Aggression




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Aggression

Beitragvon Coco » 01.02.2008, 12:29

Hallo. ihr Lieben alle,
Der Titel "Aggression" nervt Dich vielleicht, liebe Meer. Es würde mir sehr leid tun, wenn Du hier in ein Thema hineingezogen wirst, mit dem Du eigentlich fertig bist.
Toggle sprach es erfreulicherweise irgendwo auch an. Das Thema ist für mich nicht erledigt und beschäftigt mich immer wieder.
Das Problem ist, dass in dem Verhältnis zu meiner Tochter sehr viel Aggression steckt und sie lässt ihre Aggression auch deutlich heraus (Gesichtsausdruck, Lautstärke, Schimpfwörter,...)
Gestern bat ich sie, als sie vor dem Fernseher lag, 4 leichte Scheite Holz zum Anzünden des Ofens hereinzuholen. Sie schaute mich direkt an und sagte:"Ja, später." Da ich aber im Rollstuhl am Ofen stand und mich darauf eingestellt hatte, ihn anzuzünden, bat ich weiter: "Nur 4 kleine Hölzer und dann kannst Du Dich gleich wieder hinlegen."
Als ich dann sah, daß sie lachte und sich freute, dass ich so am Betteln war, brach bei mir auch die Aggression raus und sie hat einige schlimme Dinge von mir zu hören bekommen.
Sie ist dann still in ihr Zimmer nach oben verschwnden und ich bekam im Laufe der nächsten Stunde ehr miese Gefühle. Solche Auseinandersetzungen hatte ich nie haben wollen. Vielleicht waren es bei mir auch so etwas wie Schuldgefühle, denn mir wird immer wieder auch von meinem Mann gesagt, dass ich durch mein Verhalten erst den Streit entstehen lasse.

Liebe Grüße,
Coco :t227:
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von Anzeige » 01.02.2008, 12:29

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Beitragvon Meer » 01.02.2008, 12:57

Nein, liebe Coco,
mich nervt es nicht wenn du dieses Thema wieder ansprichst und fertig bin ich damit auch nie, selbst wenn ich mit meinen Aggressionen inzwischen anders umgehe, sie in konstruktive Kanäle leite, falls sie auftauchen, denn ich werde ja noch durch andere Menschen in meiner unmittelbaren Nähe damit konfrontiert und mich beschäftigt das schon auch noch.
Nur kann ich mich im Moment nicht weiter darauf einlassen, ich muss erst ein anderes anstehendes Privatthema bearbeiten was mich im Moment belastet.

bis denn
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Beitragvon toggle bis 12. Jan. 2012 » 01.02.2008, 17:56

Liebe Coco,

dazu fallen mir gewisse Parallelen aus der Zeit ein, in dem meine Kinder in eben diesem Alter waren. Es ist die Zeit, in der sich die Kinder abnabeln und ihren eigenen Weg suchen müssen. Da sind solche Auswüchse ("denen zeig ichs jetzt aber mal", "sollen die doch sehen, wo sie bleiben", "ich laß mich von DER/von DEM nicht mehr so rumkommandieren, die können mich mal", und so weiter) im Grunde "normal". In Deiner Situation wird das durch Deine Behinderung allerdings potenziert, ich weiß nicht, wie ich mich da verhalten würde - mir fällt es außerordentlich schwer, das zu beurteilen, aber ich glaube Dir ohne jede Einschränkung, daß Dich das schwer belastet und daß Du sehr darunter leidest. Das einzige, was mir dazu einfällt, ist, Dir zu sagen, hab Mut und Geduld - mit der Zeit wird sich das wieder ändern.

