Deutsche Geschichte, Abschnitt DDR




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Beitragvon miljas » 16.01.2011, 16:57

Hallo,

Udo Lindenberg hat sein erstes Musical rausgebracht.
"Hinterm Horizont".

"Hinterm Horizont" - Udo Lindenberg (Video, ARD)

ZDF-Beitrag (Video, ZDF-aspekte)

Vollständiges Interview von "aspekte" mit Udo Lindenberg (Video, ZDF-aspekte)

Also, ich bin mir sehr sicher, daß die Unbekannte eine Person nicht ist, die auch in Pankow wohnte - es ist nicht: Lotte Ulbricht - sie ist schon 2002 verstorben... :-)
(Und weitere Damen aus Pankow kenne ich nicht... ;-)
Auf meiner Arbeitsstelle war eine junge Dame, die wohl recht dicht an Udo rankam, wie sie
damals erzählte. Aber sie muß 1973, im Jahr des Kennenlernens, auch noch in der Kita (damals Kindergarten) oder gerade zu Beginn des Grundschulbesuchs gewesen sein... :-)).

Tja - ich weiß nicht so recht...
Udo Lindenberg hätte doch problemlos die Scheine auf den Tisch legen können,
um diese Dame in den Westen freizukaufen.
(Aber das wollte sie vielleicht gar nicht, was man ja auch verstehen kann.)
Es war nicht Ost-Deutschland, sondern extrem schottisch: Kleinkariert!...
(Sorry, liebe Schotten!)
Andererseits... wenn Udo nun tatsächlich seine Tournee haben wollte, wie er das nun so bedauernd vorbringt, dann hätte er sich eben etwas diplomatischer äußern und benehmen sollen. Ich kann es mir nicht vorstellen, daß er dafür überhaupt keine "Peilung" hatte - er macht doch immer einen recht cleveren Eindruck... (auch BAP bestand ja damals nun darauf, einen Text zu singen, der von der DDR-Organisationsseite unerwünscht war, und fuhr dann unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Es ist schwer zu beurteilen, was da die bessere Lösung war...)

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
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von Anzeige » 16.01.2011, 16:57

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Beitragvon miljas » 13.04.2011, 05:03

Hallo,

ich wollte jetzt über ein sehr ernstes Thema schreiben.
Aber bei Youtube ist alles benachbart und was ich nun dort noch sah, ist recht lustig.
Es geht um "Pornographie in der DDR". Die gab es offiziell nicht. Und mit den Westzuständen
vergleichbar war es nun tatsächlich nicht.

Der Titel des Films, aus dem diese Ausschnitte stammen, wird nicht genannt.
Dem Sprecher nach zu urteilen scheint es ein TV-Beitrag gewesen zu sein.
(Warnung!:
Die Aufnahmen sind relativ harmlos. Wer dennoch derartige Aufnahmen
anstößig findet, sollte bitte von diesen Links Abstand halten.)

Vom Biologielehrer zum Erotikfilmer der DDR (Yt-Video, 3:50 min)
Klasse Typ, dieser "Biologie-Lehrer". :-)

Das Erotik-Studio der NVA (Yt-Video, 3:25 min)
Angriff ist die beste Verteidigung... :-)

Wie das MfS gegen Pornofreaks vorging (Yt-Video, 2:31 min)
Gerüchteweise hörte ich, daß Honecker eine Sammlung von Videos westlicher Herkunft hatte.
Tja - er mußte ja Bescheid wissen, was der Klassenfeind so treibt... :-)

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:

PS.:
Offenbar sind es Ausschnitte aus diesem Film: Pornografie made in GDR (Text, arte)
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Beitragvon miljas » 15.04.2011, 07:26

Hallo,

im Oktober 1989 ging von den Demonstrationen in Leipzig zunächst
die nachdrückliche Feststellung aus:
"Wir sind das Volk".

Nach der Öffnung der Grenze wandelte sich diese Aussage zu:
"Wir sind ein Volk".

Jetzt habe ich gelesen, daß diese Worte bereits zu Beginn der
Demonstrationen geäußert worden waren. Und zwar mit der gleichen
oder einer ähnlichen Intention wie die Hauptlosung. Diese zweite
Aussage "Wir sind ein Volk" richtete sich direkt an die Polizisten und Soldaten,
die gegen die Demonstranten vorgehen sollten. Die deutsche
Wiedervereinigung war in diesem Moment kein (Haupt-)Ziel.

Wikipedia-Artikel

''Wir sind ein Volk''
- Die Geschichte eines deutschen Rufes
(Text, Deutschlandradio Kultur)

So verlief die Geschichte...

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Beitragvon miljas » 08.06.2011, 13:54

Hallo,

der variable Braunkohle-Grenzabschnitt (Video, 1:47 min)

Gefährlich, sehr gefährlich...
Wenn Baggerfahrer Willi die Grenze weggebaggert hätte... :-)

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Beitragvon miljas » 12.08.2011, 21:51

Hallo,

zum Mauerbau wurde in den letzten Tagen viel gesagt und morgen wird sicher
noch einiges folgen.

Im ZDF wurde in einem Film darüber berichtet, daß deutsche und österreichische Historiker
erstmalig Einsicht in die geheimen Akten der sowjetischen Partei-und Staatsführung nehmen
konnten. Um es kurz zu machen - Ulbricht war hoch interessiert daran, die Grenze dicht
zu machen. Bevor es so weit kam, versuchte Chruschtschow - der damalige sowjetische
Parteiführer - ab 1958 wieder verstärkt, die Westmächte zum Abzug aus Berlin zu bewegen.
Da wurde selbstverständlich viel gepokert. Die Russen waren nun auch im Besitz von
A- und H-Waffen und weiterhin verfügten sie über Raketen. Die Westmächte wollten
aber nicht weg von Berlin. So spitzte es sich weiter zu.
Ulbricht ließ im Geheimen ab Beginn 1961 die Absperrung Westberlins vorbereiten.
Irgendwann im Frühsommer kam von Chruschtschow eine Anweisung, die Grenze
zu sperren. Von den sowjetischen Truppen gab es nur 2 Leute, die eingeweiht
waren - den Oberkommandierenden in Deutschland und einen hohen Stabsoffizier.
Bei der Grenzsicherung sollten keine sowjetische Truppen zum Einsatz kommen.
Die Sowjets waren überrascht, wie gut die Ostdeutschen bereits mit detaillierten Planungen
vorbereitet waren.

