Deutsche Geschichte, Abschnitt DDR




In diesem Forum können auch Gäste schreiben, Beiträge nach dem Absenden aber weder bearbeiten noch löschen. Wir behalten uns vor, alles, was nicht dem Forumgedanken entspricht oder ungesetzliche oder den guten Sitten widersprechende Gedanken oder Spam enthält, zu moderieren, zu editieren oder zu löschen.<br><br>Als Mitglied schreibe hier bitte ausschließlich nach dem Login, um Fakes grundsätzlich zu vermeiden.

Beitragvon miljas » 01.02.2014, 19:29

Guten Abend,

ich habe nur flüchtig gelesen (angeschaut habe ich mir
die Sendung nicht), daß im ZDF eine Sendung:
"Es war nicht alles schlecht in der DDR" lief/läuft.

Sicher, fast 25 Jahre nach dem Herbst '89 ist eine
neue Generation aufgewachsen, die sozusagen eine
"Nachkriegsgeneration" ist. (Kann man so sehen - der
kalte Krieg war offiziell vorbei). Die familiären
Einbindungen mögen unterschiedlich sein, abhängig
davon, ob die Menschen nun direkt im Osten aufgewachsen
sind, oder im Westen in einer aus dem Osten stammenden
Familie. oder völlig "ostrei" im Westen. Dennoch, die Fragen
sind natürlich da, was denn vorher hier im Raum stand.

Ich möchte dazu nichts Ausführliches sagen.
Nur diese Überschrift möchte ich einmal betrachten.
"Es war nicht alles schlecht..."
Wie könnte man es noch ausdrücken, oder fragen:
"Das meiste war schlecht in ...."
"Fast alles war schlecht in ..."
"Es gab auch Gutes in ..."
"Es gab auch weniges Gutes in..."
"Es gab Schlechtes, und es gab Gutes..."

Das ist alles eine Frage des Blickwinkels.
Man müßte zunächst einmal die Menge aller
zu betrachtenden Erscheinungen definieren.
Wenn ich definiere, daß ein Land "schlecht" ist, weil
es einen Dikdator hat, während ein anderes "gut" ist,
weil es keinen hat, dann ist der Fall schnell erledigt.
Je differenzierter man alles betrachtet, finden sich jedoch
gewisse Merkmale, die geschichtlich durchaus relevant sind,
weil sie große Menschengruppen über einen längeren Zeitraum betrafen.
Wenn Herr H. und seine Spießkumpane, um im bekannten
geografischen Umfeld zu bleiben, Millionen Menschen
industriell umbringen ließen und mit politischen Gegnern
und selbst Menschen, die sich minimale antisystemische Vergehen
erlaubten, mörderisch umgingen, dann ist das schon eine
erheblich größere Abweichung vom Normalen. Wenn in der
DDR-Dikdatur jemand nicht "im Chor mitsang". sondern "falsche"
Töne hineinbrachte, wurde er gegebenenfalls nicht gerade mit
Samthandschuhen angefaßt und was
geschah soll auch nicht verharmlost werden. Dennoch gibt es
Tausende und Millionen, die feststellen, daß es zwar teilweise und
auch relativ massiv unangenehm war, aber daß es gleichzeitig
soziale Bedingungen gab, die so schlecht und unangenehm nun
wiederum auch nicht waren. Daß Veränderungen notwendig
waren, wird sicher kaum jenamd abstreiten. Ob nun aber das
bundesdeutsche vollkapitalstische System dasjenige war, was
vielen vorschwebte - das möchte ich bezweifeln. Vielmehr wollten
sicher die meisten die Vorzüge beider Systeme vereint sehen.
Daß dies natürlich naiv-illusionär war, konnten sich
wiederum auch Viele nicht vorstellen.

Die DDR war eine Dikdatur, aber sie lag nicht im
hintersten Sibirien. Der Einfluß des Westens war gegeben,
sowohl laufend, als auch aus der Geschichte heraus (zum Beispiel
durch Westimmigranten, die nach dem Krieg in die DDR gingen).

Wenn sich der Herr Knabe im Stasi-Museum Berlin-Hohenschönhausen
immer wieder hinstellt und auf die Vergehen in dieser Örtlichkeit
hinweist und sich zum Sprecher der Opfer macht, dann soll er das
tun. Es wäre schlecht, wenn es in den Erinnerungen ausgeblendet
würde. Aber genauso schlecht ist es, wenn er versucht, die
Erinnerungen an diese Zeit darauf zu reduzieren. Das ist, einmal
ganz profan gesagt: Quatsch! Nur die Gesamtbetrachtung ergibt
das vollständige Gesamtbild.

Viele Grüße - miljas Bild (Bewegen und Lieben - liebe Lokomotiven!)
Benutzeravatar
miljas
Administrator
 
Beiträge: 7019
Registriert: 14.12.2007, 21:53

von Anzeige » 01.02.2014, 19:29

Anzeige
 

Beitragvon miljas » 21.05.2014, 08:28

Hallo,

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=OFRTwEdIkYA[/youtube]
"Von FDJ bis FKK - Wie die DDR wirklich war"
(Doku 2014, 44:11 min)

Die Doku ist sehr gut.
Es wird eine Mischung aus allgemeinen Informationen
und Berichten persönlicher Erlebnisse
zu den angesprochenen Themen gebracht.
Ganz "locker vom Hocker". Also nicht belehrend und
über(be)wertend, sondern in erster Linie informierend
und erklärend. Kombiniert mit viel Filmmaterial.

(Nur der Historiker Dr. Wolle wird
immer wieder vor einem Foto der Mauer gezeigt.
Ob er auch zu DDR-Zeiten ständig vor der (echten)
Mauer gestanden hat? :-) Ja, es gab natürlich leider
Wohngegenden und Stadtteile, wo dieses Bauwerk
sehr markant war... :-( Wo Herr Wolle genau wohnte,
weiß ich nicht. Ich weiß nur, wo er heute wohnt - fernab
der Mauergegenden - und vermutlich hat er auch bereits
vor dem Ende der Mauer bereits längere Zeit dort gewohnt, da
seine Frau nach der Wende in dieser Gemeinde
Bürgermeisterin wurde.
Also, dass kein Missverständnis entsteht:
Ich schätze den Herrn Dr. Wolle mit seinen Betrachtungen
und Analysen. Nur, sich vor einem solchen Foto präsentieren
zu lassen - ich weiss nicht... entweder ist es ihm relativ
schnuppe und man hat ihn einfach dorthin gestellt, oder es
ist Ausdruck eines schlechten Geschmacks, oder es soll ganz
bewußt der erneut "notwendige" Hinweis auf die gewesene
Existenz der Mauer sein? Wie auch immer, es Ist einfach
schade, daß Herr Wolle sich mit seinen klugen Beiträgen
nicht auch hintergrundmäßig neutraler - passend zur
gesamten Doku - zeigen konnte.)

Viele Grüße - miljas Bild (Bewegen und Lieben - liebe Lokomotiven!)
Benutzeravatar
miljas
Administrator
 
Beiträge: 7019
Registriert: 14.12.2007, 21:53

Vorherige


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Offenes Kommunikationsforum

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron