Fortsetzung
von Klaus » 28.02.2008, 08:17
Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Frau vom örtlichen Hospizverein. Sie hat mir verschiedene Möglichkeit aufgezeigt, die in den einzelnen Phasen zur Verfügung stehen. Kassel ist hinsichtlich Palliativmedizin zum Glück relativ gut versorgt - ein schwacher Trost.
Außerdem habe ich mich gestern mit Anja getroffen. Ich hatte ihr unter Hinweis darauf, dass ja der Donnerstag Mittag ihrem Freund gehört gemailt, dass wir uns ja am Mittwoch treffen könnten. In der Mail hatte ich auf die Krebserkrankung meiner Mutter hingewiesen, aber dann am Anfang des Treffens gesagt, dass ich mit ihr darüber nicht mit ihren reden wolle. Sie entgegnete darauf, dass sie sich darauf sowieso nicht eingelassen hätte. Wir haben uns dann eine Stunde nett unterhalten und ich konnte in dieser Stunde auch gut abschalten. Offensichtlich kann sie sich schon ganz gut abgrenzen. Bei mir hat das gemischte Gefühle hinterlassen. Einerseits stehen wir uns nicht so nahe, dass sie sich meine Probleme reinziehen "müsste", andererseits fand ich es schon relativ hart. Aber ich denke, auch da spielt das Alter eine Rolle, man ist in Anjas Alter einfach anders drauf als in meinem (unserem hier). Hinzu kommt, dass es bei vielen Menschen einen verständlichen Impuls gibt, sich nicht mit unangenehmen Dingen konfrontieren zu lassen, also sie zu verdrängen. Ich habe auch bei anderen, die mir nicht so nahe stehen, registriert, dass sie nicht weiter reagiert haben, als ich ihnen von meiner Situation (kurz) berichtete. Hinzu kommt, dass vermutlich viele Leute einfach hilflos sind, wenn sie davon hören. Jeder Mensch hat ein bestimmtes Verhaltensrepertoire, aber da gibt es möglicherweise kein "Programm", wenn man von jemandem gesagt bekommt, dass ein naher Angehöriger Krebs hat. Es mag auch eine Rolle spielen, dass ich (verbal) relativ offen und offensiv damit umgehe, und es nicht verschämt für mich behalte.
HERZliche Grüße
Klaus