Also, der Befehl kam letzlich direkt aus Moskau - die Ostdeutschen hätten das nicht
allein machen können und dürfen.

Aber wenn man einmal noch weiter zurück blickt...
Warum wurden überhaupt 4 Zonen in Berlin eingerichtet?
Man wollte das Nachkriegsdeutschland gemeinsam von Berlin aus verwalten.
Die Absprachen zur Aufteilung Deutschlands in 4 Zonen wurden auf der Konferenz von Jalta
getroffen. Im tatsächlichen Kriegsverlauf gab es ein Wettrennen zwischen den Westalliierten
und der Sowjetunion zur Besetzung Deutschlands. Den Westalliierten gelang es bis zur Elbe
vorzudringen.
Bis 1.Juli waren Thüringen, große Teile Sachsen-Anhalts und Sachsen von den Truppen der
Westallierten besetzt. Danach zogen sie sich wieder zurück, die Russen rückten ein und die
Westmächte erhielten dafür ihre Sektoren in Berlin. Daß sich die Westmächte wieder zurück
ziehen werden, war verabredet. Aber die fast 100 Tage reichten aus, um wichtige
Rüstungstechnologie zu suchen und abzutransportieren. Und insgesamt gab es eine Menge
Bewegung in den führenden Firmen dieser Gebiete (z.B. Siemens). Da wurden Papiere
und Maschinen in großem Umfang abtransportiert. Und natürlich gingen auch viele Fachleute weg.

Der Hauptschuldige an der deutschen Teilung und insbesondere der Teilung Berlins ist
ursächlich Hitler, dann kommen die Alliierten aus Ost und West, und zum Schluß dann
Ulbricht.
Ich denke aber, das wird morgen niemand so deutlich sagen.
Da wird nur über Ülbricht, wenn es hoch kommt noch über Chruschtschow, gesprochen werden.
Und das war es dann. Mehr Beteiligte gibt es an dem ganzen Schlamassel nicht...

Der amerikanische Frühling (Text, Spiegel)

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Beitragvon miljas » 13.08.2011, 10:08

Hallo,

es klappt wieder hervorragend:
Am 13. August 1961 hatte auf Befehl der DDR-Führung unter Walter Ulbricht der Bau der Berliner Mauer begonnen.
von: Im Morgengrauen war Berlin eine geteilte Stadt (Text, ARD)

Rein formal völlig korrekt - der unmittelbare Befehl für die DDR-Kräfte wurde von
der DDR-Führung unter Ulbricht gegeben. Über die Verhältnisse im Hintergrund kein Wort.

So "macht" man "Geschichte"!
Na, ja - wir leben mitten in der Freiheit...

In diesem Beitrag schimmert es wenigstens durch, daß im Hintergrund bedeutsame Kräfte
agierten, die noch mehr zu sagen hatten als Ulbricht und Honecker:
Ulbrichts Befehl und Honeckers Beitrag (Text, "Welt-Online")

und hier wird auch recht gut dargestellt, wie es ausführlicher war:
Kleßmann, Christoph: Zwei Staaten, eine Nation. Deutsche Geschichte 1955-1970
(Text Bundeszentrale für politische Bildung)
Darin heißt es:
Folgt man den Memoiren des Botschafters der Bundesrepublik in Moskau, Hans Kroll, so hat Chruschtschow selber den Befehl zum Mauerbau gegeben, um den ökonomischen Zusammenbruch der DDR zu verhindern, auch wenn er sich bewußt war, daß die Mauer "eine häßliche Sache" sei und eines Tages wieder verschwinden müsse, wenn die Gründe ihrer Errichtung entfielen.


Und hier noch ein Ausschnitt der ZDF-Doku mit den wesentlichen Aussagen:
Wer gab den Befehl für den Mauerbau? (Video, ZDF, 3:13 min; 13.5.2011)
"Am 20. Juli 1961 hat Chruschtschow die Entscheidung während seines Urlaubs auf der Krim getroffen",
wird in diesem Film gesagt.
Der sowjetische Stabsoffizier war General Anatoli Mereschko.

Was sagt der Historiker? - "Begrenzte Akteneinsicht bisher"... Rein formal wieder richtig.
Logischerweise, wenn die DDR bis zum Schluß ein Satellitenstaat der Sowjetunion war und man
befürchtete, ob die sowjetischen Truppen eingreifen werden bei der Öffnung der Mauer... was
soll dann 1961 anders gewesen sein ??? :-) Ok - wenn sie nun ein Dokument mit Stempel und
Unterschrift haben, umso besser.

Was mich an diesen allgemeinen Darstellungen immer wieder ärgert, ist die Tatsache, daß der
Westen, insbesondere die sogenannten Westmächte - immer wieder fein raus sind bei all
diesen schrecklichen Geschehnissen. Natürlich, sie haben die innerdeutsche Grenze und die
Mauer nicht gebaut und nicht diese schrecklichen Dinge gegen Flüchtende dort unternommen.
Daß jedoch ihre massive Präsenz im Westteil von Berlin, einschließlich der engen Anbindung
dieser Teilstadt an die Bundesrepublik, die Situation der ostdeutschen Machthaber
verschärften - davon ist kaum die Rede.

