Guten Abend,
ich habe nur flüchtig gelesen (angeschaut habe ich mir
die Sendung nicht), daß im ZDF eine Sendung:
"Es war nicht alles schlecht in der DDR" lief/läuft.
Sicher, fast 25 Jahre nach dem Herbst '89 ist eine
neue Generation aufgewachsen, die sozusagen eine
"Nachkriegsgeneration" ist. (Kann man so sehen - der
kalte Krieg war offiziell vorbei). Die familiären
Einbindungen mögen unterschiedlich sein, abhängig
davon, ob die Menschen nun direkt im Osten aufgewachsen
sind, oder im Westen in einer aus dem Osten stammenden
Familie. oder völlig "ostrei" im Westen. Dennoch, die Fragen
sind natürlich da, was denn vorher hier im Raum stand.
Ich möchte dazu nichts Ausführliches sagen.
Nur diese Überschrift möchte ich einmal betrachten.
"Es war nicht alles schlecht..."
Wie könnte man es noch ausdrücken, oder fragen:
"Das meiste war schlecht in ...."
"Fast alles war schlecht in ..."
"Es gab auch Gutes in ..."
"Es gab auch weniges Gutes in..."
"Es gab Schlechtes, und es gab Gutes..."
Das ist alles eine Frage des Blickwinkels.
Man müßte zunächst einmal die Menge aller
zu betrachtenden Erscheinungen definieren.
Wenn ich definiere, daß ein Land "schlecht" ist, weil
es einen Dikdator hat, während ein anderes "gut" ist,
weil es keinen hat, dann ist der Fall schnell erledigt.
Je differenzierter man alles betrachtet, finden sich jedoch
gewisse Merkmale, die geschichtlich durchaus relevant sind,
weil sie große Menschengruppen über einen längeren Zeitraum betrafen.
Wenn Herr H. und seine Spießkumpane, um im bekannten
geografischen Umfeld zu bleiben, Millionen Menschen
industriell umbringen ließen und mit politischen Gegnern
und selbst Menschen, die sich minimale antisystemische Vergehen
erlaubten, mörderisch umgingen, dann ist das schon eine
erheblich größere Abweichung vom Normalen. Wenn in der
DDR-Dikdatur jemand nicht "im Chor mitsang". sondern "falsche"
Töne hineinbrachte, wurde er gegebenenfalls nicht gerade mit
Samthandschuhen angefaßt und was
geschah soll auch nicht verharmlost werden. Dennoch gibt es
Tausende und Millionen, die feststellen, daß es zwar teilweise und
auch relativ massiv unangenehm war, aber daß es gleichzeitig
soziale Bedingungen gab, die so schlecht und unangenehm nun
wiederum auch nicht waren. Daß Veränderungen notwendig
waren, wird sicher kaum jenamd abstreiten. Ob nun aber das
bundesdeutsche vollkapitalstische System dasjenige war, was
vielen vorschwebte - das möchte ich bezweifeln. Vielmehr wollten
sicher die meisten die Vorzüge beider Systeme vereint sehen.
Daß dies natürlich naiv-illusionär war, konnten sich
wiederum auch Viele nicht vorstellen.
Die DDR war eine Dikdatur, aber sie lag nicht im
hintersten Sibirien. Der Einfluß des Westens war gegeben,
sowohl laufend, als auch aus der Geschichte heraus (zum Beispiel
durch Westimmigranten, die nach dem Krieg in die DDR gingen).
Wenn sich der Herr Knabe im Stasi-Museum Berlin-Hohenschönhausen
immer wieder hinstellt und auf die Vergehen in dieser Örtlichkeit
hinweist und sich zum Sprecher der Opfer macht, dann soll er das
tun. Es wäre schlecht, wenn es in den Erinnerungen ausgeblendet
würde. Aber genauso schlecht ist es, wenn er versucht, die
Erinnerungen an diese Zeit darauf zu reduzieren. Das ist, einmal
ganz profan gesagt: Quatsch! Nur die Gesamtbetrachtung ergibt
das vollständige Gesamtbild.

(