeit im PeterLauster-Forum aufgebracht, bezeichnenderweise war die Resonanz relativ gering (ich hab übrigens schon vor Jahren genau das kritisiert, was du auch kritisierst -die exorbitanten Unternehmensgewinne, bei gleichzeitig sich immer weiter verbreitender Armut) - und Dachs, einer der wenigen, die sich da offenbar Gedanken machten, schreibt leider schon ewig lang nichts mehr dort.
Starlight - ja, von den 1 bis 2 % bin ich auch ausgegangen, für mich ist das in Ordnung, und fällt angesichts der Lebenshaltungskosten nicht ins Gewicht. An der Praxisgebühr sparen kann ich nicht, weil sie bei uns automatisch jedem, egal ob er einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsucht, die E-Card-Gebühr abziehen. Sachen, die es nicht auf Rezept gibt, kann ich mir kaum je leisten - das war schon immer so. Die Apotheke sieht mich daher relativ selten - ich hab keine Chance auf nen Mengenrabatt.
Rhonda (und auch die anderen) - zu noch offenen und evtl. noch auftauchenden Fragen, Meinungen etc. zu den Themen Arzneimittel- und Lebensmittelpreise werd ich zu diesem Thema erst wieder in ein paar Wochen antworten. (Auch wenn keine kommen sollten, werde ich dazu bestimmt noch was schreiben.)
Alles Liebe,
Chord