Hallo Coco,
das Setzen der Pflastersteine ist die Aktion eines Künstlers im öffentlichen Raum.
http://www.stolpersteine.com/start.html
Die besondere Aussage des Künstlers mit diesen Pflastersteinen, nämlich daß es nicht nur ganz allgemein jüdische Menschen in Deutschland gab, denen größtes Unrecht angetan wurde, sondern, daß sie einen konkreten Namen hatten und an einem ganz konkreten Ort lebten und wohnten, führt zu einer direkteren und intensiveren Erinnerung.
Bei der Erinnerung geht es wohl vorrangig um die Opfer. Weniger um die damaligen konkreten Täter.
So sehe ich es.
Daß es natürlich auch Fragen danach geben kann - insbesondere in kleineren Orten und ländlichen Regionen - welches die damaligen genaueren Umstände einschließlich der Eigentumsvorgänge waren - das ist sicher teilweise unangenehm und schwierig.
Aber warum sollten die heute in diesen Häusern lebenden bzw. sie besitzenden Generationen überfordert sein, sich damit auseinanderzusetzen? Nach dem Krieg hieß es, daß man "nach vorne blicken will", daß es Adolf Hitler gewesen sei, daß man nichts gewußt hätte, daß man erst einmal den Hunger und die Not überwinden müsse... Und jetzt, nachdem bereits Jahrzehnte Wohlstand herrscht, nachdem aus zwei deutschen Staaten einer geworden ist - was soll es denn jetzt noch für Gründe geben "überfordert" zu sein? Gerade, wenn man nicht selbst dafür verantwortlich ist, weil man erst später geboren wurde, müßte es doch leichter sein, sich von den damaligen Vorgängen distanzieren und diesem Zeichen zustimmen zu können.
Einen solchen Pflasterstein als Erinnerung - das ist sicher sehr viel.
Andererseits ist es doch fast gar nichts. Nichts weiter, als ein Pflastersteinchen...
Es wird in den Bürgersteig eingesetzt. Die Autos fahren sicher meist ohne Kenntnisnahme der Insassen daran vorüber.
Was spricht dagegen, in einem Ort auch in einer weitergehenden Form eine Darstellung zu bringen, daß viele Bürger (sehr viele) in die damaligen Vorgänge verstrickt waren? Diskussionen bezüglich einzelner Häuser und deren Besitzer könnten relativiert werden.
Ich denke, wenn die Pflastersteinchen eine Erinnerung der gesamten Kommune wären - das wäre sehr gut.
Viele Grüße - miljas :t252: :t252: