Hallo,
der erste ausgewählte Beitrag zu dieser Thematik ist - für mich selbst recht erstaunlich - ein Kriminalfall. Der spielte sich 1981 in Halle-Neustadt ab. Halle-Neustadt wurde als Wohnstadt für die Angestellten in den großen Chemieanlagen zwischen Halle und Bitterfeld gebaut. Was war geschehen? Ein kleiner Junge war verschwunden und wie sich dann herausstellte nach 2 Wochen wurde er mißbraucht und danach ermordet. Die fast einzige Spur zum Täter waren ausgefüllte Kreuzworträtsel. Und dann suchte man monatelang nach dem Autoren der Handschrift.
Fall "Kreuzworträtsel-Mord" (Yt-Playliste)
Der Film entstand im Rahmen der Reihe "Die großen Kriminalfälle" und lief in der ARD im Jahr 2000.
Ich habe damals von diesem Fall nichts erfahren. Erstens war ich stark beschäftigt und zweitens wurde in der DDR über solch außergewöhnliche Vorkommnisse nicht groß und erst recht nicht landesweit berichtet. Die Einwohner von Halle-Neustadt (und sicher auch die der Umgebung, ich vermute bis Magdeburg und Leipzig) werden von dem Fall gehört haben. Einige Jahre später wurde ein Film als "Polizeiruf 110" gezeigt. Den kannte ich auch nicht, weil ich damals fast kein TV gesehen habe und die Verbindung zu dem tatsächlichem Geschehen wurde dann bei solchen Filmen auch nicht offenbart, zumindest keine konkreten Orte und Zeiten (und Personen erst recht nicht).
Wie damals dieser Fall aufgeklärt wurde - das ist bemerkenswert.
Wenn festgestellt wird, daß dieses nur in einem zentralistisch regierten Lande möglich sein konnte. dann ist das zutreffend. Allerdings hätten solch umfangreiche Ermittlungen nicht einfach nur per Anweisung/Befehl vom Schreibtisch aus funktionieren können. Das Motiv der Menschen war sicher größtenteils so, daß man eine Kriminalität nicht wollte (und erst recht natürlich keine derartige). Es mag sein, daß der Staat ein solches Bestreben zur Kriminaltitätsvermeidung gefördert und gefordert hat - immer nach der Vorstellung: "im Sozialismus geht es allen gut und alle sind glücklich und deshalb wird es keine Kriminalität mehr geben". Aber welcher normale Mensch, gleich wo auf der Welt, wünscht sich denn schon eine umfangreiche Kriminalität, so daß man dann sagen könnte - "ja, die Welt ist (immer noch) in Ordnung" ? Die pragmatischen Verantwortlichen bei der Polizei/im Innenministerium werden aus der Kenntnis der realen Kriminalität im Lande es dennoch nicht ganz so rosig gesehen haben. Und so ergänzten sich in einem solchen Fall, der konkrete Ermittlungsarbeiten erforderte, und kein Wunschdenken, die Anweisungen von oben und die Einsatzbereitschaft von unten.
Und dieses Prinzip herrschte in unterschiedlichem Umfang überall in der DDR, auf allen Gebieten.
Und in der Gegenwärt wird das systematisch weggeredet oder auch als "ostalgisiert" belächelt ("Unrechtsstaat" - das sei die absolute Wahrheit). Diese andere Geschichte, die auch zu der Geschichte gehört, die sei zweit- oder drittrangig - so wird sie jedenfalls behandelt. Und die Vermutung liegt bei mir nahe: es soll sie eben letztlich nicht mehr geben.
In diesem Zusammenhang muß ich übrigens die Filmserie "Weissensee", rückblickend differenzierter betrachtet, doch auch loben, weil nicht nur "Stasibösewichter"gegeben, sondern auch die Gegenkräfte gezeigt wurden. Ausgerechnet zum Jahrestag der deutschen Einheit nun wieder eine solch stasibelastete Story zu liefern - das fand ich unpassend und ärgerlich. Die Aufführung des Films war quasi in Verbindung mit diesem Zeitpunkt mehr rückwärts als vorwärts gewandt.
Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
