Der neue DEUTSCHE Fahnenkult, insbesondere die an Automobilen oder an Hausfenstern angebrachten schwarz-rot-goldenen Fahnen lösen bei mir ziemliches Befremden aus. Es mag daran liegen, dass ich aufgrund meines Alters (52) ein historisch geprägtes kritisches Verhältnis zu derartigen Symbolen des DEUTSCHEN habe, es mag aber auch daran liegen, dass ich diese Fahnen als Symbol für noch etwas anderes sehe: Sie zeigen eine Tendenz auf zum Unpolitischen und zum "Event-Leben".
Das Unpolitische...
Wer früher etwas öffentlich zu bekunden hatte, klebte sich Anti-Atomkraft-Aufkleber, Friedens- und Greenpeace-Aufkleber auf sein Auto oder hing - vor dem Irak-Krieg der USA - weiße Bettlaken an sein Hausfenster. Wenn heute jemand etwas öffentlich bekunden will, tut er dies mit der DEUTSCHEN Fahne. Man kann das natürlich als unbefangenen Umgang mit den Symbolen des DEUTSCHEN verstehen, sozusagen als Rückkehr zur Normalität wie es in anderen Staaten wie z.B. den USA auch praktiziert wird, man kann es aber auch als Ausdruck von Geschichtslosigkeit, von Unreflektiertheit, von Unpolitisch-Sein bewerten.
Das Event-Leben...
Das Event-Leben ist für mich Ausdruck eines erlebnisarmen, eines zunehmend weiter entfremdeten Lebens. Die Leute freuen sich nicht mehr "von innen" heraus, sie bekommen von außen die "künstlichen" Impulse. Sie gestalten nicht mehr aktiv ihr Leben, sie sitzen vor dem Fernseher, sie müssen funktionieren im Beruf, in der Schule, in der Universität. Die künstlich geschaffenen, aufgebauschten "Events" wie die Fußball-EM bieten ihnen die Möglichkeit zum vermeintlichen Ausbrechen (man fährt z.B. hupend durch die Gegend), zu aufgesetzter Fröhlichkeit in der Masse.