Chruchtschow gibt den Befehl zum Mauerbau (Text, "20 Minuten online")
Eine amerikanische Professorin spricht im obigen Beitrag Klartext, daß sich die Besetzung
Westberlins als "großer Coup" herausgestellt hätte. Und weiter:
«Der Zustrom ostdeutscher Flüchtlinge war ein Segen für den Westen, da er aller Welt
die grössere Attraktivität von Kapitalismus und Demokratie gegenüber dem Sozialismus
vor Augen führte. Das wollte der Westen gewiss nicht aufgeben.»

Also, was war diese "Westberlin"-Geschichte dann eigentlich?
Antisowjetisch, Prowestlich oder Prodeutsch?

Die innerdeutsche Grenze war damals schon seit Jahren eine (unerfreuliche) Tatsache.

Westberlin war ein "verrückter" Sonderfall - eine Insel mitten in der Sowjet-Ostzone...
Da kann man vielleicht eine "Aufrechnung" machen, daß die Werbung für die Freiheit, den
Kapitalismus und die Demokratie wichtig waren, genauso wie die Verhältnisse für die
West-Berliner Einwohner selbst. Am Bau der Mauer jedoch, an der Teilung Berlins - daran
haben die Westmächte ihre eigene Aktie. Und in der Konsequenz auch an den "Mauertoten".
Das ist jedenfalls meine Meinung.

Bild
(Die Karte der verschiedenen Zonen Deutschlands nach 1945 stammt von Wikipedia.
Vielleicht hätten die Allierten besser eine zentrale Verwaltung in das "Dreiländereck" (violett,
von mir eingezeichnet) gelegt, anstatt in Berlin die Krise vorzuprogrammieren.
Wahrscheinlich haben sie sich alle in ihrer Stärke und in ihren Einflußmöglichkeiten
überschätzt, als sie die Aufteilungen 1944/45 vornahmen.)

Wie die Geschichte dann hätte anderes verlaufen können, wenn es dieses Westberlin nicht
so weiter gegeben hätte (am besten wäre es natürlich gewesen, wenn man es überhaupt nicht
"erfunden" hätte) - das ist natürlich spekulativ. Auf jeden Fall hätte ich nach '61
(und vor '89) schneller nach Potsdam fahren und zwischendurch mal den Zoo
besuchen können... :-)

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:

PS::
In diesem Beitrag
Wer trägt die Schuld am Mauerbau? (Text, 3sat; Video von dort erreichbar)
wird ein Buch der Historikerin Hope M. Harrison zitiert.

Die Thesen vom Aufstieg Ulbrichts als Stalinist und als Hauptinteressent an der Errichtung
der Grenzsperre zu Westberlin sind interessant. Allerdings beginnt die Vorgeschichte der Mauer
noch zu Zeiten Stalins, spätestens mit der Aufteilung Deutschlands in die verschiedenen Allierten-
Zonen. Stalin wollte offenbar ganz Osteuropa einschließlich dem Ostteil Deutschlands als Puffer-
zone gegen den Westen. Wer die Idee hatte, im Osten Deutschlands ein stalinistisches Regime
zu errichten - Ulbricht oder Stalin... ? - da kann man gerne raten oder nachforschen. :-)
Fakt ist, daß die Amerikaner nach '45 Vieles getan haben, um die wirtschaftliche
Entwicklung im Westen Deutschlands anzukurbeln (Marshallplan) und eine Remilitarisierung
in ihrem Sinne zu bewerkstelligen (Nato).
Das konnten sie auch, weil sie wirtschaftlich mit dem Krieg sehr stark geworden waren.
Bei den Russen war im europäischen Teil sehr viel zerstört. 27 Mio. Verluste an Menschenleben.
Das war auch aus diesem Grunde ein schwieriges Unterfangen mit der deutschen Sowjetzone.
Die Grenze hätte es wahrscheinlich nur dann nicht gegeben, wenn der Osten Deutschlands
sich hätte vergleichbar liberal entwickeln können und die entsprechende Hilfe (Marshall-Plan)
bekommen hätte. In diesem Falle wäre vermutlich die sozialistische Utopie auch sofort vom Tisch
gewesen. Und ob die Pufferzone dann Bestand gehabt hätte für die Russen - das wäre bei
einer solchen Entwicklung auch sehr fraglich gewesen.
So kann man es also drehen und wenden, wie man will - man landet am Ende wieder
bei dem Hitler-Krieg und bei den Interessen aller Alliierten (von Stalin über Chruschtschow und
von Roosevelt über Truman und Eisenhower und Kennedy).

Und Ulbricht und Adenauer... ?
Immerhin sprachen sie deutsch zu ihren Landsleuten, und nicht russisch oder englisch
(wobei Ulbricht einen ausgeprägten Dialekt hatte, bei Adenauer war es ein etwas
"harmloserer"). Adenauer war wirtschaftlich und politisch erfolgreicher als
Ulbricht - letzterer war in der Tat ziemlich rigoros und unliberal orientiert.
Und in dieser Hinsicht war er kein "Sozialist", sondern - wie richtig eingeordnet - ein Stalinist. :-( :-)
Auch unter Chruschtschow fand der Stalinismus letztlich seine vielleicht etwas
gemäßigtere Fortsetzung. Es entstand keine Demokratie, auch wenn man sich gegen die
schlimmsten Auswüchse von Stalin wandte. Gleich, was Chruschtschow selbst gern wollte -
es blieb Stalinismus. Die Militärs waren selbstverständlich seit dem Krieg sehr stark geworden.

[align=center][/align]
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Beitragvon miljas » 14.03.2012, 08:13

Hallo,

mit dem Antritt der sogenannten sozialliberalen Koalition unter Willi Brandt kam es zu einer
Änderung in der Außenpolitik der BRD Richtung Sowjetunion und DDR. Über den Mann, der
damals in diese Vorgänge sehr stark und speziell eingebunden war, gibt es jetzt einen
Doku-Film der ARD.

