Deutsche Geschichte, Abschnitt BRD bis 1990




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Deutsche Geschichte, Abschnitt BRD bis 1990

Beitragvon miljas » 29.10.2010, 16:34

Hallo,

gestern wurde eine Historiker-Studie zur Rolle von Mitarbeitern des Ausswärtigen Amtes im Dritten Reich vorgestellt.
Ich entsinne mich des Eklats, über den seinerzeit (2003) berichtet wurde. Da war ein Nachruf für einen während der Nazizeit stark belasteten Diplomaten im amtsinternen Blatt verfaßt worden und es waren ausschließlich dessen Verdienste während seiner Tätigkeit im Ausswärtigen Amt der BRD erwähnt. Daraufhin meldete sich der damalige Außenminister Fischer zu Wort und hat Untersuchungen zur Geschichte eingefordert und in Gang gesetzt. Aber, wie nun zu erfahren ist, mußte Fischer zum "Jagen getragen" werden.

Diplomaten tief in Holocaust verstrickt (Text, ARD; Video von dort aus erreichbar)


Hitlers Diplomaten in Bonn (Yt-Playliste)
( Dieser Film entstand 2006 : Eintrag in der Filmdatenbank )

Frau Marga Henseler schrieb damals einen Brief an Minister Fischer, und als der darauf nicht reagierte, einen weiteren an Kanzler Schröder. Hierzu ein ein Beitrag (Text, FAZ).

Selbstverständlich könnte dieser Beitrag auch im Thema zur Geschichte des dritten Reichs oder zu der des wiedervereinigten Deutschlands erscheinen - so greift manches ineinander, so oder so.

(Das Adenauer-Argument - zu sehen und zu hören in dem Dokumentarfilm - daß man Leute einsetzen mußte, die das "können" - gemeint ist der "diplomatische Dienst" - das war ja mehr als abstrus und lächerlich. Es hat sicher in der Zeit 1945 - 50... 55 genug junge Menschen gegeben, die nach dem Kriegsende versuchten, ihre Ausbildung weiterzuführen und zu beenden und eine Arbeit in den neuen demokratischen Zeiten zu leisten. Und einige fähige Menschen aus den Kreisen des Widerstandes wird es auch gegeben haben.)

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
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von Anzeige » 29.10.2010, 16:34

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Beitragvon La Donna mobile » 29.10.2010, 20:32

Kein schönes Kapitel unserer Geschichte, der Holocaust, aber auf der anderen Seite in Wimpernschlag in der Geschichte der Menschheit überhaupt.
Doch vergessen sollte man nicht.

Die Donna
La Donna mobile
 

Beitragvon miljas » 30.10.2010, 09:08

Hallo Donna, Hallo

Geschichte ist natürlich auch immer eine Frage der Dimension. Also des Umfanges, der Größe von Geschehnissen und Entwicklungen. Wären infolge der aufkeimenden antijüdischen Entwicklungen in Europa seit etwa Ende des 19. Jahrhunderts einige Dutzend Menschen ums Leben gekommen - natürlich wäre es auch schlimm gewesen, aber geschichlich gesehen nur eine Fortsetzung von jahrhundertelangen Querelen.
Daß sich aber nun eine (moderne und hocheffektive) Staatsmaschinerie geplant und vorsätzlich in dieser Richtung betätigte - das ist beispiellos. (Es gab sicher auch früher - in den mittelalterlichen Jahrhunderten - staatsmachtliche Einflußnahmen bzw. Unterlassungen, was die Frage der Judenverfolgungen anging - damals in Form der Fürstentümer oder in Stadtbereichen, wo sich dann das "Volk" "austobte" und die Obrigkeit zuschaute oder es sogar erwünschte, aber in den damaligen Ausmaßen war es immer noch "normal", auch im Hinblick auf den Entwicklungsstand der Zivilgesellschaft).

Was mich an diesem Vorgang der Weiterbeschäftigung der Nazidiplomaten in der BRD stört, ist natürlich in erster Linie diese Ignoranz, daß diese Leute auch "nichts dafür konnten", "nichts gesehen haben"... Es gab ja eine sogenannte "Entnazifizierung" - wer hat denn da hingeschaut und wer hat aus welchen Gründen was entschieden? Sicher sollte man immer eine Einzelfallprüfung vornehmen, aber im Falle des ehemaligen Oberstaatswaltes von Prag scheint es eindeutig zu sein. Der Mann hat mehr als hundert Gnadengesuche von politisch verfolgten und zum Tode verurteilter Menschen abgelehnt und war an insgesamt 900 Todesurteilen beteiligt. Angeblich konnte er nicht anders... - er hätte ja notfalls in die Moldau springen können... (und er wurde dann 1955, nach seiner Entlassung aus der Haft als verurteilter Kriegsverbrecher aus der Tschechoslowakei, im Ausswärtigen Amt in der Personalabteilung (!) eingestellt... 1962-74 war er Generalkonsul der BRD in Barcelona - abgesehen davon, daß es damals das faschistische Franco-Spanien war - damit hatte der Herr Dr. Nüßlein sicher keine großen Probleme... - ein Traumjob in einer Traumstadt...)
Aber, Sarkasmus beiseite - was mich an diesen Vorgängen auch weiterhin sehr stört, ist die Tatsache, daß diese Leute, wie sehr sie nun auch tatsächlich involviert und beteiligt waren an den Geschehnissen - gewußt haben sie sicher alle etwas, denn sie arbeiteten ja im Dritten Reich nicht in Kleinkleckersdorf auf dem Hühnerhof - dann wieder einen tollen und gut bezahlten Job bekamen, und natürlich auch mit der Perspektive einer guten Altersversorgung.

Also, ganz offen gesagt: es ekelt(e) mich an, und deshalb war unter diesen Bedingungen mein Beitritt zu einem wiedervereinigten Deutschland zum damaligen Zeitpunkt kein Thema. Wie sagte Biermann, für den ich nun wahrlich keine großen Sympathien hege - er wäre von der DDR in die BRD "aus dem Regen in die Jauche" gekommen.
Übrigens - auch wenn Vergleiche zwischen der DDR und dem Dritten Reich schwierig sind - die Geschichte wiederholt sich schon wieder. Gelegentlich bekommt man Lebensläufe zu lesen, die erst 1989/90 beginnen...

Viele Grüße - miljas :t252: :t252:
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