Klaus hat geschrieben:Hallo,
ich kann und möchte zu der "Todesdiskussion" nichts sagen. Ich finde Sie spannend.
Ich möchte Euch kurz einen Zwischenstand geben:
Ich habe im Moment ein wenig Zeit zum Luft holen, meine Mutter ist in der Kur in Bad Wildungen und ihr geht es recht gut da. Sorgen bereitet mir eher mein Vater. Schwere Herzinsuffizienz, Herzklappenfehler (Mitralklappe), lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen - so lautet kurzgefasst die Diagnose, wie ich heute nach einem Gespräch mit der Ärztin erfahren habe. Er nimmt ca. 12 Tabletten am Tag, ist aber noch im Krankenhaus. Er selbst scheint sich seines lebensbedrohlichen Zustandes nicht bewusst zu sein und ich werde mich hüten, ihm das zu sagen. Aber er wird - so vermute ich - noch vor meiner Mutter an plötzlichem Herztod sterben. Ich schreibe das jetzt einfach so, eigentlich ist es schrecklich, aber ich spüre erstaunlicherweise eine gewisse Gelassenheit, vielleicht, weil er vermutlich einen "schönen" Tod haben wird.
HERZliche Grüße
Klaus
Lieber Klaus,
eine ganz ähnliche Diagnose wie Dein Vater hatte auch meine Stiefgroßmutter im Januar gestellt bekommen, drei insuffizeinte Klappen, die gesamte vordere Herzspitze durch viele kleine Episoden völlig außer Funktion gesetzt, die Hinterwand duch einen "stillen" Infarkt gehandicapt, nur daß bei ihr die Arrhythmie weniger stark ausgeprägt war - das Vorhofflimmern trat nicht permanent auf -, wobei bei ihr aber außerdem ein schweres Lungenödem und zusätzlich eine Wasseransammlung im Pleuralraum/Pleuraerguß vorlag. Beim Absaugen von letzterem waren wir (meine Frau und ich) anwesend, es wurde etwas mehr als ein Liter Flüssigkeit abgesaugt, das Lungenödem wurde durch Entwässerung beseitigt. Und wenn es nicht gelungen wäre, die Arrhytmie aufzuheben, hätte sie wohl trotz ihrer 85 Jahre einen Schrittmacher erhalten. Ich habe gerade eine ergänzende Webseite dazu gefunden - vielleicht kennst Du sie schon:
http://www.natur-heil-verfahren.de/absolute-arrhythmie/
Meine eine Schwester, die Ärztin, kommentierte sehr klar: Bei einer solchen Diagnose kann das Leben sehr schnell zu Ende gehen. Bei guter Pflege, gutem und vor allem richtigen Essen und null Streß und Anstrengung (körperlich und seelisch) können Patienten aber noch viele Jahre leben!
Vielleicht noch ein Gedanke dazu, der den Deinen an "einen 'guten' Tod" ergänzt: Mein eigener Vater ist ja gerade vor wenigen Tagen "erst" 81 geworden. Als er davon hörte, daß bei der Oma evtl. ein Schrittmacher eingesetzt werden sollte, kommentierte er das sinngemäß so: Bei ihm selber würde er über eine solche künstliche Hilfe lang wohl gar nicht mehr lange nachdenken, nun, da er dieses Alter erreicht habe, neige er viel mehr dazu, der Natur ihren Lauf zu lassen. Und die Mutter eines Schwagers, die sich letztes Jahr kurz nach ihrem 85. Geburtstag mit dem Thema Darmkrebs auseinandersetzen mußte, hatte gemeint, sie sähe es eigentlich nicht ein, sich jetzt noch der ganzen Diagnostik zu unterziehen, denn selbst wenn ihr diese Diagnose gestellt würde, würde sie in keine chirurgische Therapie mehr einwilligen. Was empfinde ich bei solchen Äußerungen? Ich finde es beeindruckend, wenn ein Mensch bewußt und in Würde solche Entscheidungen treffen und damit letztlich über das eigene Sterben und den eigenen Tod bestimmen kann. Es hat etwas unvergängliches an sich, weil dieser Mensch durch das Annehmen seiner Sterblichkeit über selbige hinauswächst, so sehe ich das.
Wenn Dein Vater nun tatsächlich unvermittelt eines baldigen Herztodes sterben würde, dann sähe ich darin auch eine Art Gnade, die ihm widerführe (auch ohne damit irgendwelches religiöses Gedankengut bemühen zu müssen). Hätte das nicht auch etwas tröstliches an sich?
Lieber Klaus, wie es ist, wenn die eigenen Eltern weggehen, kann einer nur beurteilen, der diesen Verlust schon erlitten hat, sagt meine Frau, deren Vater schon vor über 20 Jahren gestorben war und deren Mutter letztes Jahr starb - für sie war es wichtig gewesen, daß es ihr wenigstens gelang, ihre Mutter in Ruhe und Frieden gehen lassen und vor allem auch noch rechtzeitig die Reste vieler jahrelang schwelender Konflikt aufarbeiten zu können. Ich wünsche Dir gute Regeneration, viel Kraft, viele gute Gespräche und den damit verbundenen Energiezuwachs und Deinen Eltern bei aller Krankheit dennoch Leichtigkeit und Angst- und Schmerzfreiheit!
Von ganzem Herzen alles Liebe
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