Geschichte im Ersten: Der Geheimdiplomat Egon Bahr (ARD) 43:57 min

Gleich, wie man das nun insgesamt bewertet (ich zum Beispiel habe nicht a la Bahr von der
deutschen Einheit geträumt, aber ich war eben nicht in "Gesamtdeutschland" aufgewachsen).
Eines kann ich aber dazu ohne Zweifel sagen: Bahr hat eine außerordentliche und hervorragende
Arbeit geleistet, in deren Ergebnis das friedliche Nebeneinander der gegensätzlichen Blöcke
wesentlich verbessert und gesichert wurde. Am Ende war es vielleicht eine auch wesentliche
Grundlage dafür, daß der Übergang 1989/90 ohne militärische und repressiv-bewaffnete
Zusammenstöße ablief.

2 Jahre lang ohne Unterbrechung ausdauernd und zäh zu verhandeln - eine bravouröse Leistung.

Und sehr prägnant seine Bemerkung bezüglich der Vorhersage zu wichtigen Entwicklungen:
"Diese fabelhaften Dienste haben weder den Bau der Mauer, noch den Fall der Mauer
vorausgesagt."
Und, um es fair zu behandeln und nicht dieses Zitat einfach herauszubrechen, dann weiter:
"Es ist Geschichte..., mein Gott."

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
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Eine Liebe des Herrn Biermann als Problemfall.

Beitragvon miljas » 24.07.2012, 21:20

Hallo,

ich wollte eigentlich zum Herrn Biermann nichts weiter sagen.
Er ist so, wie er ist. Und er ist nicht gerade mein (Sympathie-)Fall, weder als Mensch,
noch als Künstler.

(Wobei es schwer zu sagen ist, ob und wie man es als Künstler hätte besser machen können,
denn in der Sache hatte er ja vollkommen recht - mit diesen Leuten und den Dikdaten, die
an der Macht waren, gab es keine Möglichkeiten zum Besseren zu kommen. Und daß er nun
kein allzugroßes Talent hat für Dichtung, Komposition, Gesang - so meine Meinung - dafür
kann er ja nichts. :-))

Kürzlich geriet ich zufällig bei Youtube an einen neueren Interviewfilm mit ihm.
Darin bemerkt er beiläufig, daß er mit der Tochter von Robert Havemann zwei Kinder hat.
Da habe ich aber doch etwas gestaunt.
Man muß nämlich wissen, daß die beiden - also Robert Havemann und Biermann - sehr gut
(politisch) befreundet waren. Robert Havemann war Anfang der 1960er Professor an der
Humboldt-Uni zu Berlin. Von den Nazis war er zum Tode verurteilt worden und erlebte das
Kriegsende im Zuchthaus Brandenburg (also in der Stadt Brandenburg). Und Biermann war
von 1959-63 Student an der Humboldt-Uni. Aber daß sie nun so gut befreundet waren,
daß sogar Havemanns Tochter Kinder vom Biermann bekam (:-)) - das wußte ich noch nicht.

Na, schön, es kann in solchen Fragen nun jeder machen, was er will. Aber irgendwie wurde
es mir dann doch interessant zu erfahren, welche Bier"Mann"-Frau-Beziehungen es sonst
noch so in dieser auch politisch leicht relevanten Biographie gab.

Über die Geschichte von Eva-Maria Hagen (sie war eine bekannte TV und Kino-Schauspielerin
der DDR, so eine Art "Marylin Monroe des Ostens" und die Mutter von Nina Hagen) hatte ich
schon früher gehört. Als Biermann im Westen bleiben mußte, hat man ihm mitgeteilt, daß ihm
die Staatsbürgerschaft der DDR aberkannt wurde und daß ihm sein "persönliches Eigentum"
"zugestellt" werden würde.

[spoil]Bild[/spoil]

Biermann zählte dann bezüglich dieses Eigentums im Filminterview auf, daß
seine Bücher,
sein Ledersessel,
Eva-Maria Hagen (inclusive Nina und dem neuen Partner Matti Geschonneck),
Sibylle Havemann, mit ihren gemeinsamen Kindern und
seine Frau Tine
in den Westen kamen.

Wer war nun diese Tine ???

Folgenden Artikel habe ich dazu gefunden:
Nicht als Verräter sterben (Text, FR)

Tine Barg hieß also diese neue Frau, die Herr Biermann nach dem Ende der Beziehung mit
Frau Hagen (oder ist sie gerade deshalb beendet worden ?) umwarb.
Das begann im September 1973.
In 1974 - mittendrin in 1974 :-) - trennte sich diese Tine von ihm, kehrte dann aber einige Monate
später wieder zu ihm zurück und heiratete ihn sogar Ende 1975. Der Grund für die
zwischenzeitliche Trennung war, daß Biermann ständig (etwas leger formuliert:) "Hahn im
Korbe" war. Tine wollte ihn für sich allein haben.

Christine Barg heute

Und was nun über diese gesamte Geschichte zu lesen ist - daß der Vater der Tine Barg
angeblich im Auftrage der Stasi diese Beziehung auseinandergebracht hätte, woraufhin dann
Biermann eine Ballade veröffentlichte (wahrscheinlich eine vertonte, denn die Rede ist von
einer Schallplatte), ist schon ein starkes Stück. Der Herr Barg, dem diese Schallplatte zu
Weihnachten 1975 geschenkt wurde und der auf diesem Wege durch das Abhören des
Plattenschalls Kenntnis von der Beschuldigung bekam, bestritt das und verwahrte sich dagegen.

Biermann fand bei der Besichtigung seiner Stasi-Akten 1992 Hinweise darauf, daß Barg
für die Staatssicherheit gearbeitet hätte. 4 Protokolle waren in den Unterlagen, die ein
Stasi-Offizier angefertigt hatte. Dieser Fund führte dazu, daß diese Behauptung der
"Liebessabotage" bis heute aufrecht erhalten wird (zumindest bis 2009, als der Artikel entstand)
- das scheint eine sehr ernsthafte Verfeindung zu sein. Immerhin gibt es 3 Kinder,
die Biermann zusammen mit seiner ehemaligen Ehefrau Tine (sie trennten sich dann erneut
1983) ins Leben brachten, und die gleichzeitig natürlich vom Beziehungsstand her auch
Enkelkinder sind. Und diese mußten nun mit einer solchen innerfamliären Feindschaft
aufwachsen.