Unsere jüngere Tochter war früher auch manchmal sehr aggressiv. Vorgestern kam hier ein Brief vom Prüfungsamt ihrer Uni an. Wir vermuteten, was dann auch zutraf, daß darin die Mitteilung über die Note ihrer Diplomarbeit enhalten war, die ihr als einzige noch für die Bewerbungen fehlte. Unsere Tochter wirkte dann vollkommen verstört, sie sprach ganz leise und geknickt; seit Montag (es war Mittwoch) hätte sie schon eine Mail von ihrrem Betreuer, die sie nicht geöffnet hätte. Sie hätte so Angst vor einer schlechten Note, daß sie sich nicht trauen würde... Wir erwzangen uns dann mehr oder minder ihr Einverständnis, machten den Brief auf und lasen ihr die Note 1,7 vor. Darauf brach sie erst mal zusammen, heulte uns einen vor, und als sie sich endlich wieder gefaßt hatte, kam raus, daß sie wahnsinnige Panik gehabt hatte, eine 5 oder eine 6 zu haben. Und? Wir haben uns erst mal mit ihr gefreut. Und dann hatte meine Frau nichts besseres zu tun, als der Tochter vorzuhalten, sie hätte das Ganze auch viel ruhiger haben können, sie wüßte ja, wie sie bei der Arbeit chaotisch geschlampt und alles immer wieder vor sich hergeschoben hätte... Das fand ich in dieser Situation absolut unangebracht. Aber was willste in dem Moment sagen??? Tochter war trotzdem heilfroh, die Hochspannung war endlich weg - sie hat das, was meine Frau dazu sagte, wohl gar nicht so richtig wahrgenommen und war dankbar, daß wir in dieser Situation für sie da gewesen waren, wenigstens am Telefon.

Liebe Grüße
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Beitragvon Starlight » 01.02.2008, 17:56

Hallo Coco,

also den Mutter-Tochter-Konflikt, den habe ich mit meiner "Jungen" auch. Da fetzt es dann ganz ordentlich. Ich frage mich nur, warum Du Dich überhaupt in so eine Bettelrolle begibst. Nur die Tatsache, dass Du im Rollstuhl sitzt, sollte es nicht sein. Ich würde versuchen Sie mit festem Ton dazu auffordern. (Lach, ich kann gut reden, gell) Und ein schlechtes Gewissen brauchst Du deshalb nicht zu haben. Wenn ich jedesmal, ein schlechtes Gewissen hätte, wenn es zwischen mir und meiner Tochter "funkt", dann würde ich gar nicht mehr rauskommen, aus den Schuldgefühlen. Nein, nein Coco, tu Dir das nicht an.
Deine Tochter hat das gut drauf, Dich immer wieder in Deiner Opferrolle zu bestätigen, oder? Und sie gibt Dir die beste Möglichkeit, Dich dagegen zu wehren. :t010:

LG Starlight :t291:
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Re: Aggression

Beitragvon La Donna mobile » 01.02.2008, 18:36

Hallo Coco,

ich kann meinen Vorrednern nur Recht geben, in dem, was sie dir raten und wie sie versuchen, dich zu trösten.
Ich habe zwar keine Tochter und hatte auch mit meinem einzigen Sohn nie diesbezüglich Probleme, denn ich war eine verhältnismäßig strenge Mutter, aber ich kann mich noch gut an meine eigene Jugend erinnern. Mir war in diesem Alter - ich glaube, deine Tochter ist ca. 13 oder 14, gelle? - immer meine Oma, die mit in unserem Haushalt lebte, ein Dorn im Auge. Sie war eine Seele von Frau und hätte für ihre Enkel alles getan, aber an manchen Tagen störte mich in dieser Zeit schon ihre bloße Gegenwart. Ich war muckig, frech und unverschämt ihr gegenüber, bis sie mir eines Tages dann aber doch gehörig die Leviten gelesen hat. Das hat dann bei mir einen Denkprozess ausgelöst und ab dieser Zeit war ich um einiges vorsichtiger. Denn unser Vater führte ein strenges Regiment und wenn Oma sich nicht mehr zu helfen wusste, erzählte sie ihm auch, was so vorgefallen war. Mit meiner Mutter hätte ich solche Spielchen eh nicht treiben können, denn da hätte es bei der Zeit was gesetzt.