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus weiß ich, daß es tatsächlich direkt eingesetzte
Mitarbeiter der Stasi in großen und wichtigen Firmen gab. Was man diesen Leuten sagte,
das konnte man durchaus unter Kontrolle halten. Vorwiegend die Chefs hatten mit denen
natürlich zu tun. Daß diese Stasi-Leute dann bei Gesprächen über dienstliche Angelegenheiten
nebenbei auch versuchten Informationen über die Verbindung der Tochter mit nicht
Irgendwem, sondern mit dem Herrn Biermann (!), herauszubekommen - das kann ich mir
gut vorstellen. :-) :-(
Etwas Besseres konnte ja in dieser Frage kaum geschehen: Biermann in Beziehung mit der
Tochter eines hochstehenden bewährten Genossen... Ich denke eher, wenn die Stasi in dieser
Frage neben einer allgemeinen Informationbeschaffung noch richtig aktiv werden wollte,
dann hätten sie vielleicht sogar versucht, die junge Frau als Informantin anzuwerben.
Das würde ich in dieser Konstellation als viel logischer sehen.
Daß der Herr Barg Sorge um seine Tochter hatte - auch das kann ich nachvollziehen.
Er hatte Angst, seine Tochter zu verlieren und daß sie in Gefahr kommt.

So wie dieser Mensch Barg in dem Zeitungsartikel beschrieben wird, wie sein Werdegang war
(und zufällig kenne ich ein wenig diese Stadt Altenburg und die Mentalität der Menschen dort,
von woher er stammt) - der Herr Biermann übertreibt, wenn er ihn als Denunzianten aburteilt.
In gewissem Maße kann ich es wiederum auch bei Biermann verstehen, daß er sauer ist,
denn man hat ihm natürlich mehr als 10 Jahre lang sehr zugesetzt.
Normalerweise kamen für Herrn Biermann alle Probleme von der Stasi (bzw. von den
SED-Bonzen), da hat er eben dieses Liebesproblem auch mit dorthin geschoben.
Übrigens, wie es ihm gelungen ist, insgesamt dennoch relativ unbeschadet durchzukommen...
ich vermute, anfangs hoffte man noch ihn bändigen und für die eigenen Zwecke einspannen zu
können. Als es sichtbar wurde, daß das nichts wird, war es für diese Aufpasser schon zu spät.
Denn Biermann hatte sich seine Kontakte in den Osten und in den Westen aufgebaut, die ihn
schützten. Und wenn man ihm als Sohn eines im KZ ermordeten jüdischen Kommunisten
etwas noch Schlimmeres angetan hätte - das hätte sehr, sehr viel Ärger gegeben.
Ärger gab es ja dann auch in großem Umfang, als man ihn ausbürgerte. Wobei die Aufregung
nicht nur aus Solidarität zu Biermann direkt entstand, sondern die Künstler betrachteten das
als Angriff auf ihren eigenen Status. Heute Biermann, und wen trifft es dann morgen?

Was nun wirklich war, kann ich natürlich auch nicht sagen. Aber ich neige schon dazu, der
Version des Hern Barg zuzustimmen. Da seine Tochter es bestätigt, daß sie eigenständig
in dieser Trennungsfrage handelte, so hat bei Herrn Biermann an dieser Stelle nicht die Stasi
regiert, sondern das Leben.

PS.:
Ich habe noch die Aufzeichnung einer Sendung anläßlich Biermanns 75. Geburtstag
(November 2011) gesehen. Da erwähnt Biermann, daß er in seiner Stasi-Akte 3 Blatt fand,
auf denen ein Plan seiner "Zersetzung" (das war Stasijargon für psychologische
Persönlichkeitszerstörung) festgehalten ist. Im Kern ging es um 3 Punkte.

1. Falsche medizinische Behandlung
2. Zerstörung von Liebesbeziehungen
3. Diskreditierung mit gefälschten Liedern in seinem Stil

Daß derartige Ziele schriftlich festgehalten wurden, spricht natürlich sehr dafür, daß in diese
Richtung auch gehandelt wurde. Dennoch ist die allgemeine Zielsetzung nicht der Beweis dafür,
daß es sich im Falle der Christine Barg nun so zeigte und daß im Speziellen der Vater der Frau
für diese Zwecke eingespannt wurde. Spekulieren kann man immer viel, wenn es genug
Anhaltspunkte und einen großen Raum dafür gibt. Vor Gericht sollte immer gelten:
Im Zweifel für den Angeklagten.

PS.2:
Ich habe auf der Homepage von Eva-Maria Hagen (sie war 1965 - 1971 die Partnerin von Wolf
Biermann) eine Seite gefunden, auf der man "tonnenweise" Stasiberichte zu ihr und W. Biermann
lesen kann. Es ist abartig und kommt schon nahe heran an den Zustand, daß Menschen ein
Chip für Bild-, Ton- und Gedanken-Überwachung implantiert wird.

Aus den Stasi-Akten von Eva-Maria Hagen

Daß man diese Frau so behandelt hat - die Überwachung ist völlig indiskutabel - aber insbesondere
auch die beruflichen Schikanen waren widerrechtlich. Da kann man der Frau Hagen nur allerhöchsten
Respekt für ihre Leistungen bekunden. (Sie hat nur noch kleine Rollen in der Provinz bekommen
und war ständig auf Achse, um alle diese Rollen und Veranstaltungen zu bestreiten.
Eigentlich war sie beim TV in Berlin als Schauspielerin angestellt.)
Viele Grüße - miljas Bild (Bewegen und Lieben - liebe Lokomotiven!)
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Beitragvon miljas » 04.09.2012, 12:46

Hallo,

meine Multimediafunktion ist nicht besonders in Form.
Aber dieses Filmchen habe ich mir nun doch einmal angeschaut:

Operation Gold - der Spionagetunnel von Berlin (ARD) 43:46 min

Ein halbes Dutzend Veteranen der USA berichten über jene Aktion aus dem Jahre 1954.
Die Idee dafür hatte der britische Geheimdienst. Man wollte Informationen der sowjetischen
Streitkräfte in Deutschland und darüber hinaus gewinnen. Die offizielle Version, daß die
Westallierten wissen wollten, ob und wenn ja, wann und wo, ein sowjetischer Angriff bevorsteht,
kann zutreffend sein, kann aber auch vorgeschoben sein. Der Osten hat ja über seine Spionage
immer das Gleiche gesagt. Es ging angeblich nicht um Angriff, sondern immer nur um
Verteidigung. So blöd sind wir aber nun schon lange nicht mehr - wir wissen, daß fast jede
Verteidigungswaffe auch zu Angriffszwecken verwendet werden kann. Deshalb gebe ich auf diese
Rederei nicht allzuviel.

Interessant ist natürlich die rein technisch-organisatorische Durchführung des Vorhabens damals.
Eine Spionin im Ostberliner Ministerium für Post- und Fernmeldewesen lieferte die Informationen
über die Kabelführungen. Dann wurde entschieden, im amerikanischen Westsektor von Rudow aus
nach Berlin-Altglienicke im Ostteil den Schacht zu bauen. Immerhin 500 m. Dazu wurde ein
Gebäude als Radarstation errichtet. Das war aber nur zur Tarnung. Das Gebäude war völlig
unterkellert und von dort aus grub man den Tunnel, und dort in dem Keller wurde auch
der Aushub gelagert.
Dann gab es ein Problem mit einer unerwarteten Klärgrube eines ausgebombten Hauses und
dann vor allen Dingen mit einem tiefer als erwartet liegenden Grundwasserspiegel. Man mußte
den Tunnel danach höher legen, 1,5 m unter der Erdoberfläche - was natürlich gefährlicher war.
Aber man hat es nach 6 Monaten Bauzeit geschafft (auch die Anlieferung des notwendigen
Materials für die Auskleidung des Tunnels war nicht so einfach, weil die Züge beim Passieren
der Grenzen ausführlich kontrolliert wurden; es wurden Kisten mit doppelten Böden verwendet).
Man hat aber auch an alles gedacht. Bevor das erste Kabel angezapft wurde, hat man den Druck
im Tunnel erhöht - falls im Inneren des Kabels ein erhöhter Druck herrschte. Das war aber nicht
der Fall. Woran man nicht gedacht hatte, war die Auswirkung des Tunnels im Winter bei Schneefall.
Kaum hatte es ein wenig geschneit, war der Tunnel ob am Boden deutlich sichtbar, weil dort der
Schnee wegtaute. Dann hat man schnell, schnell Kühlgeräte besorgt. :-)

Der Witz an der Sache war, daß die Russen über den Tunnelbau umfassend informiert waren.
Sie hatten in London beim britischen Geheimdienst einen Spion. Einen britischen Staatsbürger
namens George Blake. Soweit ich weiß, war der im Koreakrieg von den Nordkoreanern gefangen
genommen worden und als er sah, daß die US-Streitkräfte ziemlich brutale Luftangriffe ohne
Rücksicht auf die Zivilbevölkerung führten (sozusagen das Vorspiel für den Vietnamkrieg), ließ
er sich vom KGB anwerben. Der KGB war aber nicht so dumm, den Tunnel noch vor der
Inbetriebnahme auffliegen zu lassen. Das hätte ja logischerweise ihren Informanten in London
stark gefährdet. Sie ließen die Abhöraktion 11 Monate laufen (1955).
Jetzt im Film wird es nun so dargestellt, daß es eine der größten und erfolgreichsten
Spionageaktionen der Geschichte war. Eine halbe Million abgehörte Gespräche. Kann ja sein,
daß eine Menge interessanter Informationen geflossen sind. Insbesondere wurde den Amerikanern klar, daß kein sowjetischer Angriff bevorstand.

... war doch schön für sie. Dann konnten sie sich anderem "Kram" widmen.
Was gab es denn damals alles so? - Iran war 1952, dann Mitte der 50er Ägypten, alle diese
Kämpfe in den Kolonien, Südostasien mit Vietnam war natürlich auch so eine "Kiste", Korea
ohnehin. Ungarn 1956 nicht zu vergessen.

Zugegeben, wenn, wie geschehen, bis 1953 ein solch machtvoller Dikdator in der Sowjetunion
herrschte - das war nicht so einfach. Aber irgendwie ist es schon seltsam, daß die Amerikaner
nie so richtig effektiv und wirkungsvoll in der damaligen Sowjetunion spionieren konnten. Ein
abgeschottetes Land... sicher. Gegenspione bei sich, die alle Pläne erfuhren und mit dafür sorgten,
daß alle Aktionen in der Sowjetunion im Keime erstickt wurden. Dennoch waren die Amerikaner
vielleicht doch irgendwie zu einfallslos. Man hatte dann ja auch mit den Deutschen zu tun...

Im Grunde genommen, wenn man es sich so anschaut, ist all diese Spioniererei ein großer
Käse. Das geht schon mit der Wirtschaftsspionage los. Das ewige Mißtrauen wird geschürt.
Und dann führt es zu solchen Zuspitzungen, wie es der Kalte Krieg war.

Die Amerikaner (wahrscheinlich waren sie die Urheber) haben doch eine so schöne Floskel von der
"win-win-Situation" erfunden. Das sollte man vielleicht einmal auf die gesamten Bereiche
menschlichen Zusammenlebens anwenden, um wegzukommen von solchen, letzten Endes völlig
blödsinnigen und vor allem gefährlichen Aktionen.