Bei meiner Schwiegertochter und ihrer Großen, die am Dienstag 13 wird, beobachtet man ganz selten solche Machtkämpfe und wenn, dann sind die beiden Weiber aber echt am Schreien und Zetern, und unser Sohn hält sich total heraus. Er sagt sich, dass die eine ja erwachsen ist und die andere müsse erst lernen es zu werden. So einfach sieht das mein Jungvolk!

Nimm es nicht so schwer, Coco, und versuche wirklich etwas bestimmter aufzutreten. Deine Tochter war - so kann ich mich entsinnen - schon immer etwas dickköpfig, oder? Natürlich haben wir hier nicht in alle Einzelheiten Einblick, aber ich finde, dass du ruhig etwas mehr Gas geben könntest :-).

Viele Grüße,
die Donne :t029: mobile
La Donna mobile
 

Beitragvon Meer » 02.02.2008, 12:35

Lieber toggle,

ich will mal kurz vom Thema abweichen wegen Mitfreude :-)

machten den Brief auf und lasen ihr die Note 1,7 vor.


Das ist `ne ganz stolze Leistung an der du ja auch Mitverdienst hast.

Richte deiner Tochter bitte Grüße und meine Mitfreude aus, sei so lieb und sei du jetzt auch mal etwas entspannter und freu dich mit.

Meer :-)
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Beitragvon toggle bis 12. Jan. 2012 » 02.02.2008, 21:32

Danke :-) , liebe Meer, werde ich tun,
ich denk, ich telefoniere morgen wieder mit ihr (der jüngeren).
Sie war heute dagewesen, wir hatten aber keine Gelegenheit,
alleine miteinander zu reden.

Heute abend kam nun unsere Enkelin (4) in die Klinik,
Tochter unserer Älteren,
ich werde jetzt gleich noch nachschauen,
was die Diagnose bedeutet, die sie bekam.
Das ist schwer zu ertragen.
Ihr Vater, unser Quasi-Schwiegersohn, hat Lungenentzündung,
und die Tochter ist auch ziemlich erkältet,
sie soll außerdem nächsten Mittwoch eine Vertretungsstelle antreten,
und gleich als Direktorin einer Schule (!),
nachdem sie bis Anfang des Jahres keine Referendarstelle bekam.

Die Tochter meiner Großmutter (meine Stieftante also) hat sich seit
Mittwoch auch nicht mehr gerührt. Ich bin richtig stinksauer auf sie.
Wenn sie morgen nicht anruft und mitteilt, wann sie nun endlich
herkommt, kriegt sie eine sehr direkte Mail von mir, daß ich mich
nicht mehr verantwortlich fühle. Ich werde die Oma weiter besuchen,
aber mehr auch nicht. Soll sie doch sehen, wie sie das alles auf
die Reihe kriegt.

Tut mir leid für die Oma, aber verheizen laß ich mich nicht!

Und zuhause hat sich auch noch etwas ereignet, was ich erst noch
irgendwie verdauen und meine Konsequenzen daraus ziehen muß.
Es kommt eben alles zusammen.

Aber ich lasse mich nicht unterkriegen! (Und das ist eine Kampfansage!)

Liebe Grüße
toggle
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Kampfansage

Beitragvon Gast » 03.02.2008, 08:39

Lieber toggle,
mir kommt es vor, als wenn sich bei Dir die Schwierigkeiten ein wenig anhäufen. Das tut mir sehr leid, doch Du hast ja immerhin eine Kampfansage von Dir gegeben.
Das ganze Thema steht symbolischerweise (?) unter Aggression.
Alles Liebe , vor allem viel Kraft wünscht Dir Coco :t221:
Gast
 

Beitragvon Meer » 03.02.2008, 18:26

Ihr Lieben,

deine Aussage lieber toggle bringt uns direkt wieder zum Thema zurück.
Zitat toggle:
Aber ich lasse mich nicht unterkriegen! (Und das ist eine Kampfansage!)