Die Enttarnung des Tunnels, übrigens, haben die Russen recht clever eingefädelt. Nach
tagelangem Regen wurden DDR-Techniker zur Störbehebung losgeschickt. Die "entdeckten"
dann den Tunnel... :-)

PS.:
Ich glaube, Einfallslosigkeit war noch das kleinere Übel der Amerikaner in ihrer Spionagetätigkeit
gegen die Sowjetunion. Es war wohl mehr eine Unterschätzung dieses Staates. Die Amerikaner,
die bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eine starke Industrienation geworden waren - siehe
Ford, die Wolkenkratzer von New York, die Golden Gate Bridge u.a. - nahmen die russischen
Veränderungen wohl nicht allzu ernst. Auch hofften sie, daß (Nazi-)Deutschland die Verhältnisse
ändern würde und die Sowjetunion, diesen "Elefanten auf tönernen Füßen" zum Zusammenbruch
bringen würde. Die Lieferung von Waffen an den Allierten war ja dann wohl vor allem so eine Art
"Anheizmaterial" für die dortigen Schlachten. Denn zu schnell sollte die Sowjetunion nun auch nicht
einbrechen, nachdem Hitler versucht hatte, England niederzuringen.
Und dann auch noch 1949 China "rot"...
Und daß die Russen so schnell den Bau der Atombombe schaffen würden - auch damit hatten die Amerikaner nicht gerechnet. Sicher, Spionage war dabei sehr stark unterstützend im Spiel.
Und 1957 der Sputnikschock. Der "arme" Wernher von Braun fragte sich verzweifelt, wer bei den
Russen die Raketen baut.

Also, in Summe - 2 bis 3 Jahrzehnte den Gegner stark unterschätzt...
Das ist wohl die Wahrheit der amerikanischen Spionage-"Erfolgsstory".
Und dieser Tunnel - so sehr die Aktion natürlich technisch gesehen eine Glanzleistung war - kann
daran nichts ändern. Es kann ja sein, daß es ab diesem Zeitpunkt eine gewisse Wende gab,
daß die Amerikaner ab damals dann mehr unternahmen. Aber mehr von außen, als von innen.

Und letztlich haben auch wir Deutschen von all dem dann weiter viel Schaden erlitten.
Denn die Wahrheit ist, daß nach solchen Aktionen - und nicht nur wegen der Opposition im eigenen
Land - die Stasi weiter erstarkte. Denn man mußte ja das Land gegen solche Angriffe "beschützen".

PS.2:
Ich habe zu George Blake nachgelesen. Er konnte damals als Doppelagent weiterarbeiten
Aber wie das so ist... irgendwann wird meist auch der Verräter verraten.
1961 wurde er zu 42 Jahren Gefängnis verurteilt. Das war eine der höchsten Strafen im damaligen
England (vor einigen Jahrhunderten war es noch etwas wilder - da war ja ständig Zeit
für Hinrichtungen in London). Am 22.10.1966 gelang Blake die Flucht aus einem Gefängnis
mitten in London. Die genaue Geschichte, wie ihm das gelungen ist, kenne ich nicht. Da werden
widersprüchliche Angaben gemacht. Aber ich vermute, daß die Version, ihm hätten Mithäftlinge
aus Irland geholfen, wohl zutreffend ist. Die sympathisierten zwar nicht mit dem Kommunismus,
aber mit Blake als Person und da er ein so prominenter Gefangener im Vereinigten Königreich war,
konnte man auch den Briten eines auswischen. Scotland Yard hat natürlich emsig gesucht, während
Blake in der Nähe vom Gefängnis in einer kleinen Wohnung versteckt wurde. Mit einem
Campingwagen ist er dann wenige Wochen später mit einer Fähre nach Belgien gelangt
und dann weiter bis nach Moskau.

Ist schon beeindruckend, welcher Aufwand da betrieben wird.
Da wird es wohl noch viele James Bond-Filmchen geben, auch in der Zukunft.
Das ist ja so eine moderne, zivilisierte Form von Gruselfilm... :-)

PS.3:
Ich habe mir das noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
Wie gesagt, die Leistung der Briten und Amerikaner, vor allem in technischer Hinsicht, sind
respektabel. Aber die Einschätzung, daß diese Aktion "so erfolgreich" war, wird wohl Blödsinn
und nur eine Schönfärberei sein. Denn, was hätte ich in einer solchen Situation getan, wenn ich
auf Seiten der Russen Verantwortung getragen hätte? Daß die Aktion nicht offen gestört wurde,
um den Spitzenagenten in London nicht zu gefährden, ist logisch. Daß es nicht möglich war, alle
Gesprächskanäle bei einem so großen Leitungsbündel zu manipulieren, ist auch logisch. Aber es
war doch zumindest erst recht logisch und sicher auch möglich (und wenn nicht, dann hätte man
es möglich gemacht) die wichtigen und wirklich entscheidenden Gespräche von diesem
Knotenpunkt fernzuhalten. Das wäre meine Entscheidung - als Geheimdienstverantwortlicher -
gewesen. Und ich vermute, daß es genauso war. :-)
Ergo - die Amerikaner haben nur verhältnismäßig Nebensächliches zur Kenntnis bekommen.
Die Aktion war, gemessen an den Zielen, ein Flop.
Und wenn man das jetzt - nach 50 Jahren - nicht offen ausspricht, dann ist man letzten Endes
unglaubwürdig. Der im Film auftrentende Ex-KGB-Mann wird entweder nicht alles gewußt haben
oder er hat vornehm gegenüber seinen Gastgebern geschwiegen, um die schöne Erfolgsnostalgie
der Public Relation-Veranstaltung der US-Army nicht zu stören.

(Es ist natürlich auch die Frage, was aus der Spionin im Post- und Fernmeldeministerium der DDR
danach geworden ist. Im Film wurde dazu nichts gesagt. Bei einer solchen Gegenaktion, wie ich sie
gerade beschrieben habe, hätte sie natürlich auch noch wirksam werden können. Aber ich vermute,
daß die Russen nach Kenntnis des Tunnelbaus auch gezielt nach dem Informationslieferanten
bezüglich der Telefonkabel gesucht haben und vielleicht vorbeugend sogar die gesamte Crew
dort im Ministerium haben auswechseln lassen. Die waren nicht so "feinfühlig", wie die Briten, die
Blake noch weitere 5 Jahre vertrauten. :-) :-(

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Beitragvon miljas » 04.10.2012, 12:58

Hallo,

die Ereignisse in der DDR (insbesondere in Leipzig) in den Oktobertagen 1989 und danach
werden gern als "Revolution" bezeichnet.
Natürlich, wenn man die damaligen Ereignisse als bis dahin undenkbare Entwicklungen
betrachtet, handelt es sich schon um eine "Revolution". Allerdings ist die Frage, ob es eine
"vollendete" Revolution war. Wenn Revolution - welches waren die Ziele dieser Revolution?
Wenn eines der Ziele der Revolution die Abschaffung der DDR-Staatspartei-Dikdatur und die
Abschaffung der Reisebeschränkungen war, dann ist dieses auf jeden Fall am Ende erreicht
worden. Aber etwas abzuschaffen, ist das Eine, etwas Neues anzuschaffen, ist das Andere.
Und was sollte Neues angeschafft werden?

Das definiert niemand so genau - da wird herumgeeiert.
Von "drittem Weg" und "Überwindung der deutschen Teilung" wird nebulös geredet.
Ich meine, es wäre schon einmal wichtig, zu definieren, was denn nun eigentlich das Ziel
(oder die Ziele) dieser Revolution genau war (waren). Und nur von dieser Erkenntnis aus,
kann man dann auch sagen, ob sie gelungen ist, oder nicht.
In Deutschland sind Revolutionen meistens gescheitert, wenn man deren Ausgangsziele
insgesamt betrachtet. Ob das nun die 1848er Revolution war, oder die 1918er. Und ich bin
fast dazu geneigt, auch die 1989er dazu zu zählen.

Nur ein Beispiel:
Welcher und wieviele DDR-Bürger wollten denn damals aus dem Warschauer
Pakt in die NATO wechseln?? Definitiv: niemand!! - Vielleicht einige wenige Hinterwäldler,
und einige der Miilitärs, denen es gleich ist, wo sie dienen - Hauptsache gut bezahlt beschäftigt.
Aber ansonsten - es wären doch alle froh gewesen, wenn das "Pakt-Theater" endlich beendet
worden wäre. Neutraliität und Ruhe! Oder etwas vornehmer ausgedrückt: FRIEDEN.
Das, was nun läuft - Afghanistan, neue Rüstungskonzerne, Drohnen - zum Geldverdienen und
Weltbeherrschen (auch wenn es heute nicht mehr so nationalzentriert ist wie 1933-45) mag ja
noch ganz "lustig" sein. Der Spaß hört allerdings auf, wenn man dort selbst in Afghanistan mit der
Knarre stehen muß, oder wenn es irgendwo eskaliert, anders möglicherweise als damals mit
den Bombenangriffen im II. Weltkrieg. Wie und ob es geschieht, kann niemand voraussagen.
Auf alle Fälle steigt das Risiko, wenn man immer so "schön" weiter macht - natürlich, wie immer,
vorgeblich nur zur Verteidigung...

Deutschland 1989: Erinnerung an eine analoge Revolution (Text, Hyperland-Blog)

Das ist natürlich eine spezielle Frage - welche Kommunikationsmittel zum Einsatz kommen?
Die kommenden Revolutionen werden dann irgendwann vom Mond und ein paar Hilfssatelliten
aus koordiniert? Per Richtfunk. :-)

Hier hat ein Leipziger Professor, der jetzt in der dänischen Provinz (Aarhus) lehren will, darf,
kann oder soll einen interessanten Beitrag über die '89er Ereignisse, deren Vorgeschichte und
Folgen, geschrieben:

"Die Leipziger Sternstunde der Menschheit",
von Wolfgang Kleinwächter, 09.10.2009 (Text, Telepolis)


Vielleicht sind die Ostdeutschen dann insgesamt zunächst mutig gewesen, eine Revolution zu
beginnen. Um sie jedoch zu vollenden, waren sie nicht:
schlau genug oder
die Bedingungen waren nicht gegeben oder
... jemand hat von außen "dran gedreht" oder
- alles zusammen!
(Oder noch etwas anderes - ich weiß nicht, kann sein.)

Vielleicht war es auch nur eine zeitverzögerte Reform des Kapitalismus in deutschöstlichen
Gebieten... :-)
Dann müßte man jetzt überall lauthals schlagzeilen (oder 2019 - zum nächsten Jubiläum):
"Die Leipziger 1989er Reformer!", die mit revolutionären Mitteln die
nachholenden Reformen in Gang setzten. :-)

PS.:
Na, ja - ein bißchen weiß ich ja vielleicht doch.
Vielleicht vor allen Dingen, daß sich spätestens 1989 für alle zeigte, daß man den
Kapitalismus nicht so einfach "abschaffen" kann, wie sich das einige unserer Vordenker
und Vorturner so dachten. Der Kapitalismus schafft sich tatsächlich selbst ab, aber doch
um Himmels Willen nicht durch die so genannte Arbeiterklasse. Durch Innovationen schafft
er sich ab. Früher oder später innoviert er sich weg. Komplett. Mit Kapitalisten und Arbeiterklassen.
So wird das laufen - wie denn sonst? Aber es wird noch eine Weile dauern... (mindestens bis Freitag :-))
Viele Grüße - miljas Bild (Bewegen und Lieben - liebe Lokomotiven!)
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