Dazu nun ein wenig zum Überdenken.

Dass in uns immer wieder einmal Aggressionen auftauchen ist ganz normal, nur sollten wir uns dabei ansehen, "was" uns aggressiv werden lässt und "wie" es dazu kommt.
Meist stellen sich uns ja irgendwelche Schwierigkeiten und Behinderungen in den Weg, die uns ausbremsen, blockieren und frustrieren, woraus dann die Aggression hervor geht.
Diese sollten wir dann so bewusst wie nur möglich ansehen, als eine Energie die aus uns selbst heraus will und wir sollten sie annehmen und zuerst einmal innerlich begreifen lernen und nicht früher im Äußeren handeln, bis dass wir diese Emotion voll ausgefühlt haben und wieder besonnener und gelassener geworden sind.

Denn eine Verteidigung stellt ebenso ein aggressives Verhalten dar wie die Aggression selbst, nur mit dem Unterschied, dass die Aggression den "ersten Einsatz" von Gewalt darstellt und die Verteidigung eine Reaktion darauf ist, also der "zweite Einsatz".

Nutzen wir also diese Energie zu einem konstruktiven Handeln, soweit das möglich ist und versuchen wir klärende Gespräche und gefasst zu bleiben.

liebe Grüße
Meer
~~~ LIEBE ~~~
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Beitragvon toggle bis 12. Jan. 2012 » 03.02.2008, 19:55

"Das ist eine Kampfansage"

Mag sein, daß ich mich falsch ausgedrückt habe
- zum richtigen Verständnis:

Damit meine ich, in bestimmten Situationen
nicht mehr nur RE-Agieren zu wollen,
sondern von vornherein selbst die Fäden in die Hand zu nehmen.
Selbst besser für mich zu sorgen.
Mein Leben nicht von anderen zu meinen Ungunsten bestimmen zu lassen,
gerade wenn ich ihnen ansonsten emotional eng verbunden bin.

Das betrifft bestimmte Abhängigkeiten,
in denen ich mich befinde,
Abhängigkeiten emotionaler Art.

Ein (sehr) allgemeines Beispiel,
das nichts unmittelbar mit mir zu tun hat,
mag dies vielleicht erläutern:

Da möchte jemand etwas von Dir
oder erwartet,
daß Du etwas in einer bestimmten Art und Weise tust.
Und sagt zu Dir:
"Ich will doch nur Dein Bestes!"
Und auf Dein anzweifelndes Nachfragen:
"Aber das ist doch wirklich nur zu Deinem Besten,
wenn Du so handelst, wie ich Dir das vorschlage!"
Das alles natürlich in viele nette Worte verpackt.
Ist das richtig?
Falsch! Trugschluß!
Es ist zu SEINEM Besten!

Wenn dieser Jemand einer ist,
dem Du Dich emotional verbunden fühlst,
kann es trotzdem sein, daß Du auf ihn hereinfällst.
Du läßt Dich dann zu Deinem Nachteil von ihm fremdbestimmen.

Setzt sich dieses Verhalten lange fort,
dann verlernst Du auf die Dauer,
wie man auf solche Situationen angemessen reagiert.
Und Du verlernst,
rechtzeitig Fallgruben zu erkennen,
die andere Dir zu Ihrem Besten graben.

Wenn Du das erkennst
und unzufrieden damit bist,
wirst Du Auswege suchen.

Einer der Auswege ist,
sich selbst angemessene Reaktionen anzutrainieren.
Aktiv zu werden.
Nicht mehr alles mit sich machen lassen.

Ist das Aggression?
Ich sehe das als Grenzen setzen.
Sich abgrenzen,
die eigenen Interessen vertreten.

Liebe Grüße
toggle
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